10. März 2010

Wozu noch Privatheit? Ein Wutanfall.

Mit Verlaub: die immer öfter vorgetragene Meinung, dass “Offenheit und Ehrlichkeit” so etwas Altertümliches wie PRIVATSPHÄRE überflüssig mache, ist mutwilliges Flachdenkertum, dessen Naivität kaum zu überbieten ist. Erst recht empfinde ich den damit einher gehenden moralischen Zeigefinger als eine grobe Zumutung! Wenn sich das Bewusstsein vieler SocialMedia-Begeisterter so weiter entwickelt, werden bald alle, die noch einen Anspruch auf Privatleben vortragen, als unehrliche Feiglinge gemobbt, die vermutlich finsteren Machenschaften nachgehen und sich nicht trauen, zu dem zu stehen, was sie tun.

Von da aus ist’s dann nur noch ein kleiner Schritt bis zur Pflicht zur 100%igen Transparenz. Und gewiss werden das die Innenministerien der Zukunft SEHR gerne in Gesetze gießen. (Die “schöne neue Welt” von Huxley, wo wenn ich mich recht erinnere auch Vorhänge nicht mehr erlaubt waren, ist dann perfekt).

Wofür Privatheit gut ist

Weil aber diejenigen, die so locker daher reden und auf die “Illusion Privatheit” gerne verzichten, offenbar wirklich nicht mehr WISSEN, um was es geht: Im Privaten habe ich die Freiheit, mich zu bewegen, zu reden und zu handeln, ohne fortwährend einem “möglichen Publikum” die jeweiligen Kontexte, Gründe, Bezüge und Rechtfertigungen dieses Tuns oder Lassens vermitteln zu müssen. Gibt es keine Privatheit mehr, ist es mit dieser Freiheit vorbei. Dann werden die Menschen öde, gleichförmig attraktive Masken tragen und stromlinienförmige, nichtssagende Statements abgeben, aus denen niemand etwas Falsches ableiten kann.

Dieser Trend wird bei der Gestaltung von Profilen in sozialen Netzwerken ja heute schon deutlich: bloß keine Ecken und Kanten zeigen, es könnte ja jemand falsche Schlüsse ziehen, ein potenzieller Chef, Kunde, Auftraggeber oder gar “möglicher Partner” könnte abgeschreckt werden. Style deine ON-ID, sonst bist zu verratzt - dieses Mantra verbreiten immer mehr Warner und jede Menge Agenturen, die sich dann auch gerne um die “Bereinigung” von allem, was nicht passt, kümmern.

Wahrheit gibt es nur im Kontext

Ohne Privatheit verstärkt sich das alles noch und durchzieht dann als verinnerlichte Haltung den gesamten Lebensalltag. Und dabei geht es in der Regel NICHT um Dinge, zu denen man gerne steht oder stehen können sollte, sondern um irgendwelche Info-Bits, die im Zuge des allgegenwärten gescannt/gefilmt/abgehört/mitgelesen-werdens aus dem Zusammenhang gerissenen werden und falsch bewertet. Ohne dass man es auch nur mitbekommt und etwas Erläuterndes dazu sagen könnte.

Natürlich gab’s das auch in der Vergangenheit, die neuerdings den Namen “Offline-Zeit” trägt - allerdings nur als Unfall und Ausnahme, nicht als stets zu berücksichtigender Dauerzustand. Denn man hatte ja noch PRIVATHEIT: ein für sich sein bzw. mit bestimmten Anderen sein - unter Ausschluss einer Öffentlichkeit, die von dem, was man gerade mit bestimmten Menschen teilt, keine Ahnung hat und auch nicht haben muss. Privatheit ist die Freiheit, zu leben ohne mich dauernd erläutern zu müssen, ja, ohne auch nur daran DENKEN zu müssen, wie mein lockerer Spruch an den Freund, der mich 10 Jahre kennt und genau weiß, wie ich es meine, auf andere wirken könnte.

Wer sich natürlich nur wirklich lebendig fühlt, wenn hunderte oder tausende “Freunde” mitbekommen “what’s happening”, der wird schon gar nicht mehr begreifen können, von was ich spreche. Für den bin ich eben der “Altmensch”, der gerade dabei ist, von der Evolution ausgemerzt zu werden.

Mag sein, dass es so ist. Aber ehrlich: ich bin nicht neidisch auf Eure schöne neue mega-transparente Welt!

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Dieser Beitrag ist inspiriert vom Kommentargespräch unter dem Artikel “Facebook mit neuem Location-Feature: Angriff auf den Wettbewerb – und den Datenschutz” auf Basic Thinking.

9. März 2010

Über Wertschätzung, Dankbarkeit und gekürzte RSS-Feeds

Zwar zähle ich nicht zu den regelmäßigen Leserinnen des Basic-Thinking-Blogs, doch berührt mich der Streit um das ökonomisch begründete Kürzen der RSS-Feeds durchaus. Die Reaktionen auf den Entzug der Möglichkeit, die Artikel auch fern der BT-Website zu lesen, lassen zwei Lager erkennen, die sich nun gegenseitig beharken:

  • Die einen kündigen den gekürzten Feed und beschweren sich über die Zumutung, mit “einem Mausklick mehr” den Quelle aufsuchen zu sollen: Zu unbequem, zu weit weg vom eigenen “Workflow” - und überhaupt: Infos gibt es doch wie Sand am Meer, was schert uns da der Wunsch, auch Geld mit Werbung zu verdienen?
  • Die anderen finden den Schritt zu gekürzten Feeds ok und prangern den Egoismus der Ersteren an, die auf der Kultur des Kostenlosen beharren und immer nur nehmen, aber nichts geben wollen. Wo bleibt die Dankbarkeit für die ganze Arbeit? Warum gönnt man den Bloggern ihre Werbe-Peanuts nicht?

