Claudia Klinger am 12. August 2010

Burka für Fassaden? Google Street View und die German Angst

Das Sommerloch machts möglich: die Ankündigung, dass Googles Street View nach jahrelangem Hickhack nun endlich auch hierzulande zur Verfügung stehen wird, erregt deutsche Gemüter wie kaum etwas anderes in diesen Tagen. Selten sah ich die Rede von der „German Angst“ so krass bestätigt wie beim Lesen der Kommentare zu den Streetview-Artikeln, die derzeit allüberall erscheinen. Da zeigt sich das sprichwörtliche „gesunde Volksempfinden“ auf eine Art, die mich gruseln lässt: böses Google zeigt meine Hausfassade der Welt – und macht womöglich auch noch Geld damit. Was für eine Sauerei!

Gibt es vernünftige Argumente gegen Streetview?

Noch vor 20 Jahren wäre ein „begehbarer Stadtplan“ als eine tolle, äußerst wünschenswerte Utopie erschienen: Wunderbar, dass man sich eine Gegend anschauen kann, bevor man hinfährt, dass man die Parkmöglichkeiten (und evtl. die Barrierefreiheit) checken und sich ein Bild von der Atmosphäre vieler Orte der Welt machen kann. Ungemein nützlich auch bei der Wohnungssuche: man spart sich Besichtigungen, wenn man bereits vom heimischen PC aus sehen kann, dass die Straße z.B. keine Bäume hat oder gegenüber ein belebter Supermarkt das Ruhebedürfnis stören würde.

Zwischenbemerkung: Während wir uns über einen begehbaren Stadtplan aufregen, wird das Internet in Stücke gehauen:

„Wie konntet Ihr Euch damals, 2010, so dermaßen austricksen lassen?“

Was sagen die Gegner? Da ist immer wieder die Rede von der Einbruchsgefahr. Ja Himmel, was soll ein Einbrecher mit Jahre alten Bildern? Der muss schon selber hingehen und die Umgebung auskundschaften – und kein Gesetzt hält ihn davon ab, das auch tun zu dürfen. Ansonsten finde ich einfach keine vernünftigen Gründe, sondern nur diffuse Ängste und Vorbehalte gegen den bloßen Fakt, dass das eigene Haus zu sehen sein wird, weltweit vom PC aus zu besichtigen. Doch was ist daran schlimm?

Der Hauseigentümer mit der verlotterten Fassade, der neue Mieter sucht, hat keinen Schaden, denn die Mieter in spe sehen sich das Haus auch heute erst an bevor sie mieten. In die Beurteilung der Kreditwürdigkeit einer Person fließen lange schon Adressdaten ein und es wurde auch schon berichtet, dass manche Adressen von bestimmten Versandhäusern nicht beliefert werden – alles ganz ohne Google Street View.

Und, bevor ich es vergesse: Warum ist Streetview jetzt der Stein des Anstoßes, wogegen sich bezüglich der Satellitenbilder aus Google Map und Earth kaum einer aufgeregt hat? Da kann man tatsächlich in alle Höfe und Gärten sehen und sieht sogar, wo eine Wassertonne steht!

Geld verdienen ist böse?

Immer wieder formuliert wird auch der Vorwurf, Google sei ein „profit-orientiertes Unternehmen“ und wolle mit der Street View Geld verdienen. Die Mehrheit der so Argumentierenden scheint Geld verdienen als etwas grundsätzlich Böses anzusehen. Ob sie wohl meinen, man solle das private Unternehmertum abschaffen und alles staatlich organisieren? Andere meinen, ihnen gebühre ein Anteil vom Profit, da ja mit den Bildern ihrer Häuser Geld gemacht werde. Na sicher, warum nicht? Man stelle sich vor, Google verteilt z.B. 50% der vielleicht irgendwann einmal Google Streetview zuzuordnenden Werbeeinahmen anteilig an alle Hauseigentümer. Wieviel bekäme da wohl jeder ab? (Zur Berechnung schaue man mal auf den Plan, der zeigt, wo es Streetview bereits gibt).

Kampf um den öffentlichen Raum

Die meisten Kommentierer, die sich gegen Streetview äußern, argumentieren überhaupt nicht sachlich. Da ist Google eben einfach die böse Datenkrake, der man das Handwerk legen muss. Dafür wären sie auch bereit, den öffentlichen Raum als frei nutzbare Ressource für alle zu opfern: sie rufen nach dem Gesetzgeber, der das Fotografieren von Privathäusern einfach verbieten soll. Leider sind es nicht nur verwirrte Einzelpersonen, die der Panoramafreiheit ein Ende setzen wollen: wie Jens Best in einem ZEIT-Interview berichtet, wollen sogar Gemeinden wie Weilheim in Oberbayern und Herne ihre öffentlichen Gebäude (!) aus der Streetview entfernen lassen. Es ist dann nicht mehr weit bis zum Verbot von Fotoapperaten auf Straßen und Plätzen: schließlich veröffentlichen viele ihre Bilder auf Facebook und anderswo und machen sie mittels Geo-Targeting sogar ORTBAR!!

Wollen wir Burkas für Fassaden? Offenbar würde sowas vielen gefallen! Im Kampf um Google Streetview zeigt sich ein deutscher Wesenszug, der alles andere als weltoffen und Neuem aufgeschlossen, sondern provinziell, überängstlich und neidisch ist. Und wenn es dafür auch keinen Button gibt: Nein, das gefällt mir nicht!


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53 Kommentare zu „Burka für Fassaden? Google Street View und die German Angst“.

  1. Ich denke, bei nicht wenigen ist es einfach eine arge Verunsicherung. Die Grenze zum persönlichen Schutzraum verwischen sich auf manchen Ebenen, auch wir Netzmenschen diskutieren ja an vielen Stellen und experimentieren am eigenen Leib an vielen Stellen zu diesem Thema.

    Ich kann diese Verunsicherungen der netzferneren Leuten gut verstehen. Konkret bei Streetview ist es schnell widerlegbar, aber eigentlich begegnet man damit nicht den Leuten und trifft sie nicht in ihrem eigentlichem Problem der für mich verständlichen Verunsicherung.

    Natürlich sollte man die Gründe gegen die Gründe gegen Streetview immer wieder aufzeigen. Aber wenn man das alles nur darauf reduziert, kommt man an die Menschen mit ihren Ängsten nicht heran. Und mit der woanders zu lesenden Häme und teils schon Aggression auch nicht. Da können manche auch nicht über den Tellerrand des eigenen Netzverständnis schauen.

  2. Hätt ich ja jetzt gerne geflattert… ;)

  3. Na, die Aggressivität kommt gewiss auch daher, dass man den Eindruck hat: es ist schon alles zigmal gesagt, aber offenbar nützt das nichts.

