Viele Händler, die mit dem Internet, insbesondere dem WWW, noch keine oder nur wenig Erfahrung haben, tun sich schwer bei dem Gedanken, ihre Waren auch auf elektronischem Wege anzubieten.
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Allzu groß erscheint das Risiko, Geld in eine Technik zu investieren, die man selbst nicht durchschaut. Bei Preisspannen von Null bis Zigtausend Euro für ein Shopsystem, ist es nicht verwunderlich, wenn sich bei vielen Händlern eine gewisse Ratlosigkeit, wenn nicht sogar Misstrauen einstellt. Wie seriös ist das sogenannte E-Business überhaupt? Auch das Fehlen eines wirklich etablierten Bezahlsystems, eine Latte von gesetzlichen Bestimmungen zum Onlinehandel und zur Datensicherheit wecken Befürchtungen, dass man am Ende nur draufzahlt oder im Paragraphendickicht zu Fall kommt. - Also am besten offline weitermachen wie bisher? Wäre da nur nicht die Konkurrenz, die unterdessen im Web gute Geschäfte macht oder sich zumindest ein gutes Zubrot sichert ... Gerade kleinere Unternehmen haben nämlich gute Chancen auf Gewinne im eCommerce, und zwar völlig unabhängig vom Stand des Börsenbarometers.
Nutzen Sie die vorhandenen Informationsquellen
Was ist zu tun? - Wie auch in den meisten anderen Fällen, in denen es
darum geht, sich Fachwissen anzueignen, kann man dem Interessenten nur raten,
sich aus möglichst verschiedenen Quellen zu informieren.
Dieser Text soll einen
Einstieg in das Thema bieten. Es gibt viele andere Quellen im Web - abhängige
und unabhängige - die das Thema unter den verschiedensten Gesichtspunkten
beleuchten. (Die Linkliste am Ende stellt vor allem Quellen für die Vertiefung
des Themas vor. Weitere Texte können leicht über Suchmaschinen und Webverzeichnisse
gefunden werden.) Jeder der Autoren hat einen eigenen Blickwinkel unter
dem er das Problem beleuchtet, so auch der Autor dieses Artikels. Nicht jeder
kann alles wissen und keiner ist frei von Fehlern oder Fehleinschätzungen.
Niemand gibt Garantien dafür, dass die Ratschläge Erfolg bringen. Der Unternehmer
trägt selbst die Verantwortung und muss daher wissen, was er tut.
Das finden Sie in diesem Beitrag
Dieser Beitrag vermittelt keine unumstößlichen Gesetze, sondern verbindet
eigene Erfahrungen des Autors aus Shopprogrammierung und -betreuung mit den
publizierten oder persönlich mitgeteilten Erfahrungen anderer. Der Artikel
soll Verständnis und Interesse wecken für die Rahmenbedingungen des Webs
aber besonders auch für die Erwartungen der potentiellen Kunden, denn die
Berücksichtigung technischer und menschlicher Fragen trägt erheblich zum
Erfolg eines eCommerce-Projekts bei.
Aus allgemeinen Überlegungen heraus führt der Artikel schrittweise zur Beschreibung
der Voraussetzungen einer zweckmäßigen Shopsoftware. Dabei geht es darum,
Anstöße für eigenes Denken zu geben und nicht, mit fertigen Checklisten unverstandene
Probleme vom Tisch zu wischen.
Wenn Sie als jetziger oder künftiger Einzel- oder Versandhändler den Start
in den eCommerce unternehmen möchten, gehören Sie genau zur Zielgruppe, die
diese Einführung ansprechen möchte. Doch auch Unternehmern, die bereits einen
Online-Shop betreiben, kann dieser Artikel vielleicht eine Hilfe sein.
Zum Anfang
Der Erfolg eines Shops hängt weniger davon ab, wieviel man dafür bezahlt hat, sondern ob der Kunde am Angebot Interesse hat.
Gutes Geld bringt der Verkauf im Web, wenn Produkte angeboten werden, die
nicht an jeder Ecke zu haben sind und die nicht schon von Großanbietern besetzt
sind, wie etwa Bücher, CDs, und Videos. Jeder, der Nischenprodukte
per Versandliste oder Warenkatalog anbietet, findet dagegen im WWW eine ideale
Plattform, um seine Waren bekannt zu machen und zu verkaufen.
Das richtige Produktangebot
Kunden, die sich vorher die Hacken nach bestimmten Produkten abgelaufen
haben, schreiben E-Mails der Dankbarkeit, wenn sich plötzlich der Weg zum
Wunschobjekt auf einige Mausklicks reduziert hat.
