20. Juni 2010

7 WWMAG-Surftipps: Leistungsschutzrecht, Futurezone, Wordpress 3.0

Nach dem Willen der Verleger würden Blogpostings wie dieses in Zukunft Zahlungspflichten per Leistungsschutzrecht begründen, denn ich nenne GANZE TITEL der jeweiligen Artikel! Dass sie das Geld über eine Verwertungsgesellschaft eintreiben wollen, macht die Sache nicht besser, sondern schlimmer: so kann kein Autor, kein Webmagazin und kein einzelner Verlag aussteigen und die eigenen Titel und Snippets (=kurze Abschnitte) eines Beitrags zur kostenfreien Verlinkung frei geben.

15. Juni 2010

CitizenTube: Youtube-Newsfeed mit Videos aus nicht-traditionellen Quellen

Wie im offiziellen Youtube-Blog angekündigt, gibt es jetzt auf dem Youtube-eigenen Politblog Citizen-Tube eine Auswahl aktueller Nachrichten-Videos - mit dem Fokus auf Beiträgen aus “nicht-traditionellen” Quellen.

Wer selbst ein Video über spannende Ereignisse hochlädt, soll das auch gleich an @citizentube tweeten - und wer diesem Twitter-Account folgt, bekommt die Neuerscheinungen auch gleich mit.

Neues Futter für Newsjungkies also - und eine bequeme Quelle für Nachrichten-Medien, die ja schon jetzt immer häufiger Youtube-Videos zeigen. In den aktuellen Stream hat es z.B. das Video von der Demo in Berlin geschafft, auf der die Explosion einer sogenannten “Splitterbombe” 15 Polizisten verletzt hat.

13. Juni 2010

Flattr: Dabei sein ist alles?

Die seit kurzem verbreitete Flattr-Mania dient zwar der Selbstvergewisserung der Blogsphäre und dem allgemeinen “Wir-Gefühl”, doch ein ernst zu nehmender “Bezahl-Kanal” für Inhalte wird mittels dieses Tools wohl kaum entstehen. Nach allem, was ich so sehe, profitieren vor allem große Blogs mit schon jetzt erheblicher Reichweite, doch sind für sie die Summen, die da zusammen kommen, doch eher unbedeutend: Mit anderen Formen der “Monetarisierung” können sie leicht ein Vielfaches verdienen - und tun es ja meist auch.

Andreas Grieß beschreibt in seinen “Gedanken zu Flattr, Teil 2″ den neuen Bezahldienst als reinen Verschiebebahnhof: Blogger flattern bei Bloggern, die ihrerseits bei anderen Bloggern flattern - und letztlich verdienten nur Flattr und die Zahlsysteme tatsächlich. Damit das System wirklich was bringe, müsste es Leser geben, die NUR spenden, jedoch nicht selbst auf Einnahmen schielen. Gibt es die?

Ich bin kürzlich bei Flatter eingestiegen, hab ein paar Klicks verteilt, aber bisher den Flattr-Button nur aufs ganze Blog (siehe Sidebar) und auf EINEN Artikel gesetzt: Guter Stil, klare Sprache - 20 Tipps für Einsteiger hat einen deutlichen Service-Charakter. Solche KnowHow-Artikel machen richtig Arbeit, da erscheint es mir wahrscheinlicher, dass vielleicht mal jemand flattern will. Wogegen ich Buttons unter Surftipps oder anderen bloßen Meinungsäußerungen für etwas übertrieben halte.

Andreas Grieß fragt seine Leser am Schluss der Überlegungen noch: “Müssen die Blogger und Medienunternehmen etwas versuchen, um um Social-Payments im Allgemeinen bzw. Flattr im Speziellen gesellschaftlich gewollt zu machen? Was können sie überhaupt tun, um reine Leser zu potentiellen Spendern zu machen?”

Aus meiner Sicht: gar nichts! “Flattern” wird Szene-interne Community-Action bleiben - ein Tool für die nette Geste hier und dort, sowie eine Gelegenheit, auf den Flattr-Seiten auch bisher unbekannte Blogs kennen zu lernen. Ist ja auch schon was! :-)

13. Mai 2010

Mit Geld überschüttet: Vier Nerds gegen Facebook

Sie nennen ihr Projekt passenderweise “Diaspora” und wollen alles anders machen als Facebook: Offener Code, an den andere Programmierer anknüpfen können, kein Zwang zur Datenfreigabe für undurchschaubare Werbezwecke, volle Kontrolle der User über ihre Daten. Das soziale Netz der neuen Art soll dezentral laufen - zentrale Netzwerke wie Facebook seien “unnötig”.

Ein stolzes Vorhaben, mit dem die vier “Nerds” Ilya Zhitomirskiy (20), Dan Grippi (21), Max Salzberg (22) und Raphael Sofaer (19) versuchen wollen, das soziale Netzwerken neu zu erfinden. Und zwar ganz ohne erst bei Venture-Kapitalisten jede Menge Geld einzusammeln, bevor eine Zeile Code geschrieben wird.

