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Michael Charlier

Zugänglich und barrierefrei

Mehr, als hier und da ein "Alt-Tag" - aber nicht unbedingt der volle WAI-Katalog.

Seit Februar teilt das Webwriting-Magazin auf seiner Eingangsseite mit, daß es das "Aktionsbündnis barrierefreies Internet"(ABI) unterstützt. Damit fangen wir am besten an, indem wir einmal erklären, was dieses Aktionsbündnis will - und was und wie wir zur Erreichung dieser Ziele beitragen wollen.

Ziele des Aktionsbündnisses

Abgesehen davon, daß man die Ziele des ABI natürlich am besten auf seiner eigenen Website nachlesen kann, lassen sie sich für unseren Zweck in einem Satz zusammenfassen: Das Aktionsbündnis möchte erreichen, daß die Hindernisse, die vielen Menschen den Zugang zu Webseiten erschweren oder ganz unmöglich machen, abgebaut werden oder möglichst ganz verschwinden. Als Maßstab dazu dienen die Accessibility-Richtlinien der Web-Accesibility-Initiative des W3C, die in den USA als "Section 508" und in Deutschland als "BITV" (Barrierefreie Informationstechnik- Verordnung) Gegenstand der Gesetzgebung geworden sind. Zunächst nur für Webseiten in der Zuständigkeit des Bundes ist damit seit vergangenem Jahr gesetzlich vorgeschrieben, welche Zugänglichkeitsanforderungen zu erfüllen sind.

Für die kommenden Jahre ist zu erwarten, daß diese Vorschriften in gleicher oder ähnlicher Form auch auf Webangebote der Länder und Kommunen ausgedehnt werden. Darüber hinaus werden die durch das Gesetz ermöglichten "Zielvereinbarungen" zwischen Interessenverbänden und kommerziellen Anbietern einen Teil dieser Vorschriften auch für nicht-staatliche Webauftritte verbindlich machen.

Das Instrument der "Zielvereinbarungen" erlaubt es Interessenverbändern von Web-Nutzern, Verhandlungen mit Wirtschafts-Verbänden oder Branchenorganisationen über die Zugänglichkeit von Webauftritten zu verlangen und die Ergebnisse in verbindlichen Abmachungen festzuschreiben.

Die Gesetzeslage und die "Zielvereinbarungen" betreffen eher die "Großen". Daneben gibt es aber auch ein zunehmendes Interesse von "kleinen" Anbietern, ihre Reichweite zu erhöhen - schließlich setzen nicht nur Behinderte "special devices" ein, auch immer mehr "mobile Manager" gehen mit PDA oder Handy ins Netz und stoßen dabei auf die gleichen Barrieren wie z.B. die Anwender von Lesemaschinen. Das Streben nach größerer Reichweite und besserer Auswertung durch Robots trifft sich also mit dem berechtigten Interesse auch von behinderten Anwendern, Zugang zu möglichst vielen Webseiten zu erhalten - auch wenn sie, aus welchem Grund auch immer, eine andere Technik verwenden wollen oder müssen als die große Mehrheit.

Accessibility und WWM

Screenshot dieser Seite in Braillesurf

Zugänglichkeit - auf neudeutsch "accessibility" - ist also ein Thema für alle. Das Webwriting-Magazin hat jedoch einen ganz besonderen Grund, sich hier zu engagieren. Unsere Beschäftigung mit standardkonformem Webdesign hat uns gezeigt, daß die Standards nicht nur dazu beitragen, den Bau von Seiten für moderne Browser zu erleichtern und den Bandbreitenbedarf teilweise dramatisch zu reduzieren. Standardgemäß geschriebene Seiten weisen von Anfang an ein hohes Maß von Zugänglichkeit für "special devices" jeder Art auf - für Robots von Suchmaschinen ebenso wie für akustische Lesemaschinen oder Braille-Reader. Wer sauberes (X)HTML baut und nach einer "strikten" DTD validiert, bekommt ohne jeden weiteren Aufwand bereits 80% (oder mehr) Accessibility mitgeliefert.

Solche Seiten sind in der Regel z.B. für Blinde weitgehend zugänglich - sie werden die Navigation benutzen und alle Texte hören oder tasten können. Wenn man dann noch dafür sorgt, daß Grafiken oder Animationen von zusätzlichen erklärenden Texten begleitet und überflüssige Fallgruben (wie etwa ausschließlich über Javascript realisierte Links oder ungeschickt gebaute Tabellen) vermieden werden, sind bereits die meisten praktischen Anforderungen von Blinden - sie bilden die größte Gruppe behinderter User - erfüllt.