Ein Antiquitätenhändler, der begonnen hat, Fotos seiner Liebhaberstücke ins
Internet zu stellen, wundert sich vielleicht über Bestellungen aus den USA,
wo z.B. alte Möbel aus Europa sehr begehrt sind.
Ein weiteres Beispiel wäre ein Tiergeschäft, das seltene Exemplare (z.B.
Katzenrassen oder Zierfische) anbietet, die anderswo kaum oder gar nicht
zu haben sind. Der kaufwillige Kunde legt auch gern weite Wege zurück, um
die Ware vor Ort zu prüfen, oder selbst abzuholen, wenn ein normales Verschicken
nicht möglich oder riskant wäre. Wichtig ist für ihn in solchen Fällen, dass
er weiß, wo er den gesuchten Artikel findet.
Ein Shopsystem fördert die Kaufentscheidung
Das soll nicht heißen, dass die reine Präsentation von Waren ohne elektronische Bestellmöglichkeit schon ausreichend wäre. Das Shopsystem zeigt dem Kunden, das der Händler es ihm so bequem wie möglich machen will. Darüber hinaus bietet es den psychologischen Vorteil, den Kauf unabhängig von Feiertag und Ladenschluss perfekt machen zu können. Hat der zaudernde Kunde sich erst einmal entschlossen, die Bestellung abzuschicken, bleibt er meist auch dabei, auch wenn er das Recht auf Widerruf hat. Anders sieht es aus, wenn er bis zum nächsten Tag Zeit hätte, darüber nachzugrübeln. Manch ein Kunde braucht die Aufmunterung zum Kauf. Hier gibt die - hoffentlich dezente - Aufforderung zum Klick den nötigen Kick. Ob der Kunde seine Entscheidung am Ende bereut liegt natürlich an der Qualität von Produkt und Service, und das ist ein ganz anderes Thema.
Nicht nur die Nische bringt Erfolg
Selbst für den Betreiber eines Bastel- oder Stoffgeschäfts etwa, kann
das Internetgeschäft lohnend sein. Nicht für jeden Kaufinteressenten ist
ein solcher Laden in erreichbarer Nähe. Besondere Ideen, z.B. vorgestellt
in gut präsentierten Bastelanleitungen, können zunächst Interesse und anschließend
Kaufwünsche wecken.
Ein Tipp für Betreiber von Shops, die in diese Kategorie
fallen: Erweitern Sie Ihr gewöhnliches Angebot um Produkte, die nicht überall
zu haben sind, oder stellen Sie zumindest die Highlights besonders heraus.
Bringen Sie Anwendungsbeispiele, die Lust machen, die Ware selbst in der
Hand zu halten und zu verwenden. Viele bestellen dann auch noch gleich das
mit, was sie eigentlich auch in der nächsten Fußgängerzone bekommen könnten.
Zum Anfang
Die Sichtweise des Shopbesuchers sollte jeder Anbieter (im wahrsten Sinne des Wortes) im Auge behalten. Je strukturierter die Website wirkt, je übersichtlicher die Informationen sind und je durchschaubarer der Bestellprozess ist, um so größer ist die Chance, dass aus dem Besucher ein Kunde wird.
Ramschläden vertreiben die Besucher
Der Besucher muss sofort das Gefühl haben, dass er es mit einem seriösen Unternehmen zu tun hat. Unseriös ist ein Shop mit der Ausstrahlung eines Schnäppchenmarkts zu Weihnachten. Ein blinkendes Sonderpreisschild überstrahlt das nächste und ständig aufpoppende Fenster bringen das System des Benutzers an den Rand des Absturzes - oft sogar darüber hinaus. Unabweisbare Aufforderungen, die Monitoreinstellungen zu verändern, Cookies, Flash oder dringend benötigte Plugins zu aktivieren oder herunterzuladen, tun ein übriges, den Kaufinteressierten ein für alle Mal zu vertreiben. - Da helfen dann auch keine teuer gekauften Zertifikate und Gütesiegel mehr.
Was würden Sie als Kunde wollen?
Ein einfaches, übersichtliches und funktionierendes System ist nicht leicht zu erreichen. Um zu erkennen, was für Ihre Zwecke sinnvoll ist, sollten Sie selbst einmal die Rolle des Kunden einnehmen und einfach verschiedene Shops ausprobieren. (Sie finden sie in diversen Webverzeichnissen oder unter www.shop.de). Machen Sie sich eine Liste mit positiven und negativen Beispielen, und stellen Sie Fragen an den jeweils besuchten Onlineshop:
Am besten wäre es, einige echte Bestellungen durchzuführen, um die dazugehörigen Funktionen kennenzulernen. Bei Anbietern von Shopsystemen haben Sie häufig auch die Möglichkeit, Testbestellungen durchzuführen. In beiden Fällen sehen Sie, wie transparent der Bestellprozess abläuft.
