Claudia Klinger am 15. Oktober 2019

Internetstudie: Millionen Senioren haben ein Vertrauensproblem

Auf dem „Portal für dentales Praxiswissen“ (DZW) ist vor einiger Zeit ein Bericht zur bemerkenswert geringen Internet-Nutzung durch Senioren erschienen – eigentlich seltsam, dieses Thema dort zu finden! Interessant ist es allemal, denn es geht um eine Studie, die Informatik-Professor Herbert Kubicek vom Institut für Informationsmanagement Bremen (ifib), einem Forschungsinstitut an der Universität Bremen, dazu durchgeführt hat.

„Zusammen mit Barbara Lippa von der Stiftung Digitale Chancen hat Kubicek aktuell eine Studie zur Alterslücke veröffentlicht, die den Abstand zwischen den Nutzungsquoten der Jungen und Alten fokussiert. Das Ergebnis: Von der Generation 70+ haben mehr als zehn Millionen das Internet noch nie genutzt. Besorgniserregend: Die Alterslücke hat sich in dieser Altersgruppe seit 2001 nicht verringert. „Bisherige Maßnahmen haben also offensichtlich keine nachhaltige Wirkung erzielt“, lautet das Fazit des Informatikers.“

Wobei es noch viel mehr ältere Menschen geben soll, die Online-Angebote zwar nutzen könnten, es aber nicht tun:

„Seiner Meinung nach ist die Zahl der Älteren, die ohne gezielte Unterstützung die Chancen der Digitalisierung nicht nutzen können, weitaus größer als die genannten zehn Millionen „Offliner“. Sie umfasse auch mindestens zehn Millionen „gelegentliche Minimalnutzer“. In Interviews haben Kubicek und Lippa festgestellt, dass das Haupthindernis ein „doppeltes Vertrauensproblem“ ist. „Wo junge Leute unbekümmert nach dem Prinzip ‚Versuch und Irrtum‘ neue Techniken ausprobieren, haben ältere Menschen Zweifel, ob sie auftretende Probleme bewältigen können. Sie verzichten dann lieber auf die Nutzung“, so das Bremer Forscherduo.“

Auch Tablet-Kurse mit Senioren haben die Lage nicht wesentlich verbessert, denn das Misstrauen besteht weiter, auch wenn der Umgang z.B. mit einem Shop erlernt worden ist.

Kubicek fordert Couching in kleinen homogenen Gruppen, die vor allem auch technik-ferne Problematiken wie Verbraucherschutz etc. umfassen sollten. Ob das die Situation wesentlich ändern würde?

Ist es denn so schlimm, wenn alte Menschen ihre Zeit lieber offline verbringen als vor Bildschirmen zu hängen? Im Grunde nicht, aber es gibt auch eine ganze Reihe von Anwendungen, die das Leben erleichtern, wenn man nicht mehr so mobil und unternehmungslustig ist wie in jungen Jahren.

Ob die geforderten staatlichen Investitionen allerdings helfen? Eben noch schrieb Kubicek, dass Tablet-Kurse nicht geholfen haben, um am Ende wiederum bundesfinanzierte Tablets in Senioreneinrichtungen zu fordern.

Es geht aber nicht nur um Technik! Menschen müssen Zeit aufwendung und höchst persönlich die Vorteile des Internets vorführen, die Hintergründe der Anwendungen erklären – mit mehr Geräten, die dann irgendwo herum liegen, ist es nicht getan!

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