Claudia Klinger am 15. Juli 2011

Brandrede für freie Pseudonym-Nutzung auf Google+

Diesen Artikel hat plomlompom aka „Christian Heller“ zur uneingeschränkten Weiterverbreitung frei gegeben. Da ich seine Argumente wichtig finde, übernehme ich seine „Brandrede“ auch ins WWMAG.


plomIch ändere meinen Profilnamen bei Google+ jetzt von meinem Personalausweis-Namen in meinen selbstgewählten Netz-Namen um. Ich würde mich freuen, wenn sich mir viele anschließen. Ich würde mich aber auch schon freuen, wenn ihr diese Begründung weiterverbreitet.

Ich habe die Schnauze voll von der Gutsherrenart, mit der Google bestimmt, wie wir uns hier nennen dürfen oder nicht. Fleißig werden Nutzer suspendiert, weil sie es wagen, sich einen anderen Namen zu geben als einen bürgerlich klingenden. Anale Fixiertheit auf „Realnamen“, also auf die Unfälle in unseren Personalausweisen, dieses Verweisen auf staatliche Identitäts-Zertifikate, das war schon das außerordentlich Obrigkeitshörige, was mir im de-Usenet auf die Eier ging. Unsere Sozialräume im Netz sollten mehr sein als nur Erfüllungsgehilfen staatlicher Ordnung, und dasselbe gilt für die Namenswahl.

Es geht mir hierbei nichtmal um Anonymität. Wer mich kennt, weiß, dass ich Privatsphäre eh für ein Auslaufmodell halte. Google kann gern alle meine Daten haben und sich daraus zusammenkorrelieren, was es will, mir doch egal. Aber das gibt Google noch lange nicht das Recht, mir vorzuschreiben, wie ich mich nenne, mit welchem Namen ich mich Anderen vorstelle, was ich in mein Selbstbezeichnungsfeld schreibe.

Nicht nur eine Frage des Hausrechts: Welches Google+ wollen wir?

Oh, aber Google hat doch Hausrecht, ist doch ein privates Unternehmen, kann doch selber seine Spielregeln bestimmen — geh halt woandershin, wenn’s dir nicht passt? Da scheiß ich drauf. Google ist ein Infrastruktur-Riese im Netz. Google ist nahezu unumgänglicher Teil unseres digitalen Lebensraums. Um einen großen Philosophen zu zitieren: „With great power comes great responsibility.“ Wenn Google uns Förmchen vorgibt, in die wir uns einpassen sollen, um Google zu nutzen — dann setzt Google einflussreiche Normen und Präzedenzfälle. Schon jetzt drängt aus meiner Sozial-Blase ein erheblicher Trek aus anderen Diensten hierher und macht das hier zu seiner neuen Agora.

So wird das „Hausrecht“ von Google, also sein vermeintlich privates Recht, zum Formgeber der Netz-Öffentlichkeit — also zu einer politischen Frage, die sehr viel mehr Leute angeht als nur die Aktionäre von Google.

Google+ ist als sozialer Raum noch klein, winzig verglichen zu Facebook. Facebook ist ein quasi-staatlicher Riese im Web, setzt Normen, zensiert, suspendiert Profile, feudalisiert rum — und hat inzwischen soviel Macht, dass ihm Fehlverhalten kaum auszutreiben ist. Lass mich etwas utopisieren: Google+ könnte ein Gegen-Entwurf werden. Eine offenere Gesellschaft, deren Strukturen darauf ausgerichtet sind, die eigenen Nutzer zu empowern, statt sie der Willkür einer Chef-Etage zu unterwerfen. Das aber geht nur durch offene Strukturen, die Nutzern größte Freiheit in ihrem Umgang mit dem Dienst gewähren — das reicht von offenen APIs für das Rein und Raus von Nachrichten bis, ja, zur Freiheit, in die Eingabefelder zu schreiben, was man will, ohne Zensur oder Profil-Löschung zu fürchten.

Die Weichen für eine solche Entwicklung stellt man nicht, wenn der Dienst auf 700 Millionen User gewachsen ist, sondern ganz am Anfang. Mag sein, dass Google noch nicht die Zeit hatte, jede technische Spielerei zu implementieren, die sich die Geeks wünschen — geschenkt. Aber schon während der Eröffnungsrede rundherum Profile löschen, weil sie nicht in ein enges Raster der Erwünschtheit passen — das ist sicher kein guter Start in die Offenheit und verdient den Stinkefinger.

