Claudia Klinger am 07. Januar 2013

Zum Jahr der Blogs: Sieben Verbesserungsvorschläge

Vermutlich würde dieser Beitrag mehr Leser finden, würde ich ihn mit „Die sieben übelsten Blogger-Sünden“ oder ähnlich betiteln. Mache ich aber nicht, denn erstens mag ich Blogs, zweitens formuliere ich lieber Verbesserungsvorschläge und drittens wäre es maßlos übertrieben. Es gibt Schlimmeres als die Design- und Text-Defizite, die mir gerade vor Augen stehen, doch sind sie durchaus geeignet, neue Blogleser auf Dauer abzuschrecken.

Alsdenn:

  1. Bitte keine Headlines, die nur dafür da sind, „Klickvieh“ anzuziehen, wogegen der Artikel selbst dann nichts, aber auch gar nichts bringt, das die Überschrift rechtfertigt (manchmal sogar noch kokett explizit ausgesprochen: Ha, diese Headline konntest du nicht ignorieren!). Als Lesende fühle ich mich da einfach verarscht und der Blogger sammelt Minus-Punkte.
  2. Eine lesbare Schriftgröße wäre schön! Die Zeiten von „1024×768“ als meistverwendete Bildschirmauflösung sind lange vorbei. (Sogar in meinem Gartenblog surfen nur 22% der Leser mit einer Auflösung von 1024×1276 und darunter – inkl. mobile). Leider scheinen das manche noch nicht gemerkt zu haben. Ganz schlimm ist es bei jenen Blogs, die schon auf 1024 an der unteren Grenze der Lesbarkeit lagen – da sieht man dann nurmehr „Fliegenschiss“.
  3. Lesbarkeit vor Farbenliebe! Es gibt tatsächlich noch Blogs, die grüne Schrift auf roten Untergrund schreiben – das ist schon fast Körperverletzung. Verbreiteter als diese zum Glück seltenen Ausnahmen ist das beliebte „mittelgrau auf dunkelgrau“ oder umgekehrt. Manchmal zeigt sich das Desaster erst im Kommentarfeld: ich erlebe immer wieder mal, dass ich nicht sehe, was ich schreibe – erst die Markierung/Hervorhebung macht es lesbar. Gruslig und nicht gerade zum Kommentieren einladend!
  4. Eine unmittelbare Reaktion auf einen abgesendeten Kommentar sollte schon sein. So etwas wie „Danke für deinen Kommentar. Ich werde ihn baldmöglichst frei schalten“. Statt dessen lassen nicht wenige Blogs die Kommentierenden im Unklaren, indem einfach nur wieder die Artikelseite angezeigt wird. Da fragt man sich dann: Hat das jetzt geklappt oder ist mein Kommentar ins Nirvana verschwunden? Auch nicht gerade motivierend.
  5. Vor dem Veröffentlichen nochmal durchlesen hilft! Oft fehlen ganze Wörter, Rechtschreibfehler verunzieren den Text, Links führen auch bei aktuellen Artikeln ins Nirvana – all das sind lässliche Fehler, die schon mal passieren können. Sie einfach stehen zu lassen bzw. nicht nochmal zu kontrollieren, zeigt mir als Leserin, dass der Blogger sein Tun nicht wirklich ernst nimmt. Da vertraue ich dann auch dem vermittelten Inhalt nicht unbedingt und zum Stöbern nach mehr regt es erst recht nicht an.
  6. Kein Zwangseinloggen über Dritte: Die Möglichkeit mit „Name/URL“ zu kommentieren, wird leider von vielen Blogs gar nicht mehr angeboten. Man soll mittels Facebook, Google oder Disqus kommentieren, was viele ausschließt, die keinen solchen Account haben oder aber ihre Kommentardaten diesen Diensten nicht auch noch in den Rachen werfen wollen. Zudem sollte ein Backlink/Namenslink zum eigenen Blog schon drin sein, damit Leser auch mehr von einem Kommentierenden lesen können, wenn sie wollen. Gerade der Vernetzungsgedanke sollte in der Blog-Welt wieder mehr Berücksichtigung finden. Ich surfe z.B. immer noch gerne von Blog zu Blog, nicht aber von FB-Profil zu G+-Profil.
  7. Ein eigener Gedanke zum Thema wäre schön, bloßes hinterher Schreiben nervt! Wer z.B. öfter die Blog-Resonanzen auf Rivva.de verfolgt, landet nicht selten auf Blogs, die einfach nur dasselbe kurz anreissen, was im Hauptartikel stand – mit Link dorthin, aber ohne eigene Stellungnahme oder sonstige Vertiefung des Themas. Für solches „Link schleudern“ eignen sich Twitter & Co. deutlich besser. Auf einem Blog ist das eher enttäuschend, insbesondere, wenn man den Erst-Artikel gelesen und auf „weitere Diskussion“ gehofft hat.