Wenn Sie eine Reihe von Shops und Shopsoftware-Angeboten auf diese Weise
untersucht haben, werden Sie schnell merken, was Sie sich für Ihr System
wünschen, oder worauf Sie auf jeden Fall verzichten möchten.
Machen Sie auch ruhig mal den Härtetest:
Niemanden ausschließen
Es gibt tatsächlich potentielle Kunden, die einen anderen Browser verwenden als den Internet Explorer bei einer Bildschirmauflösung von 1024 x 768 Pixeln, eingeschaltetem Java, JavaScript, Flash und aktivierten Cookies. Selbst die Darstellung von Frames ist, z.B. bei einem Browser wie Opera, nicht zwingend notwendig. Versetzen Sie sich in die Lage dieser Besuchergruppe, zu der möglicherweise Informatik-Professoren, Leiter von Softwarehäusern, Chefärzte mit EDV-Verstand gehören. Sie alle wissen genau, warum sie ihr System so einstellen, dass es vom Auslieferungszustand abweicht. Einige verwenden sogar mobile webtaugliche Geräte, die allerdings nur mit durchdachten und richtig gestalteten Webseiten etwas anfangen können. Wenn Sie diese Nutzer in Ihre Planungen mit einbeziehen und sie nicht an der virtuellen Ladentür abweisen, haben Sie mit wenig Aufwand die Möglichkeit geschaffen, zahlungskräftige Kunden hinzuzugewinnen
Suchmaschinenrobots sind gnadenlos
Von gedankenlosen Aussperrungen betroffen sind vor allem auch die Suchmaschinenrobots,
die das Web nach inhaltsträchtigen Seiten durchforsten, und das trifft hart.
Navigationen, die nur mit JavaScript oder Flash realisiert werden, schlagen
den Suchmaschinenrobots die Tür vor der Nase zu. Das traurige Ergebnis sind
hinterste Plätze bei den Suchmaschinenplatzierungen.
Das Thema Suchmaschinen
betrifft die gesamte Webpräsenz, in die der Online-Shop eingebettet ist.
Wer hier von Anfang an richtig plant, wird später auch gefunden, ohne sich
Spitzenplätze teuer erkaufen zu müssen.
Zum Anfang
Der Kunde muss wissen, wo er kauft und bei wem er kauft. Das Teledienstgesetz schreibt eindeutig vor, was alles im Impressum zu stehen hat. Es ist jedoch zu wenig, dem reinen Gesetzestext Genüge zu tun, wenn man einen vertrauensvollen Kontakt zum Kunden herstellen möchte. Die Möglichkeiten, zu ausgewiesenen Zeiten jemanden telefonisch erreichen zu können, d.h. zu wissen, dass ein Mensch hinter all dem steht und nicht ein Automat, trägt viel zu einer unverkrampften verkaufsfördernden Wirkung bei. Schön ist es, wenn auch ein reales Ladenlokal vorhanden ist, in das man persönlich gehen kann oder zumindest weiß, dass man es könnte. Dieser Punkt ist aber nicht zwingend erforderlich, denn auch reine Onlinefirmen finden ihre Kunden, wenn sie seriös geführt werden. Zum Anfang
Und wie steht es dann mit der Bezahlung der Waren? Brauche ich nicht ein
elektronisches Bezahlsystem? - Es spricht vieles dafür, sich zunächst an
das zu halten, was sich im Versandhandel bewährt hat. Die Lieferung per Nachnahme
ist ein durchaus gängiger Weg. Der Händler weiß, dass er sein Geld bekommt
oder zumindest seine Ware behält und der Kunde bezahlt erst, wenn die Ware
da ist. Viele Kunden sind auch bereit, die Rechnung per Vorausüberweisung zu bezahlen, um Nachnahmegebühren zu vermeiden. Kennt man den Kunden, kommt auch der Kauf auf Rechnung in Betracht.
Das Angebot von elektronischen Bezahlmethoden oder den Lastschrifteinzug
per Kreditkartennummer sollte man sich dann überlegen, wenn man eine Kundschaft
hat, die diese Leistung erwartet. Der Handel mit konventionellen Versandgütern,
der in diesem Beitrag in erster Linie berücksichtigt wird, verträgt zur Zeit
durchaus noch altbewährte Bezahlmethoden.