Bin ich vielleicht naiv in meinen ethischen Forderungen an ein Aktienunternehmen im Kapitalismus? Mag sein. Aber hey, Google hat angefangen mit den vollmundigen Versprechungen von „do no evil“ und ist sichtlich bemüht, in Fragen wie z.B. China als moralische Instanz aufzutreten. Und ich glaube, dass wir im digitalen Zeitalter gerade ein großes Durcheinander und Erodieren von Ordnungen erleben, und das schließt die kapitalistisch-staatliche mit ein. Ich gebe also, zumindest in einem Teil meines Kopfes, Google den benefit of doubt, mehr sein zu können als nur Geldmaschine. Aber das muss es auch beweisen, indem es sich selbst als politischer Körper öffnet und Freiheiten gibt, statt sie zu nehmen.

Eine kleine Geste

Meine lächerliche kleine Geste, dies einzufordern, besteht darin, meinen Profilnamen vom meiner Personalausweis-Bezeichnung „Christian Heller“ umzuändern in den Namen, den ich als Selbstbezeichnung im Web bevorzuge: „plomlompom“. Das mag man als Solidarität mit den Usern interpretieren, die auf ihre Anonymität angewiesen sind — und wer das eine gute Geste fände, der sollte sie selber ausführen –, aber mein Beweggrund ist viel egoistischer: Ich will selbst wählen dürfen, wie ich mich in einem Dienst bezeichne.

Wenn ihr, werte Leser, es auch widerlich findet, wie Google+ die freie Namenswahl gängelt, dann schlage ich vor, dass ihr es genauso macht: Gebt statt eures Personalausweis-Namens im Profil einen erkennbaren Nickname an. Mal schauen, wie lange es dauert, bis Google+ all unsere Accounts suspendiert. Dann war es der Dienst wahrscheinlich eh nicht wert und wir können uns was Besseres suchen oder selber bauen: Yay! Aber vielleicht überrascht Google uns auch und macht die Situation auf erbauliche Weise komplizierter.

Mit freundlichen Grüßen,
plomlompom aka „Christian Heller“,
Septidi, 27. Messidor des Jahres 219

P.S.: Man mag es mir als inkonsequent ankreiden, dass ich meinen bürgerlichen Namen hier abstreife, ihn aber bei Facebook lasse. Na vielleicht mach ich da zu einem späteren Zeitpunkt das Gleiche. Aber ich finde es hier viel wichtiger als bei Facebook, denn Facebook ist eh schon Nordkorea und kaum reformierbar. Bei einem so jungen Dienst wie Google+ dagegen glaube ich, dass sich durch Verhaltensdruck noch Einiges ändern lässt.

(Diesen Text gebe ich für jede Form der Weiterverteilung, der Übersetzung, des richtigen oder fehlerhaften Zitats, des politischen Ge- und Missbrauchs, des Umschreibens und Korrigierens in Analyse und Forderungen, der Verballhornung usw. usf. frei. Eine autorisierte Version, nicht löschbar durch Google, lagere ich kommentierbar unter http://www.plomlompom.de/PlomWiki/plomwiki.php?title=PseudoFest in meinem Wiki.)

Diskussion

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16 Kommentare zu „Brandrede für freie Pseudonym-Nutzung auf Google+“.

  1. Ich habe überhaupt nichts dagegen, wenn ich meine Meinung unter meinem Namen sage. Und ich erwarte ehrlich gesagt auch mehr Meinungen von Leuten unter ihrem Namen und nicht von Bruce Wayne, Micky Mouse oder Arno Nym. Wer meint sich so präsentieren zu müssen, muss auch damit leben, wie ich ihn einschätze … Aber das wird er gut können.

  2. Er schreibt doch, dass es ihm nicht einmal um Anonymität geht. Sondern um das Recht, sich auch auf G+ so nennen zu dürfen, wie er sich immer schon im Netz genannt hat und wie ihn die Leute kennen.