Diaspora-Team

Da sie aber von etwas leben müssen, während sie die von immer mehr frustrierten und verärgerten Facebook-Usern heftig gewünschte Alternative programmieren, veröffentlichten sie ihr Projekt auf Kickstarter, wo man für die verschiedensten Vorhaben Spenden sammeln kann. 10.000 Dollar in 39 Tagen sollten es sein, doch schon nach 12 Tagen war dieses Ziel erreicht. Und im Moment beträgt die eingesammelte Summe schon 98307 Dollar, 19 Tage darf noch gespendet werden.

Beeindruckend! Der richtige Plan zur richtigen Zeit - schließlich überschlagen sich derzeit die Facebook-kritischen Artikel und Kommentare, wo immer man hinschaut. Ob es gelingen wird, dem Mega-Netzwerk mit 400 Millionen aktiven Usern etwas Funktionierendes entgegen zu setzen, steht natürlich noch in den Sternen. Mich freut jedenfalls, dass es überhaupt mal einer versucht! Ewig dieses (berechtigte) Gelästere ohne eine greifbare Alternative ist so gar nicht “typisch Internet”. Wo es doch bisher geheißen hat: Die Konkurrenz ist immer nur einen Mausklick entfernt…

(Infos via NyTimes.com)

Mehr:

30. April 2010

Menschen erkennen im Netz

Unter dem Beitrag “Freundschaft in den Zeiten sozialer Medien” im Digital Diary schrieb ein Leser zur Frage, inwiefern man einen Menschen online kennen kann:

“Die Tatsache aber, daß mir bei virtuellen Bekanntschaften fast alle meiner ohnehin begrenzten Wahrnehmungsmöglichkeiten fehlen, das Sehen, das Riechen, die Beobachtung von Mimik und Gestik, spontane Reaktionen im Gegensatz zu gründlich abgewogenen schriftlichen Äußerungen, lässt sich m.E. nicht wegargumentieren. :) Damit möchte ich virtuelle Kontakte keineswegs entwerten sondern lediglich ihre ganz eigene Qualität feststellen. Sie sind unkörperlich, immateriell, rein geistig vermittelt, und das stellt sowohl Chancen als auch Risiken dar.”

Man ist geneigt, dem ohne wenn und aber zuzustimmen, denn schließlich ist der körperliche Eindruck, der so oft “die Chemie” zwischen Personen bestimmt, ja nicht wegzudiskutieren. Und doch: So ganz ohne sinnlich wahrnehmbare Botschaften bleibe ich nicht, wenn ich mit jemandem online kommuniziere. Hier also mal eine Liste mit Punkten, dir mir “etwas über den Anderen sagen”. Bitte nicht als bloße Gut/Böse-Liste missverstehen! Wie wir aufeinander wirken, schöpft meistens aus einem großen “Graubereich”.

Eindrücke, die sich über das Schreiben vermitteln:

  • Der Stil: Setzt mein Gegenüber seine Worte wohl überlegt, in Stil, Rechtschreibung und Grammatik perfekt? Oder schreibt er “aus dem Bauch” die Gedanken einfach so hin, wie sie grade kommen? Also auch mal angefangene Sätze, Gedankenfetzen, Ausrufe, Seufzer etc.
  • Werde ich mit Fremdwörtern und Fach-Jargon überhäuft oder bemüht sich der Schreibende, allgemein verständlich ‘rüber zu kommen?
  • Gibt es eine Anrede (in der E-Mail) und “beste Grüße” - oder bleibt das weg, als wäre man in einem Chat?
  • Benutzt der Schreibende die allgemein übliche Rechtschreibung oder pflegt er einen individuellen, abweichenden Stil wie z.B. durchgängige Kleinschreibung?
  • Zitiert er meine Mail und schreibt seine Antworten einfach dazwischen - oder formuliert er seine Botschaft “autonom” in eigenen Worten, bzw. unter Verwendung nur ganz weniger wichtiger Textstellen aus meiner letzten Mail?
  • Antwortet er schnell, binnen 24 Stunden - oder erst nach ein paar Tagen?
  • Spricht er von sich - oder bleibt er ganz “auf die Sache” konzentriert und lässt die eigene Person draußen? Wie freigiebig ist er mit persönlichen Daten?
  • Beantwortet er meine Fragen und geht auf meine Argumente ein? Oder pickt er sich nur einen Punkt raus, der zu seiner Meinung passt und ignoriert den Rest?

weiter…

5. April 2010

Ist der Nerd der neue Mann?

Antje Schrupp setzt sich in Ihrem Blog “Aus Liebe zur Freiheit” mit der in der Presse gern kolportierten Figur des “Nerds” als neuen Typus Mann auseinander:

Bei der Diskussion über die Nerds geht es um einen Konflikt zwischen Männern. Verhandelt wird daran ein sich veränderndes Männerbild. Der visionäre, polternde, machtbewusste, charismatische Macher-Mann, der seit einigen Jahrzehnten das männliche Role-Model war (nicht zufällig denke ich hier an Frank Schirrmacher) wittert Konkurrenz durch eine neue Sorte Mann, der er der Einfachheit halber den Namen „Nerd“ gibt.

Angeregt zu ihrem Posting wurde Antje durch einen Artikel in der neuen Brandeins (leider nicht online), in dem der Nerd offenbar ein wenig glorifiziert wird: nicht mehr als pickliger Autist, der mit Cola und Pizza vor dem Bildschirm klebt, sondern als neues Objekt weiblicher Begierde. Ist dem wirklich so? weiter…