von Claudia Klinger, 6. Februar 2008, 11:49
Einsam, fett und unattraktiv? 15 Gründe, nicht zu bloggen
Robert Basic, der die deutschen Blogcharts länger schon anführt und auf der Hitliste der Topquellen bei Riva gleich hinter SPIEGEL und HEISE rangiert, hatte seine Leser gefragt, warum sie eigentlich nicht bloggen. Die über 50 Antworten, die binnen eines halben Tages zusammen kamen, geben einen interessanten Einblick in die Motive und Hindernisse, Hemmungen, Zweifel und Bedenken rund ums persönliche Publizieren, die man in dieser geballten Form selten zu Gesicht bekommt - weil die Leute, die so denken, das halt nicht bloggen. Hier mal eine Zusammenstellung der genannten Gründe:
- ich habe kein interessantes Thema, es gibt schon genug Blogs, die keiner lesen will
- mir fehlt Motivation und Durchhaltevermögen, bin zu faul
- eigene Texte klingen doof (= ich schreibe nicht gut genug)
- ich habe dafür keine Zeit (wg. Arbeit, Studium, Familie…)
- ich mag mich nicht auf EIN Thema konzentrieren
- mir fehlt ein individuelles Template (= Design) und die Fähigkeit, eines zu erstellen
- vom bloggen wird man einsam, fett und unattraktiv
- ein Blog stört die Jobsuche, denn Arbeitgeber googeln schon mal
- der Anspruch, gut zu sein, hält mich ab
- mir fehlt’s an Durchhaltevermögen, regelmäßig posten schaffe ich nicht
- ich scheue die rechtlichen Risiken (Kommentarfunktion, Abmahngefahr etc.)
- ich kann nicht bloggen, was mich bewegt, denn Arbeitgeber, Kollegen und Nahestehende würden es mitlesen
- ich scheue die Arbeit, die es macht, Leser anzulocken
- es gibt immer Akteure und Zuschauer, ich bin lieber Zuschauer (ich lese lieber)
- Was ich heute schreibe hängt mir unter Umständen in 50 Jahren noch nach
Dass viele keine Zeit und kein interessantes Thema haben, dass sie zum bloggen reizt, wundert nicht. Zwar könnte man einwenden, dass es in jedem Leben etwas Berichtenswertes gibt, doch ist es eben nicht jedermanns Sache, über Persönliches zu schreiben und zu sämtlichen gängigen Sachthemen gibt es ja mittlerweile mindestens ein, wenn nicht gar viele Blogs. Allerdings: Würde jeder bloggen, würde schon aus Zeitgründen weniger gelesen. Es muss auch Nur-Leser geben, ihre Aufmerksamkeit empfinde ich als ein kostbares Geschenk!
Das “ideale Blog” schreckt ab
Deutlich wird an den Antworten auch, dass die vielfältigen Belehrungen, wie ein erfolgreiches Blog geführt werden sollte, Wirkung zeigen. David bringt es in seinem Kommentar auf den Punkt:
“Damit ein Blog wirklich gelesen wird, muss er thematisch einen roten Faden haben und regelmässig updated werden. Ausserdem müssen die Beiträge treffend formuliert und kurz sein. Erfolgreiche Blogger sind Spezialisten auf einem Gebiet, formulierungsstark und haben viel Zeit.”
Je anspruchsvoller die Vorstellung, wie ein “ordentliches Blog” zu sein hat, desto weiter fühlen sich viele davon entfernt, diesen Vorgaben genügen zu können oder zu wollen. Wer GUT SEIN WILL, gibt sich mit weniger nicht zufrieden und lässt es lieber ganz, als halbe Sachen zu machen, die dann so vor sich hindümpeln. Allerdings gibt es nicht nur die EINE Möglichkeit, als regelmäßig schreibender Experte die Welt zu beglücken: Auch die EIGENE ART, wenn sie nur konsequent und lange genug verwirklicht wird, kann erfolgreich sein und bei einer Leserschaft Gefallen finden - sonst würde z.B. kaum jemand mein Digital Diary lesen, das zwar keinen “roten Faden” hat, aber doch einen eigenen, nämlich meinen Stil.
Dick und hässlich?
