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Webwriting-Magazin > Über Andere


Wie man im Web Tinte verkauft - oder auch nicht.

Ein Webshop braucht keine Ladentür

Endlich weiß ich, was die Leute mit den Webshops anstellen, die von Puretec oder Strato angeboten werden und, wie es heißt, reißenden Absatz finden: Die frischgebackenen Web-shop-Inhaber verkaufen dort Druckertinte und Toner. Eine entsprechende Suche in Google ergibt - zum Teil über weiterführende Branchenverzeichnisse - eine schier endlose Liste Online-Lieferanten für diese Todfeinde des papierlosen Büros, und ein erklecklicher Teil davon führt nur diese beiden Produkte.
 
Außerdem: Nachdem ich mir einen Teil dieser Web-Shops angeschaut habe, weiß ich endlich auch, wie wir einmal einen konstruktiven Zug in unsere bislang eher kritischen Site-Besprechungen bringen: Ausgerechnet bei den Tintenhändlern fand sich eine Website, die - zumindest für ihren begrenzten Zweck - als leuchtendes Vorbild für Ergonomie und Usability eines Webshops gelten kann. Und damit dieses leuchtende Vorbild sich um so heller vor einem tintenschwarzen Hintergrund abhebe und auch die Freunde kleiner Bosheiten auf ihre Kosten kommen - wir sehen ja an unseren Logs, daß Sie eine Vorliebe fürs Destruktive haben - kommen mir die bei den anderen Tintenhändlern reichlich gebotenen schlechten Beispiele gerade recht.
 
Fangen wir doch gleich mit einem an. Die Suchmaschine sagt, daß es bei *www.computech-germany.de Tinte geben soll, nix wie hin also. Zunächst gibt es aber nur ein animiertes Gif: Jetzt kostenlos SMS versenden, piep, piep, piep. Dann springt einem aus dem Nichts der Firmenname Computech erst ins Gesicht und dann auf die Seite - toll. (Dahinter steht ein 300-Zeilen langes Javascript speziell für Frontpage, aber lassen wir das). Und irgendwann nach 15 Sekunden oder so ist die Seite fertig und in der Tat, dort gibt es Original Tonerkartuschen und Tintenpatronen von allen Herstellern. Die Wörter sind zwar fett geschrieben, (wenn auch nicht so fett wie der Hinweis "Achtung - neues Chatsystem") aber einen Link zum entsprechenden Warenregal enthalten sie nicht.
 
Im Navigationsmenu links steht zwar nichts von Druckertinte, aber immerhin etwas von "Neumaterial", und qualitätsbewußt, wie wir sind, klicken wir das an. Aha, "Wir führen Tintenpatronen von allen Herstellern" lernen wir da, und "Unsere Preislisten sind in zwei unterschiedlichen Kategorien aufgeteilt", privat und geschäftlich. Um gewerblichen Zugang zu finden, brauchts ein Fax mit Briefkopf und die Genehmigung des Ortsbischofs oder so, also klicken wir links auf "Tinte privat". Die nunmehr dritte Seite erfreut uns mit einer Preisliste, auf der die Zahl der "sämtlichen Hersteller" auf übersichtliche Zwei geschrumpft ist. Das nenne ich Usability. Anklicken kann man aber immer noch nix - wie komme ich bloß an meine Tinte? Ach ja, unten am Seitenende steht ja noch etwas: Bestellung bitte per e-Mail oder per Fax an (Nummer).
 
Da sieht man so richtig, wie bei Computech Frau Meisegeier alletage kurz vor Dienstschluss am Computer im Chefsekretariat die Mails mit den Bestellungen ausdruckt, dann zum Fax im ersten Stock geht, um die dort eingelaufenen Bestellungen einzusammeln, und dann alles ins Eingangskörbchen von Herrn Blechle beim Versand legt.
 
Genauso haben wir uns das mit e-Business immer schon vorgestellt.
 
Dabei hat der Herr Computech wahrscheinlich sogar jemanden gefragt, der sagt, daß er sich auskennt. Von alleine kommt doch kein Mensch auf die Idee, daß Frau Meisegeier beim Tintenkauf im Chat wartet, bis noch jemand dazu kommt, oder in der Arbeitszeit schnell mal ein SMS an Herrn Blechle verschickt. Dazu braucht man schon qualifizierte Beratung. Die zwar an den vielberufenen Zusatznutzen denkt, nicht jedoch daran, daß auf so einer Website schon irgendwo stehen sollte, ob und wieviel Versandkosten man zu den Preisen auf der Liste noch dazurechnen muß. Und ob Fax wirklich das Medium der Wahl im e-Business darstellt.
 
Suchmaske bei toner-direkt.deNutzen pur
 
Wie es auch anders geht, ist auf *www.toner-direkt.de zu besichtigen. (Die gleiche Seite erscheint auch bei Eingabe von Tinte-Direkt). Kein Javascript, keine Animation (außer in einem Banner, das noch Geld bringt), kein Chat, keine Begrüßung - nix, null, nada. Noch nicht einmal ein raffiniert ausgedachtes Gewinnspiel wie auf *www.druckertinte.de, wo ich schon seit Wochen mit Ungeduld auf den für dieses Jahr angekündigten Nachfolger warte.
 