Zum Anfang
Die Qualität eines Webshops zeigt sich vor allem darin, wie er mit personenbezogenen
Daten umgeht. Misstrauen entsteht dann, wenn Daten abgefragt werden, die
mit der Bestellabwicklung nichts zu tun haben. Viele Händler, die gedankenlos
Daten sammeln, schießen sich daher selbst ins Knie. Kann der Kauf nur abgewickelt
werden, wenn eine E-Mail-Adresse eingegeben wird, ist die
Frage berechtigt, ob der Händler auf Bestellungen keinen Wert legt, die aus
einem Internetcafé, vom Computer des Nachbarn oder vom Arbeitsplatz aus gemacht
wurden. Nicht jeder, der an einem Computer mit dem Internet verbunden ist,
ist verpflichtet, eine eigene E-Mail-Adresse zu haben.
Auch Telefonnummern
sollte man nicht zwingend abfragen. Peinlich ist es, wenn der Händler wegen
einer Rückfrage gerade denjenigen an der Strippe hat, für den die Bestellung
als Geschenk gedacht ist. Hat der Kunde die Möglichkeit, seine Telefonnummer
zurückzuhalten, gibt er quasi sein Einverständnis für den Anruf, wenn er
sie trotzdem einträgt.
Diese Kundendaten werden benötigt
Name und Anschrift des Bestellers sind wichtig. Alles andere
sind freiwillige Angaben, die die Abwicklung des Kaufs erleichtern sollen,
z.B. um Rückfragen zu ermöglichen.
Äußerst sinnvoll ist ein Feld, in das der Besteller Sonderwünsche, Fragen oder z.B. eine abweichende Lieferadresse eintragen kann.
Bei vielen Bestellsystemen fehlt diese nützliche Einrichtung leider. Der
Kunde wird gezwungen, zusätzlich zu telefonieren oder begleitende Mails zu
verschicken. Nicht immer ist dafür die Gelegenheit und die Kauflust kann
vergehen. Auch der Händler hat es leichter, wenn die Sonderwünsche direkt
bei der Bestellung stehen und nicht nachträglich angeheftet werden müssen.
Zum Anfang
Der Einsatz einer gesicherten Verbindung (SSL) zum Schutz sicherheitsrelevanter Daten gilt als ein Muss. Abgesehen von der Übermittlung von Bankdaten, die nicht zwingend für Onlineshopping erforderlich sind, enthält eine Bestellung in einem typischen Webshop in sehr vielen Fällen keine schützenswerten Daten. Oftmals werden die vorher aufwändig verschlüsselten Daten sofort anschließend unverschlüsselt per E-Mail zur Bestätigung an den Besteller verschickt. Manche aufwändige Verschlüsselung entpuppt sich daher zumindest als fragwürdig.
Diskretion da, wo sie erforderlich ist
Ob eine Verschlüsselung notwendig ist, hängt von der Art der Waren ab,
die verkauft werden und der Art, in der sie bezahlt werden.
Beobachten
wir einmal den Kaufprozess in einem Supermarkt: was wird da alles in unverhüllten
Warenkörben und Einkaufswagen umhergefahren, für jeden sichtbar. Niemand
fühlt sich dadurch in seiner Sicherheit oder Privatsphäre bedroht.
Selbstverständlich gibt es Artikel, deren Erwerb sehr persönlich sein kann,
oder auch unangenehm. Bei den meisten Produkten ist der Kauf jedoch völlig
unproblematisch und sogar Klopapier wird hemmungslos und stapelweise auf
das Fließband gelegt.
Am Bankschalter sorgt eine Linie auf dem Boden für gebührenden Abstand. Beim
Bäcker wäre diese Linie sowie der Kauf von vier Brötchen hinter vorgehaltener
Hand einfach lächerlich.
Die Onlinebestellung von alltäglichen Dingen ist nicht problematischer als
die Bestellung dieser Dinge mit einer unverschlüsselten E-Mail, oder die
Bestellung bei einem Versandhandel mit offener Bestellkarte. Glücklicherweise
sehen das die meisten Kunden auch so und nutzen auch Shops, in denen nicht
jeder Kauf eines Schnürsenkels zur Geheimsache wird.