Zwei Kommentatoren posteten tatsächlich das alte Vorurteil, dass nur fette, unattraktive (und gewiss auch picklige) Einsame zum Bloggen prädestiniert seien. Gepaart mit der Überheblichkeit und Arroganz, die in der Anonymität so leicht fällt, reizen ihre Beiträge eher zum Lachen als zu ernsthafter Auseinandersetzung - immerhin lockert sowas eine angenehm ernsthafte Kommentarseite ein wenig auf! :-)
Persönlich schreiben?
Positiv beeindruckt hat mich der ausführliche Kommentar von Fran zum Thema Privatheit versus Öffentlichkeit. Ihre Erfahrung beschreibt sie so:
“Ich hatte irgendwann das Gefühl das ich mich mit den Sachen, die ich für relevant hielt zu weit für eine nicht kontrollierbare Masse öffne. Das Gefühl war kein schönes. ….. Nach meiner subjektiven Empfindung waren die Sachen die ich bloggen konnte nicht die die ich bloggen wollte. Was ich bloggen konnte: Zu unrelevant und zu unpersönlich. Was ich bloggen wollte: Zu persönlich oder zu nah am Job. Das Dilemma habe ich nie lösen können.”
Fran ist eine Frau, da wette ich drauf. Viele männliche Blogger denken ja nicht im Traum daran, über das zu schreiben, was sie persönlich wirklich berührt. Ihre Blogs sind in der Mehrzahl reine Info-Blogs, gespickt mit Meinungen über dies und das, gelegentlich ein Schlagabtausch mit anderen Bloggern und das war’s. In die Bredouille, die Fran beschreibt, wagen sie sich erst gar nicht und oft genug schauen sie auf sogenannte “Befindlichkeitsblogs” auch noch herab. Mich hat dagegen das Persönliche Schreiben immer schon interessiert, nämlich dann, wenn es nicht platten Alltag berichtet, sondern entlang am eigenen Erleben zu Inhalten vordringt, die im Grunde jeden Menschen angehen. Wie man das macht, ohne die Privatheit der nächsten Umgebung zu opfern, ist eine spannende Frage - und jedes Blog, in dem ich den Versuch spüre, das auf intelligente Weise zu lösen, gewinnt mich als ständige Leserin!
- Jenseits von Katzencontent und Info-Häppchen
- Von sich schreiben - Webdiarys und mehr (im ALTEN Webwriting-Magazin)
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Am 6. Februar 2008 um 14:28 Uhr
Ich habe deinen Beitrag eigentlich sehr nachdenklich gelesen Claudia.
Wenn ich ganz ehrlich bin, ist es mir nicht wichtig, ob ich nun ein “ordentliches Blog” habe oder einfach nur ein Blog der mir Freude macht, in dem ich genau das schreibe, was mich gerade beschäftigt.
Natürlich hat da jeder andere Prioritäten, aber in erster Linie sollte Bloggen doch Spass machen und wenn ich verzweifelt nach Knallern suchen muss, nur um als ordentlich und anspruchsvoll zu gelten, hätte ich keinen wirklichen Spass daran.
Und wenn ich ganz ehrlich bin, lese ich viel lieber unordentliche aber herzliche Blogs als anspruchsvolle aufgeräumte :-)
Am 6. Februar 2008 um 14:44 Uhr
[...] zusammenfassen, doch das hat nun Claudia auf dem Webwriting-Magazin schon erledigt, danke: Einsam, fett und unattraktiv? 15 Gründe, nicht zu bloggen Artikelzusatzinfos 1. Tags: Blogs 2. weitere Artikel [...]
Am 6. Februar 2008 um 22:01 Uhr
[...] P.S.: Natürlich bloggt auch Frau und bringt gleich 15 Gründe nicht zu bloggen. [...]
Am 6. Februar 2008 um 22:44 Uhr
hmm, stimmt, der idealismus scheint auch so eine bremse zu sein. und dass es auch “nur-leser” geben muss, stimmt auch, aber ist das potenzial in deutschland wirklich schon so stark erschöpft??? das will ich nicht glauben, kann es nicht. je größer der markt ist, desto wahrscheinlicher ist es doch für mich, genau die blogs zu finden, die mich interessieren, als mich nur auf die beschränkte auswahl konzentrieren zu müssen.
themenblogs: wie viele fachzeitschriften zu genau ein und demselben thema gibt es am kiosk - warum also auch nicht blogs? die leserschaft sucht sich doch immer das magazin/blog raus, was ihm am meisten zusagt.