    Und so NETZFERN können die Kommentierer eigentlich auch nicht sein, die sich allerorten selber ziemlich aggressiv äußern! (Sie scheinen im übrigen nie an die Nachteile zu denken, die es irgendwann mit sich bringen kann, wenn ein Haus NICHT in Google Streetview ist.)

    Ich schrieb ja von „diffusen Ängsten“ ohne sachliche Basis. Die scheinen hierzulande weit verbreiteter zu sein als anderswo – warum eigentlich? Dazu fällt mir einfach nichts ein – außer, dass wir damit weltweit wohl immer mal wieder auffällig werden. Womit ich nicht sagen will, dass man ALLES mitmachen muss, aber grade sowas Harmloses wie Streetview?

  4. Ja genau, Burkas für Häuser, aber Burkas bei moslemischen Frauen verbieten wollen. Das ist die Logik der Angst. Angst vor allem was man nicht kennt.

  5. „Ich schrieb ja von “diffusen Ängsten” ohne sachliche Basis.“

    Vielleicht historisch bedingt? Die vergangenen 100 Jahren waren in Deutschland deutlich unruhiger als in anderen westlichen Ländern. Das hinterlässt Spuren.

  6. Nach meiner Erfahrung haben viele Streetview-Kritiker so gut wie kein Erfahrungen mit Google Maps und/oder Google Earth. Die Skepsis und Angst nährt sich in vielen Fällen aus der Berichterstattung von Presse, Rundfunk und Fernsehen. Vielleicht ist diese Angst auch ein Generationenproblem? Eine globalisiert denkende junge Generation steht dem offener gegenüber. Die Vorteile liegen ja auf der Hand, wenn sich eine Studentin oder ein Student für das Auslandssemester vorbereitet und sowohl Uni wie auch Studentenwohnanlage virtuell vorab besuchen kann, was für viele Partneruniversitäten in USA und Asien möglich ist. Auch potentielle Gaststudenten interessieren sich für ein „Preview“ des möglichen Gastlandes. Da macht es sich natürlich besonders gut, wenn öffentliche Einrichtungen und Gebäude aus Bildern getilgt sind. Ob sich da Gäste eingeladen fühlen?

  7. These:
    „… man spart sich Besichtigungen, wenn man bereits vom heimischen PC aus sehen kann, dass die Straße z.B. keine Bäume hat oder gegenüber ein belebter Supermarkt das Ruhebedürfnis stören würde.“

    Antithese:

    „Ja Himmel, was soll ein Einbrecher mit Jahre alten Bildern? Der muss schon selber hingehen und die Umgebung auskundschaften“

    Synthese: Eigentor ;-). Denn was für Einbrecher gilt, gilt für Wohnungssucher erst recht.

  8. Spielverderberischer, ironiefreier Hinweis: Die Kritik an Streetview ist vielleicht falsch, womöglich überzogen, teilweise irrational. Mit „gesundem Volksempfinden“ hat sie nichts zu tun. Bitte nochmal im Geschichtsbuch nachlesen (Das war der Begriff, mit dem die NSDAP die beginnenden antisemitischen Übergriffe rechtfertigte und anheizte).

  9. @Giesbert: Richtig, sowohl der Mieter als auch der Einbrecher werden bei ernsthaftem Interesse selber hingehen müssen. Ob die Straße Bäume hat oder wie das Viertel so insgesamt aussieht, das wird sich in der Regel nicht so schnell ändern, wie eine Fassade neu gestrichen wird.

    Ich verstehe einfach die Hysterie nicht, die sich auf etwas richtet, was unzählige nützliche Aspekte hat! Man sieht hierzulande zuvorderst die paar möglicherweise schädlichen Nutzungsweisen – und ist bereit, den großen, dem gegenüber stehenden Nutzen in die Tonne zu treten! DAS ist mir suspekt!

    @Thomas: sorry, ich dachte, den Begriff hats schon immer gegeben – für diffuse Feindseligkeiten in der Bevölkerung gegen Fremdes und Neues.

    Frage: Wenn unsere Regierung jetzt ein Gesetz zum Verbot des Fotografierens von Häusern erlassen und das mit diesen, in vielen Äußerungen bekundeten Animositäten begründen/rechtfertigen würde – wär das eine falsche Begriffsverwendung?

  10. Claudia, das Problem ist. Was vernünftiges gesagt wurde, wird bei den Menschen außerhalb nicht gelesen, weil es zumeist im Netz gesagt wird oder in nicht gerade Massenpublikumsblätter.

    Und die „Aggressivität“ der dort wiederum schreibenden Gegner sollte man zum einem nicht auf den normalverunsicherten Menschen übertragen und zum anderen: selbst wenn: Zurückschreien hilft nie. Diese Einstellungen finden, auch gerade im Netz, zwar viele als langweilig, aber es ändert nichts.

    Und schlußendlich: Verunsicherungen sollte man erst einmal ernst nehmen und dann breitflächiger reagieren als beleidigt, weil die Dummen bei „einem Ding“ einfach nicht kapieren wollen, was wir laufend in Internetblogs erklären.

  11. Sicher gibt es diffuse Ängste, aber man kann heutzutage auch schnell reale Gründe finden – gerade wenn man bedenkt, daß Daten verknüpft werden können:
    1) Einbrecher/Haustürbetrüger gehen einfach auf Streetview um ihre „Raubzüge“ zu planen – ein bisschen in Streetview die Umgebung gecheckt, crosscheck mit Telefonbuchdaten und Daten aus Sozialen Netzwerken und man bekommt ein schönes Bild wer wo wohnt (Altersgruppe,Familienstand).
    2) Versicherer, Arbeitgeber in Spee oder haben ein nettes Tool das Umfeld zu checken – wer einmal keinen Versicherungsvertrag erhalten hat oder diesen tuerer bezahlen musste Wird wissen wovon ich rede.
    Zudem würde das auch das neue „Projekt“ der „anonymen Bewerbung“ unterlaufen – Arbeitgeber beleuchten ja heute schon in soz. Netzen den Background Ihrer Bewerber…wenn man dann in einem Haus wohnt, dessen Fassade evtl vom Eigentümer seit Jahren nicht gepflegt wurde, bildet sich der Arbeitgeber schnell ein Falsches Bild, abseits jeder Qualifikation. Ein abgebildeter Rollsteg am Eingang oder andere Hilfsmittel, kann so auch schnell zum (rechtswidrigen) aussortieren von Behinderten genutzt werden.

    Dergleichen könnte man noch viele konkrete Beispiele zum „Missbrauch“ solcher Daten anführen.

    Sicher muss man immer eine Datenschutzrechtliche Kosten/Nutzen analyse machen. Solange man politisch stabile Verhältnisse hat und der Staat kontrollierbar ist (ist er das denn wirklich [noch]?), mag das alles unproblematisch erscheinen.