Klar, dass die Basic-Thinking-Schreiber mit einigem Unmut auf die Kündigungs-Ankündiger reagieren. Bemerkenswert, dass sie gerade dadurch für etliche Leser wieder interessant werden - auch für mich. weiter…

22. Februar 2010

Frühlingserwachen in der Blogosphäre?

Veränderungen werden allzu oft nur als Verschlechterungen wahrgenommen: so sehen viele einen Bedeutungsverlust der Blogs in Bezug auf die vermeintlich “zeitgemäßere” Kommunikation in den sozialen Netzen. Ich erspare Euch jetzt eine Link-intensive Aufzählung deprimierender Beiträge dazu aus dem letzten Herbst und Winter, sondern freue mich über einen neuen Ton in der Debatte um den Sinn der Blogs.

Jammern und Klagen sind nämlich endlich und öden irgendwann nur noch an: es geht darum, Nägel mit Köpfen zu machen, zu sichten, was Sache ist und daraus auch Konsequenzen zu ziehen - jeder im eigenen Blog, sofern noch nicht geschehen. weiter…

19. Januar 2010

Durchsichtige Medienkampagne gegen Google

Ich lese seit 30 Jahren DIE ZEIT, doch es fehlt nicht mehr viel und dieses Flaggschiff des Qualitätsjournalismus verliert das Vertrauen, das über Jahrzehnte aufgebaut wurde. Während nämlich auf ZEIT ONLINE in Sachen Netzthemen Meinungsvielfalt herrschen darf, sind die Artikel in der Druckausgabe (aktuell auf S.1: Im Google-Wahn) strickt auf Linie: contra Google, die böse Datenkrake, die uns “mit Werbung umzingelt” und überhaupt alles Böse repräsentiert, was sich netzfernere Leser in ihren Angstträumen ausmalen - kräftig unterstützt von ZEIT, SPIEGEL, FAZ etc.

Wer sich inhaltlich einlassen will, dem empfehle ich für den Moment die vielen Kommentare unterhalb des o.g. Artikels - und im übrigen die Analyse von CARTA: Wie die FDP eine “Lex Google” durchboxen soll: “Was hier abläuft, ist knallharte Klientelpolitik. Liberale Medien und FDP werfen sich die Bälle zu. Gesetze, die (außer von einigen Verlegern) von niemandem gefordert werden, sollen durch’s Parlament gejagt werden. Volksvertreter sollen zur Ausschaltung einer lästigen Konkurrenz missbraucht werden.” weiter…

13. Januar 2010

Ab in die Cloud: Google macht Festplatten tendenziell überflüssig

Na klar, im Web gibt es lange schon verschiedenste Anbieter, die mit kostenlosem Speicherplatz zum Upload in die “Cloud” locken. Die ersten paar GB gibts dort in der Regel gratis, dann muss gezahlt werden. In Zeiten des zunehmend mobiler genutzen Internets sind solche Angebote durchaus nützlich, doch waren sie bisher nicht wirklich erfolgreich. Wie sauer Bier bekam man hier und da die “Festplatten im Web” per Einladung oder Gewinnspiel nachgeworfen - aber wie viele nutzten sie wirklich?

Ein Haupt-Hindernis war und ist das mangelnde Vertrauen (Trust), das all diese neuen Dienste gemeinsam haben bzw. eben NICHT haben. Wer will denn schon irgend einem StartUp große Mengen wichtiger Daten überlassen? Es könnte schon morgen wieder verschwunden sein oder plötzlich mehr Geld verlangen. Und wäre es überhaupt im Stande, Hard- und Software weiter user-freundlich zu managen, wenn der große Erfolg kommt? Eine umfangreiche Verlagerung von Festplatten-Inhalten auf Firmen-Server ist ja nicht gerade trivial, wenn so ein Angebot mal wirklich massenhaft angenommen wird. WEM traut man das denn wirklich zu? weiter…

24. November 2009

Bye bye Google Analytics!

Angesichts des ZEIT-Artikels “Datenschützer wollen Einsatz von Analytics verhindern” habe ich das Tool grade eben kurzerhand aus meinen Webseiten entfernt. Denn darin heißt es recht deutlich:

“Datenschützer in Bund und Ländern wollen die Betreiber von Internetseiten – notfalls auch mit Sanktionen – dazu bewegen, auf den Einsatz von Google Analytics zu verzichten. Neben dem Unabhängigen Landeszentrum für Datenschutz Schleswig Holstein (ULD) und dem Bundesdatenschutzbeauftragten setzt sich auch bei deren Kollegen in Berlin, Hamburg und der Bayerischen Aufsichtsbehörde in Ansbach die Überzeugung durch, dass der Einsatz von Google Analytics nach deutschem Recht unzulässig ist.”

weiter…