“keine zeit” - kein argument für mich, das wort zeit ist zu ausgelutscht und missbraucht, als dass es als argument gelten könne.
persönliches schreiben.
ja, dass ist so ein komisches ding. sicherlich tun sich männer da schwerer. aber ausnahmen habe ich da schon entdeckt. interessant ist aus meiner sicht, dass mich gute und emotional geschriebene blogs stark fesseln können, wie ein gutes buch zB. “leider” sind diese meist nur von frauen… (ich wünschte mir, es gäbe da auch mehr von männern richtung persönlich/emotional.)
grüße
aki
Am 6. Februar 2008 um 23:21 Uhr
[...] angeregt durch robert und [...]
Am 7. Februar 2008 um 18:33 Uhr
@Wu-Lan-Ton: da denken wir ganz ähnlich, ja! :-)
@asaaki: gehst du denn davon aus, in DE gäbe es ZU WENIGE Blogs?? Kennst du schon alle? Mir kommt es wie eine unüberschaubare Menge vor, da sehne ich mich erstmal nicht nach MEHR. Bin aber natürlich dafür, dass jeder bloggt, der irgend Lust dazu hat - und was der “perfekte Blog” ist, hängt ja vor allem vom Zweck ab, den man ihm gibt!
Am 10. Februar 2008 um 17:07 Uhr
Zweisam, dünn und attraktiv!…
Jetzt geht es los!
Super, ihr habt mich also gerade beim Bloggen erwischt ;-)
Ihr dürft nun gespannt sein, was euch in Zukunft hier ÜberUntersinnliches erwartet. Noch will ich aber nicht zu viel versprechen. Schaut einfach mal wieder vorbei……
Am 17. Februar 2008 um 06:44 Uhr
[...] Blogs sollte ich ja eigentlich kennen. Claudia Klinger hat wohl gebloggt, als es noch nicht Blogging hies. Also gut, dann lege ich mir jetzt auch mal so ein Ding zu und sei es auch nur aus Protest oder sonstiger Animation durch ihren Artikel [...]
Am 17. Februar 2008 um 11:29 Uhr
[...] default-Design habe ich von dem Ding erstmal verbogen. Technikspielereien statt bloggen. Claudia zitiert David und ich weiss nicht, was ich jetzt mit dem Ding hier anfange, ausser natürlich mich [...]
Am 28. März 2008 um 15:06 Uhr
[...] ein wenig bei „berühmten“ Kollegen herum geschmökert, da finde ich in Claudia Klingers Webwriting-Magazin den Artikel, der meine Gefühlslage als „Anfänger“ treffend widerspiegelt. „Je [...]
Am 2. April 2008 um 21:26 Uhr
ich finde probieren sollte das jeder mal. ich bin mir sicher das jeder einen publikationsdrang seiner eigenen person hat. bloggen ist dafür eine einfache und effektive lösung.
Am 15. April 2008 um 07:27 Uhr
Interessanter Artikel, ääh, ich meine natürlich Blogeintrag. Als männlicher Blogger sage ich: Ja, ich bin fett. Aber einsam? Nee. Und Unattraktiv. Fragt meine Freundin.
Witzigerweise ist die meiste Energie bei meinem Blog bislang in die Technik geflossen. Blogger eingerichtet. Website aufgebaut. Neues Blogsystem ausgesucht. WordPress installiert. Alte Blogeinträge übertragen. LAYOUT (Ganz wichtig. Ist verdammt viel Zeit draufgegangen. Und jetzt lobt mich endlich dafür ;) ).
Warum ich blogge? Ehrlich gesagt habe ich keinen Schimmer. Früher habe ich nie Tagebuch geführt. Im Gegenteil. Ich habe mich sogar lustig gemacht über die ganzen mädchenhaften Schreiberlinge.