    3) Aber gerade bei der Hatz auf Minderheiten oder politisch andersdenkende bekommt der „böse“ Staat oder menschenverachtende Organisationen Daten an die Hand die schnell auch mal ein oder mehrere Menschenleben vom Menschenwürdigen Leben das wir heute kennen in ein unwürdiges Dasein führen. Die Stasi hätte sich auch über Maps und Streetview gefreut, wenns darum geht die 99% Wahlbeteiligung „durchzusetzen“ und die Häuser durchzugehen und die leute in die Wahllokale zu treiben.

    4) Aktuell ist auch gerade die Debatte wie man hier in D mit gefährlichen leuten umgeht die aus der Sicherungsverwahrung in die Freiheit entlassen werden. „Die würde des Menschen ist unantastbar“ – nichtmehr wenn diese Leute öffentlich verfolgt und gedemütigt werden indem man Ihre Leben und Wohnorte auf Maps oder Streetview veröffentlicht.

    5) Man vergisst auch oft, daß es Leute gibt die zu den Wohnorten solcher „berühmtheiten“ reisen – Jack The Ripper, Manson, oder auch der gute deutsche Dagobert waren solche Leute denen schon fast ein Personenkult angedieh…oder der „gute“ alte Adolf…wie soll man mit solchen Wohnorten und Häusern dann umgehen um ein „pilgern“ zu verhindern..sollen diese dann von Staatswegen aus Maps/Streetview getilgt werden ?

    6) Auch EADS,BKA,BND,Kraus Maffey oder andere Firmen die sicherheitsbedenken haben oder gar „kriegswichtige Standorte“ sind nicht auf solchen Maps zu finden, oder zumindest zum Teil unkenntlich gemacht mitAnlagen, obwohl auch diese im öffentlichen Raum angesiedelt sind – welche höherstehenden Rechte hätten diese denn zu beanspruchen ? Wenn man mit den gleichen Argumenten herangeht wie mit den Sicherheitsverwahrten, müsst sollten im Gegenteil sollten genau diese Standorte jedermann bekannt sein, den das sind mehrfache Massenmörder im Auftrag von jedem deutschen.

    Ob Netzaktivist oder Datenparanoiker – die Menge macht das Gift.
    Hier sollte man immer liberal herangehen und mit offenen Augen und ohren für alle Seiten. Liberal im besten Sinne und nicht in dem Sinne der Partei die vorgibt es zu sein.

    …war jetzt etwas lang, aber das thema ist zu komplex für kurze Aburteilungen von Bedenkenträgern.

    Grüße,

    Holger

  12. @Cräcker. Nun, eigentlich ist Google Street View ja doch ein Tool, dessen Nützlichkeit sich auch einem verunsicherten Netz-Fernen leicht erschließen müsste – wenn er denn bereit wäre, seine Netzferne soweit aufzugeben, um das überhaupt mal zu testen! (Z.B. bevor man in Urlaub fährt) Und so ist es mit den meisten Dingen, die von Netzfernen abgelehnt werden: sie kennen es nicht, also ist es vermutlich was Schlechtes.

    Was willst du da machen? Wer partout „netzfern“ bleiben will, wird all das nie gut finden können, was Netz-User nützlich finden. Aber vermutlich wird er klaglos die Gesundheitskarte akzeptieren, weil das nun halt so ist beim Arzt. Und womöglich nimmt er gerne die Payback-Karten der Supermärkte, weil man da ja ein bisschen sparen kann.

    Klar kann man Einzelne aufklären und ihnen die Nutzung vorführen – aber eben nur, wenn sie auch dazu bereit sind. Und es muss auch Schnittstellen-Menschen geben, die das Netz gerne zeigen. Die gibt es sicher und nicht mal wenige – aber wie kommen die mit den „Netzfernen“ zusammen?

  13. @Holger: danke für deinen umfangreichen Kommentar! Klar ist das Thema komplex – und mein Artikel nur ein kleiner, zugegeben emotionaler Beitrag um Rande.

    Deine Gefahrenliste zeigt gut, wie sehr es Einzelne doch in der Hand haben, was sie von sich preis geben: Im Telefonbuch steht man heute freiwillig. Ebenso beschließt man selbst, ob man Daten zum Familienstand und Alter in sozialen Netzwerken angibt – und wer diese lesen darf. Alles, was frei im Web steht, ist auch jetzt einsehbar und einer Adresse zuzuordnen, sofern derjenige sie bekannt gegeben hat. Und ich wette mal, kein Einbrecher stützt sich einzig auf Streetview: die reale Besichtigung kann (s.Artikel) ein altes Foto nicht ersetzen.

    Was hätte denn der Stasi Streetview für Erkenntnisse gebracht, die sie nicht auch ohne gewusst hätten? Einem Haus sieht man doch nicht an, ob die Einwohner zur Wahl gegangen sind.

    Bei der Diskussion um entlassene Straftäter geht es um persönliche Daten: also die Verknüpfung von Name, Adresse und Straftat – und deren Veröffentlichung. Das finde ich unter aller Sau und wenn das je durchkommt, ist das für mich das Ende des hiesigen Rechtsstaats!

    Was Berühmtheiten angeht: die wissen sich zu schützen bzw. mussten es lernen. Und sie können, wie übrigens jeder, das Unkenntlichmachen ihrer Häuser in Streetview verlangen. Bleibt aber das Argument: Klingelschilder sind nicht erkennbar!

    zu 6) Die werden sich vermutlich auch in Streetview löschen lassen, weil sie z.B. einen Luftangriff fürchten. Ob zu Recht, wage ich zu bezweifeln – und ob es im Fall des Falles nützt, ebenso.

    Google ist ja entgegenkommend zu allen, die sich fürchten und macht das Bild auf Antrag unkenntlich. Wenn Gemeinden allerdings ihre öffentlichen Gebäude löschen lassen, wird das ein Schuss ins eigene Knie: den Tourismus fördert das gewiss nicht – und den lieben/fördern die meisten Gemeinden ja doch.

  14. Nichts dagegen, dass Google Straßenfluchten und Hausfassaden ins Internet bringt. Das ist öffentlicher Raum. Auch, dass Google Geld damit verdienen will, finde ich nicht unlauter.
    Allerdings bin ich der Meinung, dass Privatsphäre nichts damit zu tun hat, wie Web-affin man ist. Alles hinter dem Gartenzaun ist privater Raum. Meine Mauer mit Hecke war zu dem Zeitpunkt, an dem das Google-Auto vorbeikam, 2,1 Meter hoch. Da sieht normalerweise niemand drüber, auch nicht auf Zehenspitzen. Die Kamera von Google war 2,5 Meter hoch. Zwar weiß ich nicht, was sie alles geknipst hat, aber ich will einfach nicht, dass mein privater Raum (sprich Garten) öffentlich gezeigt wird, auch nicht in einer Momentaufnahme. Deswegen werde ich Widerspruch gegen die Veröffentlichung von Fotos meiner Adresse einreichen.
    Und nach meinem Verständnis kann ich das in einer Demokratie tun, ohne mich dem Verdacht auszusetzen, etwas zu verbergen zu haben. Ich möchte lediglich meine Privatsphäre wahren. Dabei orientiere ich mich ganz sicher nicht an denjenigen, denen ihre Privatsphäre egal ist.

