Claudia Klinger am 30. Juli 2019

Jederzeit kündbar? Online-Abos im Vergleich

Mittlerweile treffen Lesewillige regelmäßig auf die Zahlschranken der Mainstream-Medien: SZ-Plus, Z+/ZEIT, F+/FAZ, WELTplus und Spiegel+ sind kostenpflichtige Digitalabos, für die durchweg mit einem 4-wöchigen kostenlosen Test geworben wird. Vielversprechend heißt es in den Kurzbeschreibungen: „jederzeit kündbar“ – aber das bedeutet nicht zwingend, dass man das Abo auch schnell los wird. Meint „jederzeit kündbar“ wirklich eine kurze Kündigunsfrist oder nur die „jederzeit mögliche“ Kündigung zum Ablauf einer langen ABO-Laufzeit?

Schauen wir genauer hin, was die Großmedien im Detail anbieten. Mich hat hier die Info zur Laufzeit interessiert, aber ebenso die Preise der Plus- bzw. Premium-Abos, die sich im Umfang durchaus unterscheiden: Mal ist die ganze Zeitung inbegriffen, mal nur ausgewählte Artikel.

Z+ – das Online-Abo der ZEIT

Alle Artikel auf zeit.de frei
ZEIT-Apps für Smartphone und Tablet
DIE ZEIT als E-Paper, Audio & für E-Reader
4 Wochen gratis, danach 5,20 € pro Woche
Jederzeit kündbar

Dieser Text findet sich auf der Seite, die angezeigt wird, wenn man auf eine Z+-Artikel klickt (Hervorhebung ist von mir). Nirgends ein Hinweis, wie lange das Abo läuft, wenn man sich dafür entscheidet (oder einfach vergisst, im Testzeitraum zu kündigen). Immerhin heißt es dann in den ellenlangen AGBs im Abschnitt „Beschreibung der Dienste“:

„Unsere digitalen Abonnements sind jederzeit mit einer Frist von zwei Wochen kündbar. Nach Beendigung des digitalen Abonnements ist ein Zugriff auf kostenpflichtige digitale Publikationen nur möglich, wenn sie diese vorher auf Ihrem Gerät gespeichert haben.“

Geht das nicht besser? Wer liest schon AGBs! Sollte „jederzeit kündbar“ nicht dort erläutert werden, wo die Formulierung verwendet wird? Das erscheint umso wichtiger, weil „jederzeit kündbar“ nicht überall dasselbe bedeutet – bei weitem nicht!

Etwa beim Online-Abo der FAZ

F+ / FAZ.NET komplett

Zu­gang zu allen Ex­klusiv­-Artikeln 2,95€ / Woche
die ersten 30 Tage kos­ten­frei

Über 500 zahlungs­pflichtige F+Arti­kel pro Monat auf FAZ.NET
Fun­dierte Ana­ly­sen, un­ter­schied­liche Per­s­pek­ti­ven und opu­­lente Repor­­ta­gen
Zugang über www.faz.net und via App (FAZ.NET, Der Tag)
Wöchent­li­cher F+News­let­ter der Redak­tion
30 Tage kos­ten­frei tes­ten, jeder­zeit künd­bar

Wei­tere Infor­ma­tio­nen
Die ersten 30 Tage sind für Sie kosten­frei. An­schlie­ßend kostet F+ 2,95 € pro Woche für ein Jahr (11,80 € mtl.) und danach 4,95 € pro Woche (19,80 € mtl.).
Sie kön­nen jeder­zeit bis zu einem Tag vor der nächs­ten Abrech­nungs­pe­riode Ihr Abon­ne­ment kün­di­gen.

Und wie lange ist die „Abrechnungsperiode“? Zu den „Zahlrythmen“ findet sich eine Angabe auf der Hilfe-Seite im Abschnitt zu Zahlarten und Zahlrythmen:

„Sie können Ihr F+Abonnement monatlich per PayPal, Kreditkarte und SEPA-Lastschrift zahlen.“

Es wirkt, als solle absichtlich unklar bleiben, ob der „Zahlrythmus“ auch „Abrechnungsperiode“ ist – ein Irrtum, dem man durchaus verfallen kann, da zum Abrechnungszeitraum nirgends etwas Genaues steht. Ich vermute mal, dass man sich für ganze zwei Jahre bindet – dafür sprechen die hohen Preise im 2.Jahr.