SSL-Verschlüsselung hat auch Nachteile
Eine Datenverschlüsselung ist dann sinnvoll und zwingend erforderlich, wenn der Missbrauch der übermittelten Daten unangenehm oder schädlich für den Kunden wäre. Da die Einrichtung einer sogenannten gesicherten Verbindung (SSL) mit Kosten verbunden ist und sich auch nachteilig auf die Geschwindigkeit des Systems auswirkt, muss man sich überlegen, ob der Aufwand gerechtfertigt ist. Dass letztlich der Kunde alle Kosten tragen muss, d.h. die Produkte teurer werden müssen, dürfte jedem klar sein. Werden nur sehr selten sensible Daten übertragen, kann dies in solchen Fällen auch per Telefon, FAX oder Briefpost geschehen. Zum Anfang
Die Nutzung unverschlüsselter Datenübertragung hat jeder Nutzer selbst
zu verantworten. Er kann entscheiden, ob er Daten preisgibt, die möglicherweise
von Unbefugten auf dem Weg durchs Internet aufgefangen und für kriminelle
Zwecke missbraucht werden könnten.
Ganz anders sieht der Fall aus, wenn
das Shopsystem durch dilettantische Fehler Daten fremder Kunden preisgibt.
Wer nach Absenden einer Bestellung in der Adresszeile folgendes angezeigt
bekommt:
http://tollershop/kundendaten.html?kundennummer=22;
stellt vielleicht aus bloßem Spieltrieb fest, dass er durch Austausch der
-22- und Druck auf die Entertaste auch die Daten anderer Kunden auf den Monitor
zaubern kann. Spätestens jetzt hat er das Vertrauen in den sorgfältigen Umgang
mit seinen Daten verloren.
Schlampige Programmierung kann teuer werden
Wer etwas von der Materie versteht, findet auch Schlampereien, die nicht
so leicht ins Auge stechen. Der Nachweis dilettantischer Sicherheitslücken
kann für den Shopbetreiber mehr als nur peinlich werden und sogar ein juristisches
Nachspiel haben.
Der Shop sollte so programmiert sein, dass er gegen Spaßvögel und sogenannte Hacker möglichst abgesichert ist.
Das Einschleusen von Programmcode auf den Server muss auf jeden Fall unterbunden werden. Im Extremfall kann es sonst zum kompletten Verlust der Daten kommen.
Nicht jedes Skript, das man sich günstig oder kostenlos aus dem Web laden
kann, berücksichtigt alle wichtigen Sicherheitsaspekte, denn auch Hobbyprogrammierer
beschenken die Welt mit ihren Werken. Hier ist genau zu prüfen, wie vertrauenswürdig
die Quelle ist, aus der man das Programm bezieht. Im Zweifelsfall sollte
man fachkundigen Rat einholen.
Solides Handwerk schafft Sicherheit
Leider lässt sich nie sicherstellen, dass nicht doch ein eifriger Hacker in irgendeiner Form Schaden anrichten kann. Dagegen ist auch ein teures kommerzielles System nicht gewappnet. Genauso wenig, wie eine Bank trotz hoher Sicherheitsvorkehrung vor räuberischen Gewalt sicher ist, kann jemand die Garantie übernehmen, dass Ihr Shopsystem für alle Zeiten vor allen Angriffen geschützt ist. Es geht darum, zu prüfen, ob angemessene Sicherheitsvorkehrungen, die für Fachleute standardmäßig dazugehören, auch tatsächlich vorhanden sind. Zum Anfang
Nachdem der äußere Rahmen der Anforderungen an ein Shopsystem nun abgesteckt wurde, richten wir den Blick auf das Wesentliche eines Shops - nämlich das Warenangebot. Das System darf der optimalen Präsentation der Produkte nicht im Wege stehen. Daher die prüfende Frage: wie flexibel kann sich das Shopsystem auf den möglicherweise sehr eigenwilligen Charakter einer Produktpalette einstellen? Ist das Gesamtangebot einfach und gleichmäßig strukturiert, erfüllt auch ein einfaches Fertigprodukt seine Aufgabe. In schwierigeren Fällen ist ein System gefragt, das vielseitig anpassbar ist, und oft hilft nur eine maßgeschneiderte Lösung.
Für jede Produktpalette das richtige Shopsystem
Ein Beispiel: Sie haben in Ihrem Stoffgeschäft einen bestimmten Stoff
in zwei Breiten und acht Farben. Das Verwaltungsprogramm Ihres Shops erlaubt
aber keine Eingabe von Varianten, sondern nur die Eingabe einzelner Artikel
mit eigener Beschreibung. Notfalls könnte man jede Variante als eigenständigen
Artikel ansehen - in diesem Fall 16 Artikel. Doch wer behält da am Ende die
Übersicht?
Zu schlicht, dieses Shop-System? - Für einen Künstler, der Unikate schafft, wäre es völlig ausreichend.