Bei Toner-Direkt besteht gleich die Eingangsseite aus wenig mehr als aus einem Bestellformular. Es ist trickreich mit Drop-Down-Menus realisiert und so einleuchtend ausgeführt, daß sogar Frau Meisegeier damit zurecht käme. Im Notfall drückt man halt ein paar mal probeweise auf die Buttons - man sieht sofort, was passiert. Eingeführte Kunden weisen sich mit ID und Passwort aus, so daß sie Ihre Adressen, Bankverbindungen usw. nicht jedesmal neu eingeben müssen. Nutzen pur - wer fragt da noch nach Zusatznutzen!
 
Ein in signalrot ausgeführtes Menu zeigt den Weg zu den AGBs, zu einer wohl eher selten benötigten, aber gut formulierten Hilfe, zum Impressum und zum Login für Stammkunden, die ihre Daten ändern wollen. Ein weiteres Hilfsangebot verspricht Kaufwilligen, die ihre ganz spezielle Tinte nicht gefunden haben, Auskunft über die Liefermöglichkeiten per e-Mail innerhalb eines Arbeitstages. Das ist alles, und ich kann mir wenig vorstellen, was man von einer Seite, auf der Druckertinte angeboten wird, mehr verlangen soll.
 
Vielleicht ein bißchen mehr Aufmerksamkeit für die grafische Gestaltung. Die Seite ist beileibe nicht häßlich, aber eine Kleinigkeit mehr Aufmerksamkeit für die Optik hätte vielleicht nicht geschadet. Allerdings stößt jede Gestaltung bei der hier mit guten Gründen gewählten Framekonstruktion schnell an ihre Grenzen. Ein gutes Beispiel für die Leistungsfähigkeit von Frames ist die Seite aber allemal. Des weiteren kann ich mir vorstellen, aus Mangel an Kenntnissen über die Marktsituation bei Druckertinte freilich nicht belegen, daß die gewählte Technik nicht das gesamte Sortiment abdeckt bzw. Anpassungen an Sortimentsänderungen nicht gerade erleichtert. Sowas ist immer eine Frage des Kosten-Nutzen-Verhältnisses. Wenn man 150% Entwicklungskosten aufwenden muß, um 2% mehr Sortiment/Umsatz anbieten zu können, rückt das Ende der Fahnenstange in greifbare Nähe.
 
Außerdem schimmert hinter Tinte-Direkt noch eine andere Absicht durch als die, Tinte zu verkaufen. Wie auf der Seite ausgewiesen, ist das hier eingesetzte "WebOrderSystem" von einem Service- und Webspace-Provider namens "Nexon" realisiert worden, und wie man beim Denic nachschlagen kann, ist der auch Inhaber der Domains tinte-direkt und toner-direkt. Anscheinend hat hier jemand die Idee gehabt, nicht nur eine Arbeitsprobe ins Netz zu stellen, sondern die auch für ihren Unterhalt arbeiten zu lassen. Ich habe schon schlechtere Kompetenzdemos gesehen.
 
Richtig linken!
 
Die große Stärke dieser Seite liegt sicher darin, daß man ohne Umweg gleich beim Bestellformular landet. Wie wichtig der schnelle Einstieg ist, kann man gut auf *www.tonerdepot.de besichtigen. Erstens dauert es relativ lange, bis die Ladenfront der Eingangsseite aufgebaut ist. Und wenn sie dann da ist, führt sie den kaufwilligen Besucher erst mal in die Irre: Die Produktkategorien im Schaufenster links und die Markennamen im Schaufenster rechts sind nämlich nicht etwa Links, die zu den entsprechenden Produkten führen, sondern reine Dekoration. Um an die feilgebotenen Waren zu kommen, muß man erst die Ladentür aufmachen - logisch vielleicht für Ladenbesitzer Dirk Schubert aus Annaberg, aber im Internet doch einigermaßen befremdlich. Links gehen auch ohne Ladentür.
 
Tatsächlich scheinen mehrere Tintenverkäufer und Do-It-Yourself Shop-Einrichter Ihre Probleme mit der Link-Technik zu haben. Wer mit einem Standard-Browserfenster 600X800 zu *www.3b-print.de kommt, muß schon ein scharfes Auge haben, um den Eingang zum Shop zu finden - die so deutlich herausgestellten Produktkategorien führen jedenfalls nicht weiter. Beim Internet-Kaufhaus *www.lumi.de kommt die linksuchende Maus auf der Eingangsseite auch nicht da zu ihrem Futter, wo sie spontan sucht. Einen ganz besonderen Gag aber erlaubt sich der namenlos gebliebene Designer von *www.heppcomputer.de. Der linkt, was als Kundendienst ja ganz lobenswert ist, zu jedem Produkt zwar die Gebrauchsanleitung, schafft es aber nicht, eine Verbindung zwischen Produkt, Bestellnummer und Bestellformular herzustellen. Wer hier im Formular unten ein Produkt von der gleichen Seite oben bestellen möchte, muß schon selbst sehen, wie er die Bestellnummer dort hin bringt. Vielleicht per cut'n paste, oder noch besser durch Zwischenspeicherung auf einem Stück Papier.
 
Womit die Idee von Computech mit der Bestellung per Fax nachträglich gar nicht so dumm erscheint.

Michael Charlier

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