Claudia Klinger am 24. März 2015

Erste Abmahnung wegen FB-Share-Button – Gefahr für Blogger

Wie Rechtsanwalt Christian Solmecke berichtet, ist eine Fahrschul-Inhaberin wegen des Klicks auf den Teilen-Button einer BILD-Zeitungsmeldung abgemahnt worden. Der Artikel beinhaltete ein Foto, dessen Fotograf es gar nicht gut fand, dass er auf dem per Facebook-Button geteilten Bild als Urheber nicht mehr genannt war. Also mahnte er ab, mit dem Erfolg, dass sich die Betroffene im Rahmen eines Vergleichs auf die Zahlung von 500 Euro einließ.

Anders als beim eigenständigen Posten von Links auf Facebook hat man beim Teilen-Button auf Blogs keinen Einfluss auf die Art, wie ein etwa enthaltenes Foto wiedergegeben wird.

Im Artikel heißt es weiter:

Für die Blogbetreiber besteht eine große Gefahr“, warnt Solmecke, „diese dürfen den Share Button nur anbringen, wenn die zum Teilen vorgeschlagenen Bilder auch mit so weitreichenden Lizenzen versehen worden sind, dass sie in den sozialen Netzwerken weiter verteilt werden dürfen. Konkret sollten die Betreiber von Internetseiten sich von Fotografen also die entsprechenden Rechte vorher einräumen lassen, etwa dadurch, dass im Lizenzvertrag geregelt ist, dass die eingekauften Bilder auch in den sozialen Netzwerken (die möglichst konkret benannt werden sollten) verwendet werden dürfen. Gleiches gilt für den Einkauf von Bildmaterial über Stock-Fotografie Datenbanken. Außerdem müssen die Blogbetreiber dafür sorgen, dass die Urhebernennung im Artikel so platziert wird, dass diese auch beim Teilen in den sozialen Netzwerken noch sichtbar ist.“
(Quelle)

Doch nicht nur die Blogger sind in der Pflicht, auch die User, die den Teilen-Button drücken, müssen mit Abmahnungen rechnen, da sie es sind, die den Inhalt „öffentlich verbreiten“. Man müsste also bei jedem geteilten Artikel vorab checken, wie die Bildrechte-Lage ist – für User/Leserinnen völlig unmöglich!

Niggemeier relativiert – beruhigt aber nicht!

Stefan Niggemaier sieht die Pressemeldung bezüglich der Abmahnung für einen Facebook-Share-Button als einen Meilenstein der Anwalts-PR. Er pocht darauf, dass schließlich noch kein Gerichtsurteil dazu vorliege, da die Streitparteien sich verglichen hätten. Zudem zeigt er auf, wie oberflächlich und teilweise inhaltlich falsch diverse Presseorgane das Thema aufgenommen haben. Er schreibt:

„Alles in allem: Ein großer Erfolg für Christian Solmecke. Also, juristisch vielleicht nicht — beide Seiten haben sich ja verglichen, und ob die Forderung des abmahnenden Fotografen überhaupt vor einem Gericht Bestand hätte, ist gar nicht geklärt. In den Kommentaren unter dem „Meedia“-Artikel räumt Solmecke ein, dass noch nicht einmal feststehe, „ob das Foto überhaupt jemals mit Zustimmung des Rechteinhabers online gestellt worden ist“, dass also schon die Bild.de-Veröffentlichung urheberrechtswidrig war. „

Egal wie: die Gefahr bleibt und ist real. Wer irgendwelche Artikel mit Fotos per FB-Button teilt, kann abgemahnt werden, wenn der Fotograf nicht sichtbar benannt ist – in den kleinen Vorschaubildern praktisch unmöglich. Wie dann ein Gericht entscheidet, werden wir erst wissen, wenn es jemand auf sich nimmt, so eine Streitigkeit dann auch vor Gericht verhandeln zu lassen, anstatt gleich auf die Abmahnung hin zu zahlen oder sich sonstwie zu einigen.

Internet nurmehr für Big Player

Mehr und mehr machen solche Vorkommnisse klar, dass Publizieren im Netz so gefährlich und kompliziert gemacht wird, dass sich das nurmehr die Big Player leisten können:

„Internetnutzern kann man daher nur raten, den Teilen-Knopf nur auf bekannten Webseiten zu drücken. Hier besteht am ehesten die Wahrscheinlichkeit, dass die Rechte ordentlich eingeholt worden sind. Außerdem gibt es im Abmahnfall einen solventen Ansprechpartner, bei dem der einzelne Nutzer Regress nehmen kann.“

Sprich: Passiert die Urheberrechtsverletzung auf einem Blog ohne großen finanziellen Background, kann ein evtl. wg. Teilen abgemahnter User den Blogger zwar evtl. wegen ungeklärter Bildrechte in Regress nehmen, wird aber vielleicht nur viel Ärger haben und auf den eigenen Anwaltskosten sitzen bleiben, wenn da einfach nichts zu holen ist. Daher rät der Anwalt, auf kleinen Seiten und Blogs eben gar nichts per Button zu teilen…

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