    Ein ähnlicher Fall ging neulich rum da wurde ein Musiker gesperrt, der jedoch aller Welt NUR unter seinem Künstlernamen bekannt war…

    Im Übrigen hat auch Anonymität eine Berechtigung – aber darum geht es in diesem Streit nicht wirklich.

    Sondern darum, ob wir alle bereit sind, jegliche mediale Äußerung und Action schon gleich unter unserem Realnamen für alle Zeiten „verdaten“ zu lassen = äußerst bequem für die Interessenten an unseren Nutzerprofilen. Sowohl jenen aus der Werbewirtschaft, aber – wer weiß schon, was morgen ist – auch bequem für Interessenten aus Behörden verschiedenster Art und unterschiedlich motivierte private Schnüffler.

    Zu guter letzt steht im Telekommunikationsgesetz die Pflicht der Dienste-Anbieter, im Rahmen des Möglichen anonyme Nutzung zu gewährleisten. Passt dazu das Löschen von pseudonymen Profilen, noch dazu, wenn es auch gleich andere, von denjenigen bis dahin problemlos genutzten Google-Tools umfasst?

  3. Nach der ausführlichen Diskussion auf Google+ bin ich der Meinung, Google sollte es so machen, wie es in WordPress-Blogs implementiert ist; Man gibt alle Namen an, Klarnamen UND Pseudo – und kann dann bestimmen, was nach außen angezeigt wird. Damit wäre das Problem der bekannten Pseudos gelöst – und wer anonym bleiben will, nutzt eh einen Namen wie Klaus Müller.

  4. Es ist traurig, dass so viele Menschen vergessen haben, wie wichtig es für eine Demokratie ist anonym bleiben zu können.

  5. Es ist traurig, dass so viele Menschen vergessen haben, wie wichtig es für ein vernünftiges Miteinander ist, sich an die Regeln des Hausherrn zu halten – oder zu gehen.

    Google hat nichts, aber auch gar nichts, mit z.B. anonymen Wahlen oder Demokratie zu tun. Und das ist gut so! Schade und bedenklich ist, dass es offensichtlich Menschen gibt, die das vermengen.

  6. Es ist traurig, dass die Menschheit immer noch nicht begriffen hat, was wirkliche Freiheit bedeutet geschweige denn damit umzugehen.

    Schon allein das Wort „Hausherr“ gehört ins vorvorige Jahrhundert. Und wenn schon ein großer Komponist wie z.B. Johann Sebastian Bach Bauchschmerzen sowohl mit seiner geistlichen als auch seiner höfischen Obrigkeit hatte, dann nur, weil er in seinem Denken seiner Zeit weit voraus war und ganz wesentliche Dinge einfach begriffen hat.

    Menschen seines Schlages brauchen wir. Warum nur sind sie in jeder Generation so selten?

  7. @suedelbien Wenn Du bei mir zu Hause zu Besuch wärst, und ich würde wollen, dass Du die Schuhe ausziehst bevor Du auf’s Parkett gehst, was glaubst Du wie ich reagiere wenn Du mir mit persönlicher Freiheit kämst? Mein Haus, meine Regeln.

    Wenn Du Dich bei Google+ anmeldest, weisst Du um die Regeln des Betreibers Bescheid. Das hat nichts mit Freiheit oder Demokratie zu tun. Du hast die Freiheit, Dich bei Diaspora oder Facebook anzumelden, die kicken (noch) keine Pseudonyme. Du hast sogar die Freiheit, soziale Netzwerke soziale Netzwerke sein zu lassen und im Sandkasten zu spielen.

  8. @Andreas, dieser Besuch bei dir wäre mein erster und mein letzter. Ganz einfach.
    Zu den Netzwerken, die nicht annähernd vergleichbar sind mit einem privaten Haus, ist alles gesagt worden.
    Zur Freiheit: Sie ist mehr als nur das tun zu dürfen, was einem aus äußeren Zwängen heraus übrig bleibt.

  9. @suedelbien Wenn Dir das bei mir zu Hause so klar ist, warum ist es in einem anderen Haus für Dich so schwer zu verstehen?

    Und ehrlich gesagt habe ich zu einem Netzwerk noch nicht ein stichhaltiges Argument gehört. Auch von Dir hier nicht.

