Hans Bindewald am 09. Februar 2017 — 4 Kommentare

Die sieben ultimativen Wege zu Schönheit, Ruhm und Reichtum

Da liest tatsächlich jemand weiter. Ärgerst du dich nicht, dass du auf diese bescheuerte <h1> reingefallen bist?

Ich jedenfalls habe mich schon oft geärgert, wenn ich mal wieder einen dieser Aufzähl-Artikel angelesen habe. Wie kommen die eigentlich zustande?

Viele Unternehmen sind mit den Resultaten ihres Online-Marketing nicht zufrieden. Die Blogbeiträge erzeugen kaum Traffic und die Conversions verschweigen sie lieber. Die Newsletter werden erst gar nicht geöffnet, die  Social Media Seiten ignoriert und bei Google geht es in den SERP auch nicht aufwärts.

Sie beauftragen dann SEO-Agenturen oder Fachkräfte, damit alles besser wird.  Warum schauen sie sich nicht zuerst die Blogs dieser Leute an? Kaum noch ein Beitrag, der nicht als Aufzählung aufgebaut ist:

Sechs Tipps, wie, Sieben Wege zu, Acht Fehler, die, Neun Gos und Zehn Nogos, die elf wichtigsten Regeln …und so weiter und so fort.

Was lesen wir da?   Meist zusammengeschusterten Unsinn (die Ausnahmen bestätigen nur die Regel), der aus ähnlichen Beiträgen geklaut, neu zusammengestellt und dann umformuliert wird. Darunter dann einige semidebile Kommentare  à la „Toll, wie du das so verständlich erklärst“.

Klar ist das verständlich. Das Schwierige wurde vom Schreiber auch nicht begriffen, da hat er es einfach weggelassen. Er zieht den Leser dann runter auf sein Niveau und findet seine eigene Schreibe toll, weil auch die taubste Nuss sein Dünnbier versteht.

Marketing-Verantwortliche sollten sich fragen, ob sie wirklich studentische Aushilfskräfte oder 23-jährige Bachelor mit ausgeprägter Grammatikschwäche brauchen, um ihre vielleicht anspruchsvollen Produkte ihrer vielleicht recht gebildeten Zielgruppe zu erklären.

Und sie sollten sich weiter fragen,  ob die Ausschreibung der richtige Weg ist, vernünftige SEO-Menschen zu finden. Hier muss man die Frage nach der Qualität des Content stellen; ja, Qualität ist Voraussetzung –  da stimmen alle überein. Nur wirklich produziert wird er selten – ist vielleicht zu teuer. Denn vernünftiger Content muss auch vernünftig bezahlt werden.

Denken wir einen Schritt weiter; Die SEO-Agentur überlistet Google und für das gewünschte Keyword geht es ganz nach oben. Das ist doch alles umsonst, wenn der geneigte Leser, der Suchende, auf Inhalte trifft, von denen er sich nur verarscht fühlt.

Dieser Artikel enthält keine Zwischenüberschriften <h2>, kaum Formatierungen, keine Links, keine Stockfotos, keine erklärenden Grafiken  und weder geordnete noch ungeordnete Listen. Es gibt den Inhalt auch weder als Podcast noch als Video auf YouTube. Ich habe nur kurz überlegt, ein Foto einzubauen, das inhaltlich nichts mit dem Artikel zu tun hat, aber mit seotechnisch korrekten alt- und title-tags ausgestattet ist.

Jetzt fällt mir auf, worüber ich im Kern gerade geschrieben habe – über Stockcontent – genauso öde und abgeschmackt wie die meisten Stockfotos. So, nun habe ich mir noch schnell eine Domain gesichert: www.deathtothestockcontent.com.

Diskussion

Kommentare abonnieren (RSS)
4 Kommentare zu „Die sieben ultimativen Wege zu Schönheit, Ruhm und Reichtum“.

  1. Sehr verheißungsvoll dieser Artikel,

    aber irgendwie bleibt der Autor mit der Erwartung, die durch die Ü berschrift gesetzt wird, doch etwas schuldig,
    oder habe ich den Rest nicht gefunden?
    Vielen Dank für die Inspiration.

    Grüße RL

  2. @Ron: du vermisst die sieben Wege zu Schönheit, Ruhm und Reichtum? Wenigstens einen? :-)
    Vielleicht schiebt Hans da ja nochmal was nach!

  3. Jetzt habe ich doch glatt daran gedacht, den Titel deines Postings als weiteres Beispiel für Clickbaiting zu zitieren, allerdings ist die Neugierlücke doch ein wenig zu positiv formuliert. Die Menschen haben heute das Positive so satt und gieren nach nach Hässlichkeit, Krankheit und Verderbtheit!

  4. Ich denke, dass auch heute noch die Menschen lieber „reich & gesund“ als „arm & krank“ sind.

Was sagst Du dazu?

*) Pflichtfelder. E-Mail wird nicht veröffentlicht