  15. @Hulk,

    wieso verletzt es deine Privatsphäre, wenn ein Stück deines Gartens zu sehen ist? (was mag das sein, das man trotz 2,10 Meter Hecke aus 2,5 Meter noch sehen kann?)
    Ich möchte wirklich gerne wissen, was der konkrete INHALT, der geschützt werden soll, hier ist! Was ist die Befürchtung? Welcher SCHADEN – auch immaterieller – könnte denn konkret eintreten?
    Und WARUM machst du das, obwohl in Streetview doch ganz gewiss weit weniger zu sehen ist als in den Aufnahmen von oben (GoogleMaps/Earth), die schon Jahre lang zu sehen sind?

  16. @claudia: „…Deine Gefahrenliste zeigt gut, wie sehr es Einzelne doch in der Hand haben, was sie von sich preis geben…“ – Ist das denn wirklich so ?
    Wer hat denn die Macht, etwa die angesprochene Gesundheitskarte zu boykottieren, wer kann Einträge in Versicherungsdatenbanken, Schufa etc, Bewegungsdaten (Handytelefonate, Flugbewegungen), zu kontrollieren oder löschen zu lassen ? Wer kann denn in Sozialen Netzwerken wirklich sicher sein, daß nicht „Pannen“ a la Facebook passieren ?
    Da halte ich es für eine Pflicht, daß gerade die Netzaffinen Leute aufmerksam machen – denn auch die oldschool Printmedien ziehen Ihre Inhalte ja zunehmend aus den aktuellen Netzthemen.

    Und gerade das Argument mit der Freiwilligkeit beim telefonbuch und sonstigen Listen, *muss* eben imo auch für Streetview et al gelten :-)

    Zugegeben ist Garth,Maps und Streetview für sich nichts „böses“, aber man sollte eben den Leuten dann auch das Recht zugestehen dort nicht aufzutauchen.
    Touristische Ziele werden sicher nicht Objekte sein die jemand ausgeblendet haben möchte – auch kein Eigentümer der das veranlassen könnte. Und doch stören mich beim virtuellen Wandern in einer Stadt ein paar verpixelte Häuser die in einer Strassenzeile nicht zu erkennen sind nicht sonderlich.

    Die Wette mit den Haustürbetrügern hast du leider schon verloren – erst kürzlich hatte ich den Fall, daß ein Mitarbeiter einer Großen Hilfsorganisation beim Spendensammeln an der Haustür zu mir sagte:“So, das war das letzte Haus, um die Ecke wohnen eh nur Leute von denen wir keine spenden erwarten brauchen“ – Ich fragte woher er das wissen könne – „Da wuden verschiedene Daten abgeglichen und entsprechend meine Route festgelegt und hier ist Schluss“…toll gell :-)
    Sind zwar keine Einbrecher, aber die werden ja auch zunehmend intelligenter und organisierter.
    bzgl Stasi – einen Erkenntnisgewinn evtl nicht, aber sicher eine Arbeitserleichterung…und per Earth kann man ja auch verborgenen Hinterhäuser die evtl illegal errichtet wurden gut sehen und mal checken…ich glaube da was auch China zu erinnern, das so gelaufen ist mit einer regierungskritischen Bloggerin….aber das kann dir/uns ja zum glück nie passieren ;-)

    Bzgl Burka gibts übrigens ne nette analogie – in Indien stossen Hindus und Muslime immer heftiger aneinander – Hindus greifen verschleierte Frauen an und Muslime die sündigen andersgläubigen, sodaß es schon Flcuhtbewegungen gibt…traditionell haben die Ihre eigenen Viertel und wenn man strassenzüge „säubern“ will, kann man sich da auch schön ein Bild machen über Earth et al…

    nochmal zum Punkt 6: ich zitiere mal Google „…Der Abbildung von Firmengebäuden oder öffentlichen Gebäuden können keine Persönlichkeitsrechte entgegenstehen. Es ist regelmäßig im allgemeinen Interesse, dass diese Gebäude gefunden und zu ihnen navigiert werden kann…“
    Soso :-)

    Bei den Gemeinden/öffentlichen Gebäuden sehe ich das sehr ähnlich wie du – das klang ja schon oben bei den touristischen Zielen an.
    Zudem darf man nie Vergessen, daß WIR die Gemeinde und der Staat sind und ähnlich wie bei Onlineinhalten der „Öffentlich-Rechtlichen“, sollten solche Daten/Bilder (unbefristet und) völlig frei zugänglich sein für jedermann – wir haben das schliesslich bezahlt.

    Google is not evil – the evil is the evil that men do…oder sich antun lassen (müssen).
    Daher plädiere ich weiter für die freie Entscheidungsmöglichkeit eines jeden Privaten darüber, ob sein Haus in Streetview oder anderen Datensammlungen auftaucht oder nicht.

    Genau die Diskussion die wir hier führen sollte weiter angeregt und gefördert werden, sodaß auch jeder die Möglichkeit eine mündige Entscheidung über seine Daten fällen kann.

    In diesem Sinne,

    Holger

  17. Google bietet übrigens ganz zufällig den Dienst http://panoramio.com an, der sich sehr gut dafür eignet, Fotos auf Google Maps und Street View einzubinden. Ein Schelm, der böses plant.

  18. @oqpie: und wie ich sehe, hat dort meine Hausverwaltung auch unser Mietshaus bereits eingestellt:
    http://www.panoramio.com/photo/19938915

    Hier wäre also ein Gezerre um Streetview völlig überflüssig.

  19. @Holger: ich habe keine „Wette verloren“, denn bereits im Artikel schrieb ich doch, dass Rückschlüsse aus Adressen bereits jetzt von Banken, Versandhäuser etc. gezogen werden! Das wird durch Streetview auch nicht anders… Und Hilfsorganisationen sind für mich keine Haustürbetrüger.

    Was bestimmte Rechtswidrigkeiten angeht, bin ich im übrigen durchaus auf Seiten des Staates: wenn alle Baugenehmigungen brauchen, hat das nur Sinn, wenn man gegen illegal errichtete Hinterhäuser vorgeht!

    Die Macht, die Gesundheitskarte zu boykottieren haben zuvorderst die Ärzte. Und noch ist sie nicht da…

    Und die freie Entscheidung bezüglich GoogleStreet hast du ja, als Eigentümer, nicht unbedingt als Mieter (siehe letzter Kommentar) Und auch im Telefonbuch bist du drin, wenn du nichts dagegen sagst – nicht umgekehrt.