Es war nicht schwierig, diese Seite für Bobby AAA valide zu machen. Die einzige ernsthafte Kritik des gestrengen Validators beruhte auf einem Mißverständnis: Er erkannte nicht, daß unsere JS-Links für neue Fenster auch ohne "onkeypress" tastaturgängig sind.
Dagegen akzeptiert er unsere semantisch unkorrekt gestaltete Überschrift - eine korrektere mit mehrern Spans innerhalb von H1 lehnte er dagegen ab.

Soll heißen: Während Seiten, die ohne Rücksicht auf die Standards produziert worden sind, oft nur mit großem Aufwand oder gar nicht zugänglich gemacht werden können, verfügen standardnahe Seiten von Anfang an über ein hohes Maß von eingebauter Zugänglichkeit. Für manche kleinere Seite mag das schon ausreichen. Für andere, die mehr bieten wollen, läßt sich die Zugänglichkeit oft bei geringem Aufwand noch einmal wesentlich verbessern - kein kleines Argument zu einer Zeit, in der auch bei Webauftritten mit spitzem Bleistift Kosten-Nutzen-Analysen angestellt werden.

Technische Standards wie XHTML und CSS gehen hier also ein gutes Stück weit mit den Erfordernissen der Accessibility zusammen. Allerdings, das muß ganz klar gesagt werden, nicht die ganze Strecke. Die Zugänglichkeits-Standards des WAI und die daraus abgeleiteten gesetzlichen Regelungen stellen teilweise noch deutlich höhere Anforderungen, die oft auch nur mit Zusatzaufwand zu erfüllen sind.

Tastatur mit Braillezeilen

In diesem Bereich zwischen validem HTML und voller WAI-Konformität sehen wir unsere größten Wirkungsmöglichkeiten: Wir können helfen, mit möglichst geringem Aufwand möglichst viel Zugänglichkeit zu erreichen. Die WAI-Richtlinien dienen uns dabei als Orientierung. Aber wir wollen niemandem, der dazu nicht gesetzlich verpflichtet ist, dazu drängen, auch die entlegeneren Forderungen der Zugänglichkeitsstandards zu erfüllen. Accessibility ist kein Selbstzweck. Wir glauben, daß wir mit pragmatischem Herangehen mehr für die Erreichung einer möglichst großen Zahl möglichst zugänglicher Seiten tun können, als wenn wir auf hundertprozentige Erfüllung der gelegentlich etwas lebensfremd anmutenden Anforderungen abzielen.

Aus diesem Grund behalten wir uns auch die Freiheit vor, diese Standards kritisch zu betrachten. Bei der im Gesetz für spätestens 2005 vorgesehene Überprüfung der Praktikabilität werden wir sinnvolle Vorschläge zu ihrer Weiterentwicklung einbringen.

Praxis

Was wir praktisch tun können und wollen? Nun, mit diesem Artikel beginnen wir, da, wo es bei unseren Lesern noch nicht vorhanden sein sollte, Problembewußtsein zu schaffen. Außerdem werden wir die Accessibility des Webwriting-Magazins verbessern und unsere Leser darüber informieren, welche Schritte wir aus welchem Grund - und mit welchem Ergebnis - vornehmen. Oder auch welche wir unterlassen. Wir haben zwar jetzt schon blinde Leser bzw. Hörer, die aufgrund der Standardkonformität unseres Codes ganz gut zurechtkommen, aber es gibt noch erhebliches Verbesserungspotential.

Wir werden keine eigene Linkliste zur Accessibility aufbauen, sondern verweisen auf das sorgfältig gepflegte Angebot auf wob11.de

Schließlich werden wir versuchen, möglichst bei jedem Update des WWM ein Accessibility-Thema zu behandeln. Anfangen wollen wir mit den Punkten, mit denen Seitenbauer die Accessibility ihrer Sites bei geringem Aufwand maximal erhöhen können. Dabei werden wir in der Regel von Seiten ausgehen, bei denen Content und Layout sauber getrennt sind. Aber wir wollen auch allgemeingültige "Don'ts" behandeln - also jene in vielen Layouts anzutreffenden Sünden, durch die Seiten für viele potentielle User mit Sicherheit unzugänglich gemacht werden.

Als erstes Thema steht auf unserer Agenda für das nächste Update ein Artikel zur Zugänglichkeit von Datentabellen: Was ist zu tun, damit Preistafeln oder Kalendarien, die auf vielen Seiten wesentlichen Content enthalten, auch von Besuchern ohne grafische Browser und großformatige Bildschirme ausgewertet werden können?

Zur Abwechslung haben wir diese Seite einmal zusätzlich für Bobby fit gemacht. Ob diese Arbeit die Zugänglichkeit tatsächlich entsprechend verbessert hat, können wohl nur Anwender von "assistiver Technologie" beurteilen.


Diese Seite ist Bobby Approved AAA


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CSS validiert

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Michael Charlier
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