Ausgerechnet die WELT macht es besser:

WELTPlus / welt+

Die stärksten und exklusivsten Stücke täglich für Sie ausgewählt
9,99 €/Monat1) – 30 Tage gratis testen.

¹⁾ Die Mindestlaufzeit beträgt einen Monat und verlängert sich um jeweils einen weiteren Monat, sofern Sie nicht 7 Tage vor Ablauf kündigen. Alle Produkte einschließlich MwSt. und versandkostenfrei.

Zwar muss man für das Lesen der Anmerkung ganz herunter scrollen, aber immerhin ist die Info vorhanden und die Laufzeit von nur einem Monat ist in Ordnung. Klare Sprache, kein Geschwurbel – so geht es also auch!

Das SZ-Plus-Angebot der Süddeutschen stellt alle Zeitungsinhalte online zur Verfügung. Dafür ist das Abo wiederum deutlich teurer als die beschränkte Auswahl der WELT.

SZ-Plus – für alle, die mehr wollen

Die ganze digitale SZ-Welt.
Das Premium-Angebot SZ Plus ermöglicht Ihnen den Zugang zur kompletten digitalen SZ:
mit der ganzen Zeitung und dem Magazin
mit exklusiven Reportagen und großen Essays
online auf der neuen Nachrichtenseite SZ.de
und in unseren Apps für Tablet und Smartphone

Über einen prominenten Link erreicht man die Abo-Seite mit drei Angeboten

  • 24-Stunden Tagespass, 2,95 €
  • Monatsabo – ab 19,99 € / Monat, monatlich kündbar, ab 3. Monat 36,99 € / Monat.
  • Studentenabo – monatlich kündbar, auch für Azubis, Referendare und Bufdis!

Das ist Klarheit in Vollendung! Die SZ bietet auch als Einzige den Tagesspass an, den ich schon zweimal genutzt habe, um mal ein paar „Premium-Stücke“ zu lesen – ich war sehr zufrieden, habe mir viele Artikel zum späteren Lesen abgespeichert und hoffe, die SZ schafft dieses Angebot nicht ab!

Ebenso deutlich der SPIEGEL mit seinen SPIEGEL+-Abos, die ebenfalls nicht nur einzelne Plus-Artikel bieten, sondern Zugriff auf den ganzen digitalen SPIEGEL:

Spiegel+

  • Zugriff auf exklusive SPIEGEL+-Inhalte, tagesaktuell für Sie zusammengestellt
  • Jeden Abend mehr Überblick: Das Daily Update für kompaktes Wissen zu den Themen des Tages — mit den exklusiven SPIEGEL+-Texten
  • Jeden Freitag schon ab 18 Uhr die komplette SPIEGEL-Ausgabe als digitale Wochenend-Lektüre
  • Einmal anmelden und auf allen Geräten nutzen — mobil, Web, Tablet
  • Jederzeit monatlich kündbar

Das Digital-Abo heißt Premium-Abo, kostet 19,99 €/Monat und ist monatlich kündbar. Weitere Abos umfassen auch die Printmedien, die lasse ich hier aus.

FAZIT zur ABO-Laufzeit: Die FAZ verschleiert, DIE ZEIT lässt suchen, WELT, SZ und SPIEGEL informieren deutlich.

Zu den Preisen: Es wird weiterhin schwer fallen, online ähnlich oder gar gleich hohe Preise durchzusetzen, wie sie in der Print-Welt üblich waren und sind. Wer gewohnt ist, täglich vielerlei Medien „abzusurfen“ und sehr viel Kostenloses zu lesen, tut sich verständlicherweise schwer, für ein Einzelmedium einen hohen Abo-Preis zu bezahlen. Lange Bindungen sind schon gar nicht gewollt – ein Punkt, den nur die FAZ partout nicht akzeptieren will.

Es wundert also nicht, dass die Zahlbereitschaft auf niedrigem Niveau stagniert. Details dazu berichtete MEEDIA im Junio 2019 im Artikel

Nur geringe Zahlungsbereitschaft: Deutsche gehören zu Europas Paid-Content-Muffeln

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Über Kommentare und Ergänzungen freue ich mich!