von Claudia Klinger, 5. Februar 2010, 18:09

Internet mobil? Nicht wirklich – aber ich will endlich aufs Sofa!

Was mich vom PC wegtreibt und hin zu mobilen Geräten: eine kurze Geschichte vom langen Leiden vor dem Monitor.

Bis kürzlich hatte ich keinen Grund, ans mobile Internet auch nur zu denken. Meist sitze ich nämlich vor dem heimischen Computer, der noch ganz traditionell auf einem Schreibtisch thront und mir mit leisen Lüftergeräuschen die Stille belebt. Hier kann ich „alles machen“ und nichts zieht mich anderswohin.

18 Jahre gesessen

Mein Problem: da sitze ich seit 1992. Das war das Jahr, in dem ich mir meinen ersten PC zulegte. Schreiben, Bilder bearbeiten, ein bisschen programmieren, mit dem blauen Absturzbildschirm von Windows 3.1 kämpfen, Printmedien gestalten – so sah mein erstes digitales Leben aus. 1995 entdeckte ich das Internet, gab vor lauter Begeisterung meinen Job auf, schrieb journalistische Artikel über den „Cyberspace“ (ja, so sagte man damals) , baute 1996 meine erste Webseite und seit `97 bin ich als Webworkerin selbständig. weiter…

von Claudia Klinger, 3. Februar 2010, 15:01

Sicherer Surfen: Chronik im Browser abschalten

Warum es wichtig ist, selbst zu bestimmen, was der eigene Browser speichert - und eine Anleitung im Detail. Denn es ist gar nicht so einfach, wie man denkt!

Mit dem Artikel “IT-Forscher enttarnen Internetsurfer” scheint der SPIEGEL bzw. die forschenden Datenschützer ein ganz großes Fass aufzumachen: es ist leicht möglich, die sogenannte “Browser-Chronik” bzw. “History”, in der die Adressen beim Surfen besuchter Webseiten gespeichert werden, unbemerkt auszulesen. Das ist nun allerdings keine “Sicherheitslücke”, sondern ein uraltes Feature, das es z.B. ermöglicht, auf Webseiten besuchte Links farblich anders darzustellen.

Missbrauch des Features: Ausspähen der Nutzer sozialer Netze

Findige Interessenten können mit dieser Möglichkeit allerdings weit mehr anstellen als nur Links einfärben: Im Artikel wird ausgeführt, wie es mittels Abgleich der Chronik mit der Mitgliederdatenbank eines sozialen Netzwerks möglich ist, anhand der besuchten “Gruppen-Seiten” ein Mitglied namentlich zu erkennen - also auch, wenn man gar nicht eingeloggt ist. (Gruppen sind bei Xing, Facebook u.a. das, was man früher schon als “Foren” kannte: fast jeder, der in einem sozialen Netz verkehrt, ist bald auch Mitglied irgendwelcher Themen-Gruppen). weiter…

von Claudia Klinger, 19. Januar 2010, 12:20

Durchsichtige Medienkampagne gegen Google

Im Verein mit der FDP wollen die Verlage Google am liebsten zerschlagen, mindestens aber per “Leistungsschutzrecht” abkassieren.

Ich lese seit 30 Jahren DIE ZEIT, doch es fehlt nicht mehr viel und dieses Flaggschiff des Qualitätsjournalismus verliert das Vertrauen, das über Jahrzehnte aufgebaut wurde. Während nämlich auf ZEIT ONLINE in Sachen Netzthemen Meinungsvielfalt herrschen darf, sind die Artikel in der Druckausgabe (aktuell auf S.1: Im Google-Wahn) strickt auf Linie: contra Google, die böse Datenkrake, die uns “mit Werbung umzingelt” und überhaupt alles Böse repräsentiert, was sich netzfernere Leser in ihren Angstträumen ausmalen - kräftig unterstützt von ZEIT, SPIEGEL, FAZ etc.

Wer sich inhaltlich einlassen will, dem empfehle ich für den Moment die vielen Kommentare unterhalb des o.g. Artikels - und im übrigen die Analyse von CARTA: Wie die FDP eine “Lex Google” durchboxen soll: “Was hier abläuft, ist knallharte Klientelpolitik. Liberale Medien und FDP werfen sich die Bälle zu. Gesetze, die (außer von einigen Verlegern) von niemandem gefordert werden, sollen durch’s Parlament gejagt werden. Volksvertreter sollen zur Ausschaltung einer lästigen Konkurrenz missbraucht werden.” weiter…

von Claudia Klinger, 13. Januar 2010, 02:54

Ab in die Cloud: Google macht Festplatten tendenziell überflüssig

Wird es bald den massenhaften UPLOAD geben?