Als das Web noch in den Kinderschuhen steckte und man auf jeder Webseite mit der Maus nach unter Grafiken versteckten Links suchen musste, gab es noch keine User-Erwartungen, also auch keine Enttäuschungen, wenn etwas nicht gleich verständlich und einfach nutzbar war. Das ist heute anders, deshalb gelten Blogs vielen nicht ganz so Netz-affinen Lesern als „zu kompliziert“. Dagegen können wir aber etwas tun, indem wir unsere Blogs immer mal wieder Test-Usern zeigen, die nicht zum direkten Umfeld der Stammleser gehören. Finden sie sich zurecht? Würden sie auf diesem Blog kommentieren oder gerne erfahren, wenn es einen neuen Artikel gibt? Wenn nein, warum nicht? Über die Jahre schleicht sich Betriebsblindheit ein, der so immer mal wieder entgegen gewirkt werden kann.

Ich nehme mich aus der eigenen Blog-Kritik nicht aus und werde 2013 nutzen, alle meine Blogs in diesem Sinne zu checken und sie erforderlichenfalls wieder auf einen aktuellen Stand bringen. Nicht nur unter der Haube, sondern auch in Bezug auf das Theme: mehr Support für unterschiedliche Bildschirmgrößen und Auflösungen stehen da ganz vorne in der Liste der ToDos.

Wer mag, ist übrigens herzlich eingeladen, die Liste der Verbesserungsvorschläge in den Kommentaren zu ergänzen!

Diskussion

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10 Kommentare zu „Zum Jahr der Blogs: Sieben Verbesserungsvorschläge“.

  1. Liebe Claudia,

    hab diesen Artikel gerade über Twitter bekommen und danke Dir sehr! Das sind schöne Punkte, die Du aufzählst. Kannte bisher diesen Blog von Dir gar nicht, so dass ich den nun mal durchstöbern werde. Deinem wilden Gartenblog folge ich ja nun doch schon eine Weile – toll, eine weitere Seite an Dir kennenzulernen.

    Magst mir vielleicht noch verraten, wie Du das mit den Share-Buttons gelöst hast?

    Alles Liebe,

    Michael

  2. Liebe Claudia,

    mit Punkt 3 meintest du mich auf http://www.buchbestattung.de ;=)

    Ich habs korrigiert, war eine Gewalttätigkeit des WordPress-Themes…

    Gruss, Connie

  3. @Michael: das ist ein Code, von dem ich nicht mehr weiß, woher ich ihn habe – auf Wunsch schick ich ihn dir per Mail.

    Aber mittlerweile gibts da auch ein Plugin:

    http://wordpress.org/extend/plugins/2-click-socialmedia-buttons/

    Freut mich, dass dir das Blog hier auch gefällt!

    @Connie: ja, du hast mich dankenswerterweise inspiriert, sofort diesen Artikel zu schreiben!

  4. Liebe Claudia,

    gerne nehme ich das Script – meine Email-Adresse siehst Du ja…

    Das Plugin kenne ich – Deine Lösung gefällt mir aber optisch besser.

    Alles Liebe,

    Michael

  5. Ich stimme größtenteils zu – quite full ack!

    Bei Punkt 3 bin ich nicht ganz sicher. „Große Schrift“: ja, aber… 22 Prozent sind immerhin mehr als eine(r) von fünf. Ich würde sagen, da braucht man eine Lösung, die beide Seiten (insbesondere auch die größer werdende Gruppe der Mini-Smartphone-User) befriedigt.

