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Jakob, vortragend

Jakob Nielsen - Foto-Material für Artikel stellt er auf seiner Website in ausreichender Fülle bereit.
...muss man gesehen haben...


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HTML 1.0? Warum nicht gleich plain ASCII?

Über Sinn und Unsinn plattformübergreifenden Seitenbauens

Warum überhaupt HTML, möchte man Jakob Nielsen fragen, wenn er HTML 1.0 noch immer als Maß aller Dinge für ein zeitgemäßes Webseiten-bauen anpreist. Alle Browser können plain ASCII, und Lynx kann hier seine Überlegenheit voll ausspielen: Er bricht sogar die langen Zeilen um. Und nur wegen der paar Links....
 
Hintergrund von Nielsens Empfehlung von HTML 1 ist die Beobachtung, daß die Zahl und Differenzierung der Zugangsgeräte ständig zunimmt (S. 37) - was sicher richtig ist - und die daran geknüpfte Forderung, daß jedes Angebot mit jedem Zugangsgerät "optimal" darstellbar sein soll - worüber zu diskutieren wäre. Der Umstand, daß HTML vor mehr als 10 Jahren tatsächlich als plattform- unabhängige Sprache zur Auszeichnung von Texten entwickelt wurde, reicht angesichts der nie erwarteten Ausweitung der Userzahlen und Anwender-Ansprüche zur Begründung dieser Forderung sicher nicht aus.
 
Natürlich gibt es auch heute noch Angebote, die sinnvollerweise plattformübergreifend ins Netz gestellt werden sollten. Den Fahrplan der deutschen Bundesbahn kann man tatsächlich auf dem Handy, im Web-TV und auf PC-Monitoren jeder Größe sinnvoll nutzen. Allerdings wird das selbst hier nicht durch den Rückgriff auf HTML 1 realisiert, sondern dadurch, daß der Anbieter z.B. für WAP eine Parallelversion erstellt, die den Inhalt der gemeinsamen Datenbanken in einer für das Handy-Display geeigneten Form darstellt. In anderen Fällen - z.B. bei den WAP-Nachrichtendiensten - hat die Erstellung des Alternativangebots nicht nur technische, sondern auch redaktionelle Gründe: Für den kleinen Handy-Bildschirm müssen die ohnehin schon knapp formulierten Meldungen der Agenturen noch weiter eingedampft werden. Ob das, was dann übrig bleibt, den Aufwand lohnt, steht auf einem anderen Blatt und kann nur von den Anwendern entschieden werden.
 
Der Differenzierung bei den Zugangsgeräten entspricht nämlich auch eine noch weitaus stärkere Differenzierung auf Seiten der User, ihrer Interessen und ihrer in der jeweiligen Situation eingesetzten Technik. Allgemeingültige "Regeln" für das Webdesign lassen sich daraus noch nicht ableiten, aber es gibt Tendenzen. Wer sich mit seinem Webangebot an die Liebhaber aufwendiger Computerspiele richtet, kann daraus begründete Annahmen auf das in seiner Zielgruppe eingesetzte multimedial hochgerüstete Equipment ableiten - und er wird sich sehr überlegen, ob er die hohen Erwartungen dieser Zielgruppe enttäuschen will, um zwei oder drei Prozent "untermotorisierte" und am Ende auch noch wenig zahlungskräftige Besucher zufrieden zu stellen.
 
Vor einer ganz anderen Situation steht der Betreiber eines Webshops, der sich dem Merchandising im Umfeld der TV-Werbung verschrieben hat. Der tut gut daran, sich bei seinen Besuchern auf preiswertes und nicht ganz aktuelles PC-Equipment einzustellen, zukünftigt wohl auch verstärkt auf Settop-Boxen und TV-Bildschirme samt deren Begrenzungen. Und wieder anders der Anbieter eines Hotelführers. Dem bleibt nichts anderes übrig, als auf der einen Schiene die Häuser seiner Kundschaft so suggestiv wie möglich auf den Bildschirm zu bringen, gegebenenfalls auch multimedial, damit er ordentlich Eindruck macht. Daneben wird er eine PDA-geeignete Magerversion für den reisenden Businessman stellen, damit der seinen Laden auch dann findet, wenn er abends spät aus dem Auto heraus eine Unterkunft in der Nähe sucht. Hier gehören Multimedia-Kunde und WAP-User möglicherweise der gleichen Zielgruppe an, wollen aber in verschiedenen Situationen verschieden angesprochen werden.
 
Die Zeit für allgemeingültige Gesetze und Regeln - wenn es sie im Webdesign jemals gegeben hat - ist längst vorbei. Wer sagt, 'one size fits all', hat verloren.

- Michael Charlier, 12/2000


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Sieg der Einfachheit - Jakob Nielsen's Webdesign

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