Na klar, im Web gibt es lange schon verschiedenste Anbieter, die mit kostenlosem Speicherplatz zum Upload in die “Cloud” locken. Die ersten paar GB gibts dort in der Regel gratis, dann muss gezahlt werden. In Zeiten des zunehmend mobiler genutzen Internets sind solche Angebote durchaus nützlich, doch waren sie bisher nicht wirklich erfolgreich. Wie sauer Bier bekam man hier und da die “Festplatten im Web” per Einladung oder Gewinnspiel nachgeworfen - aber wie viele nutzten sie wirklich?

Ein Haupt-Hindernis war und ist das mangelnde Vertrauen (Trust), das all diese neuen Dienste gemeinsam haben bzw. eben NICHT haben. Wer will denn schon irgend einem StartUp große Mengen wichtiger Daten überlassen? Es könnte schon morgen wieder verschwunden sein oder plötzlich mehr Geld verlangen. Und wäre es überhaupt im Stande, Hard- und Software weiter user-freundlich zu managen, wenn der große Erfolg kommt? Eine umfangreiche Verlagerung von Festplatten-Inhalten auf Firmen-Server ist ja nicht gerade trivial, wenn so ein Angebot mal wirklich massenhaft angenommen wird. WEM traut man das denn wirklich zu? weiter…

von Claudia Klinger, 21. Dezember 2009, 20:47

7 WWMAG-Tipps: Trends und Prognosen 2010

Die spannendsten, nützlichsten oder aus anderen Gründen bemerkenswerten Fundstücke der letzen Woche

von Claudia Klinger, 16. Dezember 2009, 14:08

Albern: Leicht umgehbare Zahlschranke bei Hamburger Abendblatt und Berliner Morgenpost

Mit einem vorwurfsvollen Jammer-Artikel zog man gestern beim Hamburger Abendblatt die Zahlschranken hoch: Paid Content, sofort! Ebenso bei der Berliner Morgenpost.

Für die meisten Kommentatoren, die sich dazu äußern, ist das ein selbtmörderischer Akt: beide Medien wählen nähmlich die für sie einfachste, für die Leser allerdings unattraktivste Variante möglicher Bezahlmodelle: Print-Abonennten kommen kostenlos auf die Seiten, Online-Leser sollen Monats-Abos buchen. Also wieder mal der “Zwang zum Paket”, mit dem bereits die Musikindustrie gescheitert ist.

Regelrecht lächerlich mutet es dann an, dass die Zahlschranke auch noch ganz leicht zu umgehen ist. So rät schon der 13.Kommentar zur Sache bei Stefan Niggemeier:

“Und es ist so dilettantisch umgesetzt wie kaum etwas anderes im Web: Wenn man den User Agent des Browsers (z.B. per User Agent Switcher-AddOn für Firefox) auf „Googlebot” umstellt, kann man wieder alles kostenlos lesen. Meine Herren, so werdet ihr nie Geld verdienen…”

Ist es zu fassen, dass die Verantwortlichen der beiden Medien einen derartigen Wirbel wagen, ohne sich der technischen Machbarkeiten ihres gewählten Weges zu versichern?

Wie es funktionieren könnte

Hätte man sich nicht viele Jahre der Befassung mit den Wünschen der Leser verweigert, stünde man jetzt anders da und müsste nicht die Rohrkrepierer-Lösung wählen. In einem Artikel aus der F.A.Z.-Community wird beschrieben, wie es gehen könnte, wollte man wenigstens die an sich Zahlungsbereiten abkassieren:

„Verlage müssen die Fähigkeiten aufbauen, die richtigen Preispunkte für die Inhalteklassen herauszufinden. Das kann nur über ein ‚Trial and error‘-Verfahren geschehen”, sagt Fränkl. Ein Vorbild dafür könne die Mobilfunkindustrie sein, die zum Beispiel 19 Cent für eine SMS durchgesetzt habe. Die Verlage sollten ihre Preise mehrmals am Tag ändern können, um die Kaufbereitschaft zu testen, die sich individuell unterscheide. Wer schon einmal einen digitalen Inhalt gekauft habe, weise für einen ähnlichen Artikel eine höhere Zahlungsbereitschaft auf; entsprechend höher könne der Preis angesetzt werden, sagt Fränkl. Dafür sei allerdings der Aufbau entsprechender technischer Systeme nötig, die den Nutzern weitere relevante Artikel, Spezialberichte oder Dossiers anbieten könnten, die zum schon gekauften Inhalt passten. “

Nun, WER hat NICHT geschlafen und solche Systeme entwickelt? Amazon - nicht etwa ein großer deutscher Verlag!

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Siehe dazu auch:

Kritik und Häme für Springers Bezahl-Start (Meedia)
Trotz und Abendblatt (Indiskretion Ehrensache)
Die Paid-Content-Schranke hat eine Google-Hintertür (CARTA)