  20. @Claudia Klinger
    Der Inhalt, den Sie nachfragen, ist ein demokratischer Wert, der sich aus dem Grundrecht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit ableitet. Privatsphäre ist eben der Lebensbereich, der nicht öffentlich ist. Ob man auf den Bildern nur einen alten Blumenkübel sehen kann oder aber womöglich durch ein offenes Fenster in mein Schlafzimmer, ist dabei völlig egal. Beides ist nicht öffentlich.
    Der Schaden ist, dass Google Street View zumindest Teile des privaten Raums öffentlich macht.
    Dass auf Satelliten-Bildern womöglich der gleiche Blumenkübel zu sehen ist (sprich womöglich ebenfalls privater Raum unfreiwillig veröffentlicht ist), kann nicht als Rechtfertigung für die unfreiwillige Veröffentlichung des privaten Raums dienen.
    Allerdings lassen die Satelliten-Bilder lange nicht die gleichen Einblicke zu wie Street View. Vielleicht gibt es deswegen auch keinen Protest dagegen.

  21. @Claudia Klinger
    Der Vergleich mit Panoramio hinkt. Diese Bilder machen nicht 2,5 Meter hohe Kameras, sondern Fotografen von Augenhöhe aus. So zeigen sie in der Regel nur öffentlichen Raum und eben keinen privaten.

  22. Vor geraumer Zeit habe ich mal gelesen, das für Einbrecher Häuser mit Alarmanlage attraktiver sind, als Häuser ohne.

    Wer nix hat, muss ja auch nix bewachen.

    Wie es wohl mit verpixelten Häusern aussieht?

  23. @Ole
    das ist ein Argument, das schon mit der Einführung von Videoüberwachungssystemen aufkam: Wer nichts zu verbergen hat, der kann sich ja ruhig überall filmen lassen.
    Analog dazu: Wer nicht die Aufmerksamkeit von Einbrechern erregen will, der sollte sein Haus nicht verpixeln lassen.
    Ist das nicht bereits eine – zumindest gedankliche – Einschränkung der freien Entfaltung der Persönlichkeit?
    Im übrigen glaube ich nicht, dass Einbrecher auf Street View angewiesen sind.

  24. Zu Deiner Frage an Hulk, Claudia, was denn nun dann so schlimm sei, gibt es die Formel: wer nichts zu verbergen hat…. DIE wiederum sollte aber keine Grundregel fürs Recht an Privatheit sein. Da ich Dich (ja etwas) kenne, weiß ich, das Du es einfach mal gerne hier von Mensch zu Mensch wissen willst, klar, aber man darf daraus keine allgemeine Grundlagenfragestellung machen. Und die Gefahr besteht hier, wenn man ab Punkt x die frage heraufkommen lässt: was wollen die eigentlich hinterm Gartenzaun so wichtiges verstecken?

    Irgendwo ist eine Grenze, wo man nicht begründen braucht, warum man etwas nicht veröffentlichen will. Bei Häuserfronten und Einsichtbereich ab ca 2 Metern stehe ich da aber auch eher „bei google“.

    Zu Deiner Frage, wie man denn an Netferne Leute zum gebetmühlenartigen Erklären herankommt. Da, wo ich immer predige, der Mensch auch mal hingehen soll: raus in Gebiete, wo man keinen Internetzugang benötigt.

    Entweder wir kennen anfassbare Menschen mit Vorbehalten von Angesicht zu Angesicht, dann sollten wir mit denen einfach sprechen. Oder wir kennen die auch nur aus den Medien, dann sollten wir mit unserem echauffieren eh sparsamer umgehen. Denn denen traue ich auch keine wirklich fundierte Meinungsspiegelung zu. Wenn nicht in der einen Richtung, dann auch kaum in die andere.

  25. @Cräcker: Mein Artikel war inspiriert von vielen Kommentaren, die ich z.B. unter dem SPIEGEL-Artikel gelesen hatte – das ist ja auch verlinkt. WIE netzfern die sind, kann ich nicht wissen, klar! Ich nehme aber an: gar nicht so sehr…

    Wer wirklich „fernab der Anschlüsse“ lebt, hat vermutlich kaum Anlass, sich über Streetview zu erregen, den von diesem Hype bekommt er nur kurz was aus Printmedien und TV mit.

    @Hulk: wie du schon sagtest, kannst du ja löschen lassen. Ich persönlich würde es vorziehen, einen Sehschlitz von 40 cm als Minderung meiner Privatsphäre auf einem einzigen Foto zu dulden, um nicht den schönen begehbaren Stadtplan mit einem verpixelten Gebäude zu verunzieren.
    Und „Blick ins Schlafzimmer“ ist definitiv eine andere Dimension!

  26. Meine erste Reaktion gegen Google Street View war Ablehnung. Und es war tatsächlicht, wie weiter oben angemerkt, in einem diffusen unguten Gefühl begründet.
    Je mehr ich mich mit der Materie beschäftigt habe, umso weniger konnte ich Gründe für meine Vorbehalte nennen, die sich tatsächlich konkret auf Google Street View bezogen.

    Und dabei fiel mir dann auf, was zumindest bei mir (und vielleicht ja auch bei anderen) der Auslöser für diese Haltung ist:

    Es ist das Gefühl, dass in den vergangenen Jahren das Erfassen, Sammeln, Auswerten und Verknüpfen von Daten und Bildern immer mehr zugenommen haben.
    Angefangen von der Videoüberwachung (nicht nur) öffentlicher Plätze, Googles WLAN-Datenerfassung, Krankenkassenkarte, neuer Perso, „Internetsperren“, SCHUFA/GEZ, Telefondaten, SWIFT-Abkommen, Scanner am Flughafen, ELENA-Verfahren… die Liste ist endlos.

    All diese Maßnahmen haben mehreres gemeinsam:
    a) es ist als Einzelperson schwer, sich dagegen zu wehren,
    b) es ist nur schwer erkennbar, dass diese Maßnahmen auch (in Ermangelung eines weniger dramatischen Ausdrucks) „vom Volk gewünscht“ sind,
    c) teilweise kommen die Praktiken erst durch Nachforschungen und zur Rede stellen ans Licht (Google-Wlan),
    d) die Gründe für die Durchführung dieser Maßnahmen sind teilweise schwer nachzuvollziehen oder gar hanebüchen („Terrorbekämpfung“),
    e) wer sich dagegen ausspricht, wird leicht stigmatisiert als jemand der „sich nicht so anstellen solle“ oder aber gleich „etwas zu verbergen“ hat.

    Jedes einzelne Thema wäre unter bestimmten Umständen vielleicht „gar nicht so schlimm“, aber die schleichende (und dennoch deutliche) Veränderung hin zu immer mehr „Überwachung“, Sammeln und Verknüpfung personenbezogener und -relevanter Bilder und Daten ist in meinen Augen SEHR bedenklich.

    Insofern merke ich, dass es für mich gar nicht zwingend um den Dienst Google Street View geht, wenn ich Unbehagen und Ablehnung empfinde, sondern mehr um die Empörung darüber, wann diese allgegenwärige Sammelwut denn jetzt endlich mal ihre Grenzen aufgezeigt bekommt.