Größe und Farbe, wie beim Stoffbeispiel, sind längst nicht die einzigen Merkmale,
mit denen ein Shopsystem möglicherweise konfrontiert wird. Wer einmal in
einen Briefmarkenkatalog für Sammler gesehen hat, wird als Laie staunen,
in welchen Ausprägungen die gleiche Marke vorkommen kann. Lässt sich das
Angebot nur sehr schlecht kategorisieren, weil z.B. Maß- und Gewichtseinheiten,
Farben, Materialbeschaffenheiten für verschiedenen Produktgruppen unterschiedliche
Relevanz haben, ist ein Shopsystem, das nur einheitliche Strukturen abbilden
kann, kaum zu gebrauchen. Bei kleinem, selten wechselndem Angebot, spricht
dann einiges dafür, feste Seiten mit Bestellformularen individuell einzurichten.
Ansonsten empfiehlt sich eine individuelle Programmierung, die für Ausnahmen
eigenen Programmcode verwendet.
Fertiglösung pro und contra
Ob man ein fertiges Shopsystem sucht, oder ob man sich das System für
die vorhandenen Anforderungen nach Maß schneidern lässt, hängt von der Gesamtstruktur
der Angebotspalette ab. Beide Möglichkeiten haben ihre Vor- und Nachteile.
Ein
gut durchdachtes, fehlerfreies Shopsystem mit den Möglichkeiten zur individuellen
Anpassung ist nicht zu verachten. Wer erst noch testen möchte, wie das Online-Geschäft
funktioniert, oder größere Anfangsinvestitionen scheut, kann auch ein Shopsystem
mieten. Größere Provider bieten solche Systeme in verschiedenen Qualitätsabstufungen
an.
Wer keine Zeit hat, das Handbuch zu studieren, um herauszufinden,
wie er das System für seine Bedürfnisse konfiguriert, ist jedoch nach wie
vor auf fremde Hilfe angewiesen. Um sein Angebot in Text und Bild ansprechend
gestalten zu können, sind außerdem Kenntnisse nötig, die nicht jeder zur
Verfügung hat.
Je anpassbarer das fertige Shopsystem ist, um so komplexer
ist es auch, und um so mehr Arbeitszeit muss investiert werden, um damit
umgehen zu können. Anpassbar muss auf jeden Fall auch das Design sein. Das
Erscheinungsbild des Shops muss zum Angebot passen und auch zum Erscheinungsbild,
dass der Händler z.B. in Anzeigen oder durch seine Geschäftspapiere von sich
vermittelt. Fehlt hier der nötige Spielraum, sollte man sich nach etwas anderem
umsehen.
Individuelle Programmierung pro und contra
Die professionelle maßgeschneiderte Lösung ist auf Dauer pflegeleichter, weil die konkreten Bedürfnisse von Anfang an berücksichtigt werden können. Die individuelle Programmierung birgt allerdings die Gefahr, Fehler (Bugs) zu produzieren, die erst bei der realen Anwendung entdeckt werden. Die Verwendung erprobter Grundkonzepte und bewährter Programmteile verringert diese Gefahr und beschleunigt zugleich die Arbeit. Solange der Programmierer noch in der Nähe ist, und/oder den Shop sogar betreut, sollte die schnelle Beseitigung eines Programmfehlers genauso wenig ein Problem darstellen, wie die Anpassung des Shops an geänderte Aufgabenstellungen. Die Geschwindigkeit einer speziellen Lösung kann spürbar größer sein als die eines komplexen Systems, das für alle Zwecke anpassbar sein soll. Diese schleppt nämlich nicht nur den Programmcode für benötigte sondern auch für hunderte nicht benötigter Einstellmöglichkeiten mit sich herum.
An die Zukunft denken
Eingriffe in den Programmcode z.B. für individuelle Erweiterungen sind bei fertigen kommerziellen Shopsystemen übrigens nicht ohne Weiteres möglich, geschweige denn erlaubt. Hier sind die lizenzrechtlichen Vereinbarungen genauestens zu prüfen. Ein Shopsystem, das Sie dagegen für sich entwickeln lassen, sollte vertragsgemäß immer das Recht der Veränderungen zulassen. (Das Recht, Kopien dieses Programms dann an Dritte weiterzugeben oder weiterzuverkaufen, erwerben Sie damit allerdings in der Regel nicht.)
Freie Open-Source-Programme sind einen Blick wert
Ein besonderer Fall sind gut dokumentierte Open-Source-Programme,
die unter einer öffentlichen Lizenz stehen und deren Programmcode man nach
Belieben an seine Bedürfnisse anpassen kann. Da diese Programme kostenlos
sind, wird jedoch auch keine Garantie für Lauffähigkeit und Sicherheit übernommen,
es sei denn, dass derjenige, der die Anpassungen vornimmt, bereit ist, Garantien
zu geben.