Heute schreibe ich mir einfach nur manchmal etwas von der Seele. Ist vielleicht nichtmal besonders wichtig. Einfach nur etwas schreiben. Eher für mich. Weniger für euch. Wenn es interessiert. Fein. Aber ein bisschen exhibitionistisch sind wir natürlich. Ich hinterfrage das auch nicht weiter. Es gibt Blogs, die lese ich gern. Weil es etwas lesenswertes gibt. Diesen Anspruch habe ich an mich selbst nicht soo sehr. Egoist eben.
In diesem Sinne. Man liest sich.
Am 24. April 2008 um 15:05 Uhr
[...] gibt es zahlreiche Gründe, nicht zu bloggen. Fünfzehn liefert das WebWriting-Magazin. [...]
Am 6. Juni 2008 um 15:44 Uhr
Man braucht einfach nur ein Thema, das einen selber interessiert.. wenn man sich zwingen muss, über etwas zu schreiben, dann ist das für die Motivation natürlich nicht besonders förderlich..
Am 14. November 2008 um 15:24 Uhr
Ich glaube, dass jeder ein interessantes Thema hat, über das Er oder Sie schreiben könnte. Mein Tipp wäre, dass jemand der gerne bloggen würde, aber nicht weiß worüber, einfach über seinen Job bzw. themenähnlichen Bereich aus seinem Job etwas schreibt.
Am 23. November 2008 um 15:51 Uhr
Also an sich soll ja ein Blog ähnlich wie ein Tagebuch sein, also wird doch auch jeder etwas anderes zu schreiben haben. Schliesslich sind wir alle Individuen, da hat Herr Eigenhaar schon Recht *g*
Am 4. Februar 2009 um 15:28 Uhr
Interessante Aufstellung, aber ich denke wer bloggen will, wird sicherlich auch ein Thema finden, das auf ihn passt.
Am 17. Februar 2009 um 12:24 Uhr
Einerseits finde ich es schade, dass so viele Leute denken, dass sie und ihre Gedanken nicht genug wert sind, um einen Blog zu erstellen …
… man braucht dazu nicht einmal ein besonderes Thema … man tut es ja auch für sich, und vielleicht auch für ein paar Freunde, die gerade nicht um’s Eck leben!
Am 25. März 2009 um 23:43 Uhr
Was ist ein Blog eigentlich? Es ist kein Tagebuch, in dem private Dinge für sich selbst oder für die Hinterbliebenen festgehalten werden. Es ist auch kein Logbuch, in dem über die für eine Bestrebung wesentlichen Dinge Rechenschaft abgelegt wird.
Vielleicht ist es oftmals eher ein mehr oder weniger individuell produziertes, eher ungesundes Konsumprodukt. Aber manchmal ist es eben auch eine Speaker’s Corner, bei der private oder öffentliche, wesentliche oder unwesentliche Dinge in die Öffentlichkeit gestellt werden. Und wer es schafft, so verrückt oder fesselnd zu sein, dass er bei wildfremden Leuten gehör findet, der erlebt vielleicht auch den Grund, weswegen viele dann doch weiter bloggen: nämlich die Reaktionen von tollen Leuten auf die eigenen Gedanken…
Am 10. April 2009 um 18:17 Uhr
klar, wo ein wille (zum bloggen) ist, ist auch ein weg! muss ja nicht jeder gleich den anspruch haben, den perfekten blog zu haben, ausserdem wär das doch langweilig. das ist es doch auch was einen interessanten kurzweiligen blog ausmacht, ist zumindest meine meinung.
Am 3. Mai 2009 um 19:03 Uhr
Also ich blogge was mir gefällt und wem es gefällt, der soll es lesen, die anderen können es bleiben lassen. Ich lese ja auch nicht alles ;-)
Gruss
Klaus
Am 5. Oktober 2009 um 21:40 Uhr
Also bloggen soll jeder was er will. Wobei es schon eine Menge Arbeit ist einen guten Blog zu machen und als Alleinstehender und ohne Freunde klappt das besser ;-) … und wenn es unser Leben bereichert, gerne.
Gruss
Claudia
Am 13. Juli 2010 um 20:35 Uhr
[...] Basic Thinking Blog hat Robert Basic seine Leser gefragt, warum nicht gebloggt wird und Claudia vom Web-Writing-Magazin hat zusammengefasst: Einsam, fett und unattraktiv? 15 Gründe, nicht zu [...]