    Ich spitze mal etwas zu: Google hat sozusagen Pech gehabt, jetzt gerade mit Street View anzurücken, jetzt kriegen sie die Wut derer, denen das Datensammeln grundsätzlich zu viel ist, ab, obwohl in diesem Fall ihr konkreter Dienst vielleicht(!) gar nicht so schlimm wäre.

  27. P.S.: Eins hab ich noch vergessen: Viele Maßnahmen wurden/werden im Opt-out-Verfahren durchgeführt.
    Dass ich mich aktiv darum kümmern muss, _nicht_ in einem System/einer Datensammlung aufzutauchen, um die ich nicht gefragt worden bin (eben auch Google Street View), trägt ebenfalls nicht gerade zum Vertrauen in die genannten Maßnahmen bei.

  28. Google maps + street view ist eine der beste Erfindungen des Jahrhunderts. Überlegt euch mal: Städte ändern sich….es wird also eine Menge neue Jobs entsthen wenn man die Views änern muss. Es wird dann warscheinlich möglich in der Stree View das eigene Laden zu werben….also neue Chancen für firmen…

  29. Ganz einfach; ich will nicht, dass mein Haus bei Google oder Co. auftaucht. Das brauche ich nicht weiter zu begründen. Punkt.

  30. @“Ich will meine Daten Google nicht geben“: hättet ihr euch mal so auf die Hinterbeine gestellt, als es um den Datenschutz vor Vater Staat ging….

  31. Über die japanischen Touristen, die mit ihren Kameras tausende von Photos von deutschen Städten machen, hat sich ja auch niemand aufgeregt … die bringen ja auch Geld.

  32. Warum könnte jemand was dagegen haben, dass ein Fotograf mit einer 2.50 hohen Leiter an jeder Hecke, an jedem Zaun oder an jedes Tor lehnt und den Raum dahinter fotografiert …

    Wo kämen wir denn da hin, wenn Menschen eine Privatsphäre haben möchten, wenn Menschen vielleicht in Ihrem Garten oder auf Ihrer Terrasse nicht fotografiert werden möchten? Selber schuld, oder? Sollen Sie gefälligst in ihrer Wohnung bleiben! Wie spießig ist das denn überhaupt – heutzutage nicht alles mit der Öffentlichkeit teilen zu wollen … fast schon verdächtig.

    Ich fordere jetzt aber auch zukünftig alle Bauten in allen Höhen zu fotografieren … nicht nur bis 2.50 m. Gab es nicht nicht gerade Gerüchte wegen dieser Flugdrohnen, die Google kaufen wollte? Wäre das nicht konsequent?

    Ich möchte schließlich die ganzen Häuser sehen – von oben bis unten! Jedes Fenster und jeden Balkon! Das ist mein gutes Recht – ist doch alles öffentlicher Raum. Wem das nicht passt, der muss halt alle Fenster, Balkons, Terrassen, Gärten etc. mit schwarzen Tüchern abhängen!

    Wo wäre eigentlich die Grenze, bei der die Befürworter sagen würden: Moment mal, das geht jetzt aber zu weit!

    Wenn der Staat die Fotos machen würde? Wenn Google keine Gesichter verfremdet?
    Wenn Google auf den Karten automatisch alle Daten der Hausbebewohner einblendet, die irgendwo zu finden sind?

    Sorry, war natürlich alles nur Polemik. Ich habe natürlich keine echten Argumente. Ich bin halt nur ein kleinbürgerlicher, netzfremder Spießer, der vermutlich irgendwas zu verbergen hat.

  33. Ich verstehe diese hitzige Diskussion mittlerweile nicht mehr. Wir sollten die Entscheidung der Eigentümer akzeptieren. Jeder der seine Burka möchte hat auch irgendein Interesse daran.
    Ich möchte z. B. auch nicht das es Fotos irgendwelcher Art von mir im Netz gibt. Ich lasse mir deshalb aber auch nicht vorwerfen ich zwinge mir eine selbsterlegte Burka auf.
    Ängste? Vielleicht bei einigen, ich nenne es Privatsphäre. Und ich bin froh in einem Land zu leben wo man über Privatsphäre noch bestimmen darf.

  34. @Doodle:
    Der lehnt nicht mit der Leiter am Zaun sondern die Leiter steht irgendwo auf der Straße…

  35. Okay, wenn man davon ausgeht, dass alle Macht vom Volke ausgeht, dann ist das alles doch gar kein Problem. Wenn neue Technik in großem Maße gegen viele Menschen eingesetzt wird, haben sie die Möglichkeit, sich dagegen zu wehren. Das gilt gegenüber Regierungen, Firmen und sogar für Produkte. Habt also keine Angst. Wenn irgendwas schief läuft, rücken wir es eben wieder gerade. Nur Mut! DU bist nicht so hilflos, wie Du glaubst. Hab‘ keine Angst. Habe Mut, Dich Deines eigenen Verstandes zu bedienen. Wenn der Geist dann willig ist, wird sich schon ein probates Werkzeug zur Änderung der IST-Situation finden. Im Vorfeld zu jammern is feige. Ich finde das sollte man wie mit dem Essen handhaben. Probier doch wenigstens einen kleinen Happen. Es wird Dich schon nicht umbringen. Und wenn’s Dir halt partout nicht schmeckt, dann mach Dir halt ’ne Pizza! ;-)

  36. Schön zusammengefasst, wird gleich an ein paar Freunde versendet.

    Vielleicht magst du noch 2 Punkte aufnehmen:
    Häuser zu Forogtafieren ist unser gutes Recht: § 59 UrhG (http://www.gesetze-im-internet.de/urhg/__59.html) und einige wollen es auch durchsetzen: http://www.doodle.com/2ur4ifhm5467puxz
    Ich sehe die Aktion eher kritisch, man sollte es jedem zugestehen sich zu beschweren. Das ist auch Freiheit.

    Es gibt bereits ein „Mini-StreetView“: http://sightwalk.de/

  37. @dasjott

    Ich hatte mir schon gedacht, dass jemand diese polemische Überzeichnung missverstehen würde. Danke für die Bestätigung!

  38. finde den text gut. für mich ist die ablehnung von google street view eine art hexenjagd – ich meine ilse aigner poltert zwar laut gegen facebook und google, bei allen anderen branchen mit großen lobbies hält sie aber schon brav den mund – egal wie notwendig eine verbesserung wäre.

    ich habe street view dieses jahr einmal genutzt, um mir ein hotel in rom anzusehen, dass ich buchen wollte. es war wirklich faszinierend und absolut hilfreich. wenn google dafür im gegenzug meine terrasse samt grill und garten-garnitur ablichten will, können sie es gerne tun.

