Claudia Klinger am 25. Januar 2011

Einen digitalen Radiergummi kann es nicht geben

Es wundert mich immer wieder, dass Menschen viel Arbeitszeit und Hirnschmalz in die Entwicklung von Ideen investieren, die komplett chancenlos sind, jemals zu funktionieren. So etwa der „digitale Radiergummi“, der ins Netz gestellte Bilder nach Ablauf einer „Laufzeit“ automatisch zerstören soll.

Das Programm „X-pire“ integriert sich als Plugin in den Browser. Will man ein Bild verschlüsseln, muss man es per Plugin auf der Festplatte suchen und einen Zeitraum einstellen. Sodann kann man es uploaden, allerdings nicht überall, sondern nur auf privaten Webseiten, auf Facebook, Flickr und wer-kennt-wen.de. Will jemand das Bild ansehen, muss auch dieser User das Plugin besitzen (!). X-Pire nimmt Kontakt zum Firmenserver auf, checkt die Laufzeit und gibt das Bild frei. Ist es „abgelaufen“, bleibt es schwarz.

Umständlich und auch noch kostenpflichtig

Zusätzlich zu all diesen Hürden ist das Plugin auch noch kostenpflichtig. Ein Dreimonatsabo kostet 6,99 Euro. Und wer es integriert und nutzt, übermittelt natürlich alle für die Entschlüsselung nötigen Daten an den Firmenserver. Auch nicht unproblematisch.

X-Pire soll Menschen, insbesondere Jugendliche davor bewahren, in fernerer Zukunft soziale Probleme wegen kompromittierender Bilder zu bekommen. Aber im Ernst: wer schon beim Upload denkt, dass ein Bild später mal ein Problem sein könnte, kann den Upload eigentlich auch gleich lassen! Und sooooo groß ist mein Interesse an Bildern nun auch nicht, dass ich mir ein kostenpflichtiges Plugin zulege, um mit irgendwelche privaten Schnapschüsse anschauen zu können.

Keine technische Lösung kann Medienkompetenz und soziale Kompetenz ersetzen – das ist nun einmal so und ich meine fast, das ist gut so.