Normalerweise sorgt jedoch die Entwicklergemeinde unter den
Argusaugen einer fachkundigen Netzgemeinde für ständige Verbesserungen und
Fehlerkontrolle ihres Shopprojekts. Da viele Shops, die man sich im Web bei der Arbeit
ansehen kann, mit solchen Lösungen betrieben werden, kann ein Blick auf diese
Programme nicht schaden. Muss zuviel geändert werden, lohnt die Arbeit in
vielen Fällen nicht, weil sich der Programmierer intensiv in das fremde Programm
einarbeiten muss. Eventuell läuft er sogar Gefahr, Fehler zu produzieren,
die vorher nicht da waren.
Auch die Anpassung des Designs erfordert massive Eingriffe, wenn man mit den angebotenen Stilvarianten nicht zufrieden ist.
Zum Anfang
Auch wer wenig Lust hat, sich mit der Technik des Internets näher zu beschäftigen, sollte zumindest die beiden unterschiedlichen Grundformen der gebräuchlichen Shopsysteme kennenlernen, ehe er sein Geld ausgibt. Es gibt die Möglichkeiten, dass entweder der Browser des Benutzers das Programm ausführt oder aber der Server, der die Webseiten an den Browser schickt.
Clientseitige Systeme mit JavaScript
Bei der clientseitigen Lösung sorgt in der Regel ein JavaScript-Programm
im Browser dafür, dass wechselnde Seiteninhalte, die sich aus dem Bestellvorgang
ergeben, stets aktuell gehalten werden können. Rechenleistung kann dadurch
auf das Browserprogramm verlagert werden, und das Programm wird normalerweise
sehr schnell ausgeführt, was den Netzverkehr entlastet. Nachteile ergeben
sich vor allem daraus, dass es völlig unterschiedliche Browser gibt. Selbst
Browser eines Herstellers mit gleicher Versionsnummer können auf verschiedenen
Betriebssystemen unterschiedliche Eigenheiten zeigen.
JavaScript-Code
wird nicht immer gleich interpretiert und auch nicht immer fehlerfrei umgesetzt.
Das führt dazu, dass nicht jeder Browser das Shopprogramm korrekt ausführt.
Wegen der vielen Systemvarianten ist es für den Programmierer so gut wie
unmöglich, ein Programm zu entwickeln, das die korrekte Ausführung von JavaScript
in allen Fällen garantiert.
Nicht jeder hat es
Wegen bekannt gewordener Sicherheitslöcher in einigen Browserversionen oder auch wegen unsinniger und störender JavaScript-Effekte weigern sich zudem einige Benutzer grundsätzlich, auf ihrem Rechner JavaScript oder andere aktive Inhalte ausführen zu lassen. Wie groß dieser Anteil ist, kann nur schwer ermittelt werden. Vermutlich sind es um die 15%, die JavaScript nicht nutzen können oder wollen. Wer für diese Besucher Alternativen bereitstellt, hat vielleicht noch die Möglichkeit, sie zur telefonischen Bestellung zu bewegen. Voraussetzung ist dann aber, dass das Angebot ohne JavaScript wenigstens angezeigt wird.
Billig aber unzuverlässig
Ein Bonus von JavaScript ist der geringe Anspruch an die Serverleistung
und den Netzverkehr. Schon einfacher Webspace mit der Möglichkeit zur Übermittlung
der Bestelldaten per E-Mail reicht aus, - wenn alles klappt. Das spart natürlich
Geld.
Die Tatsache ist nicht zu leugnen, dass sehr viele bestehende Shopsysteme
von Einzelhändlern JavaScript in irgendeiner Form für die Funktion des Systems
voraussetzen. Auch diese Händler verdienen Geld. Sie werden jedoch regelmäßig
mit Reaktionen von Kunden konfrontiert, deren System an irgendeiner Stelle
nicht mitspielt.
Ob man sich aus Kostengründen mit einer JavaScript-Lösung begnügt, hängt
davon ab, mit welcher Ernsthaftigkeit man den Online-Handel betreiben will.
Serverseitige Systeme
Legt man auf Stabilität und größtmögliche Nutzbarkeit des Shops Wert, kommt man um eine serverseitige Lösung nicht herum. Erzeugt das Programm des Servers gültige Webseiten, kann man davon ausgehen, dass die Inhalte auch von jedem Browser angezeigt werden können. Die Verwendung eines Datenbanksystems zur einfachen Verwaltung von Produkt- und Bestelldaten ist ebenfalls nur serverseitig möglich.