  39. Die Befürworter stehen auf dem Standpunkt: „Man muss alles machen was man machen kann.“
    Die Gegner sagen: „Nö, muss man nicht.“
    Ich hab noch immer kein gutes Argument gehört, weshalb man nicht „Nö“ sagen darf.
    MM

  40. Da ist immer von der Höhe der Kamera die Rede. Als wäre das problematisch.
    WEr eine 2,1 Meter hohe Hecke oder Zaun hat, dem kann man doch auch mit einer 2,5 Meter hohen Kamera nur wenig anhaben.
    Die Kamera fährt auf der Straße und hat im Normalfall auch nicht mehr einsicht als ein 2,10 Meter hoher Passant.
    Würde ein reisebuss mit fotografierenden Japanern durchfahren wären die evtl. noch höher und die können auch schwenken und zoomen.
    @Hans: Du brauchst keine Begründung, aber du hast kein Recht das dir diese Verweigerung erlaubt.
    Bzw. jeder hat das Recht dein Haus zu sehen, zu fotografieren und das Foto herumzuzeigen.

  41. @MIthrandir:

    Die Japaner, die im Bus an deiner Wohnung vorbeifahren, dürften aber keine Fotos machen.

    Alleine die Begründung gegen StreetView, die Hans gegeben hat, muss ausreichen!

  42. Hallo

    Der Text ist selbst von sehr komischer Argumentation.

    Einerseits ist das Für-Argument, das man sich die Wohngegend schon vorher anschauen kann und sehen kann, ob dort Bäume sind oder ein Supermarkt.
    Anderseits wird das Gegen-Argument „Einbruchsgefahr“ der Gegner mit der tatsache abgetan, das die Bilder Jahre alt sind.

    Dadurch wir das Für-Argument auch nutzlos. Denn was bringen mir Jahre alte Fotos, wenn ich sehen will ob irgendwo ein Supermarkt steht oder Bäume sind?

    Ich verfolge das Argument der veralteten Fotos mal weiter und frage, was bringen überhaupt die ganzen angeblichen Vorteile, das ich mir ein Platz vorher schon anschauen kann, wenn die Fotos so veraltet sind? Ich werde dort evt keine Barrierefreiheit sehen, wo jetzt schon eine ist.

    Was also bringt Google Street View dann überhaupt, wenn doch alle Informationen so alt sind?

    Ich führe hier mal ein Vernünftiges Argument gegen das jetzige Google Streetview an, das auch vom Mieterschutzbund vertreten wird: Die Kameras sind so hoch angebracht das auch Bereiche sichtbar werden, die eigentlich als Geschützt abgesehen wurden.
    Hier kann ich mich nur anschließen. Menschen haben kleine Sichtschutzmauern oder Sichtschutzwände aufgestellt um vor den lästigen Blicken der Fussgänger gefeit zu sein. Und dann kommt Google und schaut einfach drüber. Das geht einfach nicht. Was würden sie denn sagen, wenn Google morgen mit ner Kamera rumfährt die durch Rollläden schauen kann. Argumentieren sie dann auch damit, das die Fotos wenn sie mal im Netz sind alt sind? Oder meinen sie nicht auch, das ein von ihnen geschaffener Schutz ihrer Privatsphäre umgangen wurde und das nciht angenehm ist?

    Zum Schluß fällt mir noch was zum Argument alte Bilder ein. Glauben sie Google wartet extra ein paar Jahre bevor sie die Bilder ins Netz stellen, damit Einbrecher oder andere keien aktuellen Bilder bekommen? Googles Ziel ist es die Bilder möglichst aktuelle zu halten. Oder glauben sie bei google earth werden die Bilder nie aktualisiert?

    Der Frager

  43. nunja, ich arbeite für eine Versicherung. also wenn Fotos für eine Risikobeurteilung benötigt werden, dann doch aktuelle. Und Einbrecher schauen sich immer vor Ort um, alleine schon wegen dem Umfeld um vor ort zu sehen ob und wieviel Personen die Tat bemerken könnten. Streetview ist eigentlich nur für die Touristen (-branche) interessant.
    Hmmm, eine Anmekung zu den Deutschen: eine japanische Touristin wurde gefragt was sie für typisch Deutsch hällt… sie sagte ‚ einen sauberen Hausflur zu putzen ‚
    Nein Spass beiseite….schaut euch mal an was sind echte Ängste und was wird von den Medien aufgeplustert um mit der Angst Geld zu verdienen..
    Wie gesagt, ich arbeite für eine Versicherung, wir leben von den Ängsten der Menschen, also Streetview als Argument für eine Rechtsschutzversicherung ;)

  44. Die Ängste um Google StreetView sind Hausgemacht und wurden meist von den (Print)Medien getrieben. Alle anderen die sich daran beteiligen wollen sich schlicht profilieren, wenn es darum geht zu zeigen, dass man auch mal den Bürger versteht. Unterm Strich geht es einzig um Google selber. Würde StreetView von Apple kommen sähe es eher anders aus.

  45. Na, das geht aber ab hier! Mir soviel Resonanz hatte ich wirklich nicht gerechnet!

    Ich danke allen für die intensive Beteiligung, ganz unabhängig von der jeweiligen Position.

    Jans Erläuterungen zur diffusen Ablehnung von Streetview kann ich sehr gut nachvollziehen, denn auch mir geht vieles gegen den Strich (Gesundheitskarte, Nacktscanner, Swift, Elena, Video-Cams allüberall…).

    Dabei versuche ich aber immer zu differenzieren, wer was wofür sammelt und was damit passiert. Und gerade Streetview bietet eine Menge Nutzen für alle – und ist überhaupt nicht durch staatliche Überwachungsinteressen motiviert, sondern durch Nachfrage (es heißt, aus keinem Land, das noch keine Streetview hat, kämen so viele Nutzer wie aus DE).

    An einigen Kommentaren sehe ich auch, dass Dinge vorgeworfen werden, die längst positiv geklärt sind: Menschen werden total unkenntlich gemacht, ebenso Nummernschilder an Autos – und Klingerschilder kann man auch nicht lesen, wenns nicht grade große Gewerbe-Tafeln sind (die ja gesehen werden WOLLEN). Und austragen lassen kann man sein Haus ja nun auch…

    Ich würde mir so eine Aufregung über die kommende Gesundheitskarte wünschen, wobei tatsächlich geplant ist, alle darauf gespeicherten Patientendaten auf einem zentralen Server zu speichern!

  46. „Ich würde mir so eine Aufregung“

    ja, das ist es…. wir regen gerne auf.
    erstmal Gefühle, dann Argumente und dann das grosse Vergessen weil ein anderes Thema zum Aufregen da ist.