    Und nun zu meinem Punkt 1: Ich habe mir angewöhnt Overlay Werbung (also diese beknallten Banner, die sich direkt über den Content legen und bei denen man raten muss, wie man den Quatsch wieder los wird) …

    *ok, cool down*

    … also, ich habe mir angewöhnt Sites mit Overlay Werbung sofort aus meinem Newsreader zu entfernen.

    Mein Punkt 2.: gekaufte Artikel:
    Passiert gerade wieder gehäuft in der Garten-Blogospäre. Auch Blogs mit offensichtlicher Schleichwerbung fliegen bei regelmäßig aus dem Reader.

    Beides sind für mich Todsünden. Die fliegen aus dem Reader, manchmal lösche ich alle Links von meinen Sites und wenn ich ganz böse bin, dann trage ich eine sinnvolle Weiterleitung in meine hosts-Datei ein ;-)

  6. Ich würde ja gerne schreiben: was für selbstverständliche Punkte! ;-) ABER: leidgeplagt weiß ich: sind sie eben doch nicht.

    Mein „todo“-Punkt ist noch das anbieten von html5-Videos neben Flashvideos. (Natürlich nur, wenn man überhaupt Videos anbietet ;-))

    Bisher ist mir das, ich gebe es zu, noch zu mühselig, aber da muß ich mal ran: denn viele Tablets haben gar keine Flashunterstützung mehr.

  7. Liebe Claudia,
    Zustimmung für alle Punkte – außer dem letzten. (Hab deshalb auch mal als Beispiel unser Bibliotheks-Blog verlinkt, das ein reines Info-Blog ist.) Ich versuche, möglichst überhaupt keine Meinungen und eigenen Gedanken darin unterzubringen, sondern einfach nur für eine bestimmte Gruppe von Leuten, die selbst nicht viel im Netz herumstöbern und denen daher vieles entgeht, ein paar Informationen und Links zusammenzustellen. Ich möchte damit auch anregen, sich die verlinkten Blogs oder Portale über den einen Artikel hinaus auch sonst näher anzusehen. Wenn da Meinungen von mir in größerem Maße drin stünden, wäre das dem Anliegen eher abträglich. Das eigene Profil des Blogs entsteht daher praktisch nur durch die Auswahl der veröffentlichten Links.
    Durch Twitter kann man das nicht ersetzen: Da würde meine Zielgruppe sowieso nicht reinschauen und es wäre zu wenig Text: denn ich muss ja schon irgendwie rüberbringen, was hinter dem Link so in etwa zu finden ist.
    Sicherlich ein Spezialfall, aber jedenfalls verfolge ich selbst auch einige solcher Blogs mit Interesse. Wenn auch mit einer anderen Art von Interesse als ich es für andere Arten von Weblogs (z.B. Deine) hege.
    Herzlicher Gruß an Dich und Deine Leser/innen!

  8. @Ruth: ok, sehe ich ein – auch „Linkschleuder-Blogs“ haben in diesem Sinne ihre Berechtigung. Ich dachte eher an das „Rivva-Spiel“: schnell mal auf einen Beitrag verlinken, der dort auftauscht, dann wird man dort alsbald als Blog-Resonanz verlinkt. Die vermisse ich dann aber heftig, wenn ich auf solchen Blogs lande…

    Danke an ALLE für die Kommentare! In Zeiten von Social Media freue ich mich, wenn sich noch jemand die Mühe macht, auf Blogs zu kommentieren!

  9. Check: Mein Blog siebenmal besser machen…

    Claudia Klinger schreibt im WebWriting-Magazin Zum Jahr des Blogs: Sieben Verbesserungsvorschläge. Nun, dann mache ich gleich den Check in meinem Blog. Bitte keine Headlines, die nur dafür da sind, “Klickvieh” anzuziehen Schaue ich mir meinen letzte…

  10. Ich finde, da fehlt noch der Punkt »Ungekürzte Feeds«.