Der Geschwindigkeitsnachteil durch die häufige Programmausführung auf dem Server - im Gegensatz zur clientseitigen Ausführung - wird immer unbedeutender, weil zunehmend Webserver zum Einsatz kommen, die für solche Aufgabenstellungen optimiert sind. Bei der Planung des Shops spielt daher die Auswahl des Providers und die Wahl des Leistungspakets eine wichtige Rolle.
Die richtige Sprache für das Shopsystem
PHP als Skriptsprache für Shopprogrammierung der hier
besprochenen Größenordnung erfreut sich zu Recht großer Beliebtheit, nicht
zuletzt deshalb, weil es mit dem verbreiteten Datenbanksystem MySQL
einfach, gut und schnell zusammenarbeitet. Auch die Betriebskosten sind günstig:
ein brauchbares Providerpaket ist hierzulande schon ab 5 EUR monatlich zu
haben.
Die klassische Sprache für serverseitige Programmierung ist Perl
mit Unmengen bewährter Programmmodule. Sehr viele Shopsysteme sind mit Perl
realisiert. Darüber hinaus gibt es viele weitere serverseitige Lösungen vor
allem auch kommerzieller Anbieter.
Zum Anfang
Ob man eine Datenbank in das Shopsystem integriert oder nicht, sollte gründlich überlegt werden. Die Vor- und Nachteile schwanken je nach Art der Aufgabenstellung. Hat man sehr viele Artikel anzubieten und/oder wechselt sehr häufig das Produktangebot und/oder der Preis, ist eine Datenbanklösung vernünftig. Dies gilt besonders dann, wenn es sehr viele Varianten (z.B. verschiedene Größen und Farben) eines Artikels gibt. Änderungen sind dann viel einfacher und schneller zu bewältigen.
An die Suchmaschinen denken
Ein Nachteil ist, dass Suchmaschinen den Inhalt von Datenbanken normalerweise nicht registrieren können. In diesem Fall findet der Kaufinteressent das Angebot nur, wenn er aus anderer Quelle (z.B. durch teure Banner-Werbung) darauf aufmerksam gemacht wird. Abhilfe kann aber eine allgemeine Beschreibung und Vorstellung des Angebots auf Webseiten außerhalb des eigentlichen Shopbereichs schaffen. Die Startseite (Homepage) ist der beste Ort für die Beschreibung der wichtigsten Angebote.
Artikeldatenbank selbst warten
Die Datenbanklösung hat - wenn Sie effektiv umgesetzt wird - auch den
Nebeneffekt, dass der Shopbetreiber selbst das Angebot aktuell halten kann.
Er kann Artikel hinzufügen, ändern oder löschen und geänderte Preise umgehend
aktualisieren. Dies geschieht z.B. über eine nur für ihn zugängliche Webseite
mit Eingabemaske, die speziell für diesen Zweck eingerichtet wurde.
Für PHP gibt es übrigens seit einiger Zeit eine frei verfügbare Standardlösung mit Namen PHPmyAdmin,
die häufig vom Provider zur Datenbankverwaltung bereitgestellt wird. Wer
damit zurecht kommt, kann bei maßgeschneiderten Systemen natürlich Kosten
sparen, weil kein eigenes Verwaltungssystem notwendig ist.
Verwendet
der Betrieb ohnehin schon ein Datenbanksystem für die Warenwirtschaft, lässt
sich das Shopsystem integrieren. Aber auch kleinere Betriebe können die in
der Datenbank gesammelten Bestelldaten statistisch auswerten und für umsatzsteigernde
Maßnahmen nutzen.
Zum Anfang
Mein herzlicher Dank für Beiträge zur Verbesserung dieses Textes in Form und Inhalt geht an Heike Bieling, Simon Kloss und Harald Seffers.
Der Markt der fertigen Shop-Software ist nur schwer zu überschauen, denn
ständig kommen weitere Programme auf den Markt, die gemietet, gekauft oder
kostenlos aus dem Web geladen werden können. Auf manchen Websites findet
man Listen, Tests und Vergleiche von Shopsoftware. Vor allem eCommerce-Magazine
(z.B. ECIN) beobachten die Entwicklung.
Diese Linkliste führt zu weiteren
interessanten Quellen rund um das Thema Webshops und E-Business. Es ist eine
persönliche Auswahl, die der Autor als nützlich für weitere Beschäftigung
mit dem Thema ansieht.
© Claudia Klinger +
Michael Charlier
Alle Rechte bei den Autoren