    Also um mal zu sagen was Google eigentlich macht : da fährt ein gut erkennbares Auto die Strassen entlang, einmal alle paar jahre oder so, und macht ein 360 Grad Bild, das fährt nicht jeden Tag und jede stunde dort lang.
    Ich fand es echt lustig als Googlemaps mit Sat-bildern online war, viele mit denen ich sprach dachten das seien life-bilder….haha, google hat zwar viel geld, aber sowas.
    Ich glaube auch, viele die protestieren kaufen sich in ein paar Jahren ein 3D-Navi und sind froh wenn sie die richtige Route anhand der Aufnahmen erkennen.
    Und die Chance dass der Foto-wagen gerade dann vorbeifährt wenn ich im Fenster stehe ist doch gering, denk ich ;)

  47. @Frager: „Oder glauben sie bei google earth werden die Bilder nie aktualisiert?“

    Damit hab ich Erfahrung! Im Jahr 2005 übernahm ich einen Garten in Berlin Friedrichshain, dem gegenüber 2006 eine Druckerei erbaut wurde. Das Luftbild zeigt noch immer den Garten und die Bagger auf noch leerem Grund. Doch der Garten wurde 2007 gekündigt, im Frühjahr 2008 dem Erdboden gleich gemacht und in einen Parkplatz verwandelt.

    Aber noch immer zeigt Google Earth/Maps den Garten… (ich werd‘ noch jetzt ganz traurig, wenn ich daran zurück danke!).

    Heut haben wir August 2010 – die Bilder wurden also seit 4 Jahren nicht aktualisiert.

    Und ja: man bekommt aufgrund dessen nie ein SICHERES Bild aus der Jetztzeit. Wer also konkrete Interessen hat (Einbrecher, Mieter etc.), wird nach wie vor selber hingehen müssen, bzw. erst vor Ort erfahren, ob die View noch stimmt.

  48. „Oder glauben sie bei google earth werden die Bilder nie aktualisiert“

    oh zum Thema aktualisieren von Daten :

    google kauft die Sat-bilder von der NASA, ich habe die adresse fals jemand ein aktuelles Bild sucht ;)… google hat keinen eigenen Sateliten ;)

    Und dieser Kamerawagen, ich meine die bräuchten schon ein paar tausend von denen um wenigstens einmal im Jahr neue Bilder zu bringen, dann müssen die Bilder ja noch zensiert, bearbeitet und gespeichert werden….wir haben immernoch 2010, so schnell geht das alles nicht, und das will google auch garnicht, wofür auch ?

    Ich erfahre jeden Tag wie gedankenlos Leute mit ihren Daten umgehen, nur um 10 euro zu sparen, und das freiwillig…
    Aufklärung tut hier not !!

    Zum Thema Datensammlung von Drückekolonnen oder ähnlichem : also bei uns arbeiten die immernoch mit Gaunerzinken an den Eingängen :o

  49. @Claudia Klinger (Kommentar 26)

    Das finde ich lustig: Um den hübschen Stadtplan von Google nicht zu verschandeln, auf ein Stück Privatsphäre verzichten. Na ja, alles eine Frage der eigenen Werte.

  50. Ich möchte hier nicht auf die einzelnen Details eingehen, warum ich Streetview ablehne, aber auf ein paar Argumentationsmuster, die ich in diesem Zusammenhang immer wieder erlebe.

    1. Wer Google-Streetview (oder andere Tools von Google?) ablehnt ist ein „Netzferner“ – das impliziert: Jeder, der nicht jede digitale Neuerung gut findet, hat auch keine Ahnung von der digitalen Welt.
    Das ist eine sehr anmaßende Sichtweise.
    Nicht jeder, der technische Dinge hinterfragt, will Technik abschaffen.
    Als man in den 80er-jahren – ausgelöst vom Sauren Regen – erstmals über Einführung von Katalysatoren sprach, hieß es auch gleich: „Wollt ihr Kühlschränke und Radios auch abschaffen und zurück in die Steinzeit?!!??“.

    2. Das „typisch Deutsche“. Ich sehe an diesem Argument auch etwas typisch Deutsches, nämlich anderen Ländern, vornweg den USA, zu unterstellen, ein nachahmenswertes Vorbild zu sein. Aber wenn ich mir so die Rate der Todesstrafen dort, den Zustand der Sozialsysteme und den Umgang mit Schusswaffen ansehe (und da gäbe es ein paar Beispiele mehr) – dann finde ich es nicht ganz falsch, deutsche Eigenarten zu besitzen.
    3. Der ständige Hinweis: Es gibt doch schon so viele Orte, wo heute Daten eingegeben und gesammelt werden. Und: Die werden auch vom Staat gesammelt.
    Überspitzt wäre das die Argumentation eines Straftäters, der keine Strafe will, weil andere Straftäter noch frei rumlaufen.
    Und wer sagt überhaupt, dass Streetview-Gegner nicht ebenso kritisch auf Datenklau durch den Staat reagieren?
    4. Der Verweis darauf, wie viele Daten Menschen schon freiwillig überall preisgeben (Beispiele in dieser Kommentarspalte: Facebook, Payback).
    Dann wäre das Argument des Vergewaltigers: „Die Frau hatte doch auch schon mit anderen Sex. Dann darf ich doch auch.“
    Ziemlich gewaltiger Unterschied, den das kleine Wörtchen „freiwillig“ machen kann, oder?

  51. @hulk: ich wäre bereit, auf einiges zu verzichten, wenn das zu einem großen Nutzen für alle führt. Und ich finde das gar nicht lustig, sondern schwer angesagt in einer Welt, in der immer mehr Menschen stets nur an sich denken: Ich, ich, ich, mein Haus, mein Auto, mein Vorgarten, meine Privatsphäre (auch wenn nur marginal tangiert…).

  52. @Frank: Ich sehe keinen Sinn mehr in einem Gespräch, wenn man nur noch „Allgemeines, zu dem Thema oft Gehörtes“ bespricht und sich selber als Person gar nicht mehr einbringt.

    Nur zu einem Punkt: Hier wurde sehr spezifisch über „Netzferne“ gesprochen: Cräcker lebt auf dem Land und kennt tatsächlich viele – ich habe hier schon ZWEIMAL gesagt, dass ich mich auf Leute in Kommentargesprächen anderswo (siehe Link im Artikel) beziehe und diese Kommentierer eher nicht für besonders netzfern halte.

    —————————————

    @all:

    mir scheint, es ist alles gesagt! Etliche lesen schon gar nicht mehr nach, was Andere hier beigetragen haben und für mein Empfinden kippt das Gespräch jetzt definitiv ins Negative. Wenn nun Leute auch noch extra ansagen, dass sie ihre eigenen Gründe NICHT nennen, dann ist es wirklich GENUG!

    Typischerweise entwickeln sich Diskussionen umso eher in eine unangenehme Richtung, je mehr Leute anonym posten. Hier ist das mittlerweise die überwältigende Mehrheit. Ich schließe also jetzt die Kommentare. (Wer mir persönlich etwas mitteilen will, kann mir ja ’ne E-Mail schicken).

    Unter den im Beitrag verlinkten Artikeln finden sich viele virtuelle Orte, wo Ihr in dieser Art fortfahren könnt.
    Viel Spass dabei!