  10. @Andreas, das macht auch nichts. Es liegt nicht in deiner Zuständigkeit zu beurteilen, was ich verstehe und was nicht. Ich habe eine andere Sicht als du. Ich vergleiche ein Netzwerk nicht mit einem Haus, so wie du. Von deinem Standpunkt aus kannst du nicht die Dinge so sehen, wie ich sie sehe.

  11. @suedelbien Sowenig es in meiner Zuständigkeit liegt, zu beurteilen was Du verstehst oder nicht, steht es in Deiner Zuständigkeit zu beurteilen, inwieweit mein Haus mit dem Netzwerk von Google vergleichbar ist. Überraschenderweise haben wir also die gleichen Rechte und Zuständigkeiten. Faszinierend!

    Plötzlich merkst Du, was Freiheit ist. Zum Beispiel habe ich die absolute Freiheit, zu beurteilen ob Du etwas verstehst oder nicht. Cool, oder?

  12. Es steht dir frei von mir zu halten was du willst.

  13. Liebe Leute, eigentlich ist es auf meinen Blogs üblich, wertschätzend und respektvoll miteinander umzugehen, auch wenn man gegenteiliger Meinung ist!

    Ist aber meine Schuld, denn ich war übers Wochenende „nicht hier“, um auch mal was zu sagen, was evtl. zu einer besseren Atmosphäre beiträgt.

    Inhaltlich bin ich selber auch sehr erstaunt, dass Andreas allen Ernstes das Mega-weltumspannende Google-Versum mit einem „Haus“ und „Hausrecht“ vergleicht. Wer so sehr wächst, dass die je eigenen „Räumlichkeiten“ zum Quasi-Standard öffentlichen Miteinanders werden, handelt sich damit auch gewisse Verantwortlichkeiten ein.

    Und Google hat ja sogar ANSPRÜCHE an sich selbst in dieser Hinsicht – z.B. was moralisches Handeln und den Umgang mit hohen Werten wie „Demokratie“ angeht.

    Und wann, wenn nicht AM BEGINN eines neuen Google-Raums (der um zu funktionieren ja die Akzeptanz der User braucht) sollte denn interveniert, gefordert, diskutiert werden?? Schließlich ist das noch BETA und jede Art Feedback ist erwünscht.

    Sollte Googles Versprechen, besser/anders als FB zu agieren, sich nicht halten lassen, wird auch G+ schnell das Schicksal von Buzz und Wave teilen – nicht ALLEIN wegen der Pseude-Frage, aber auch.

    Evtl. wird das Problem ja auch durch die kommenden „Seiten“ entschärft – und wer ein Pseudo als Marke hat, kann sich dann sO anmelden.

  14. In meinem Blogger-Dasein habe ich mich auch schon mehrmals zum Thema Pseudonym geäussert, weshalb wenig Lust besteht dies erneut zu tun. Die Fronten stehen dabei immer ziemlich unverrückbar fest. Aber es geht um Google, deshalb ein frisches Posting. @Andreas hat so grosses Verständnis für Google, doch selbst sein Beispiel mit den Hausregeln überzeugt nicht, weil es bei allen Regeln immer eine gewisse Anwendungsflexibilität gibt, wenn es um eine Geschäftspartnerschaft auf Augenhöhe geht. Bei allen beteiligten Parteien natürlich und dies gehört zum Leben.

    Zurück zu Google+. Mit dem Zwang zu Realnamen scheide ich bereits als Testnutzer – und damit als möglicher Endnutzer – aus. Der Grund dafür. Google und Facebook ignorieren jedes Datenschutzgesetz, bis sie durch den Gesetzgeber dazu gezwungen werden und danach starten sie eine neue Variante. Ihr Geschäftsmodell setzt auf den kostenlosen Zugang und die kostenlose Verwertung von allen Daten und Datenspuren die ein User hinterlässt. Mit solchen Konsumentenbildern lässt sich Geld verdienen und in der Zukunft gemäss Google Projektion noch sehr viel mehr. Pseudonyme sind sehr hinderlich oder gar wertlos um damit Geld zu verdienen. Ständige unverlangte Werbung will ich auch nicht erhalten. Letztlich vermutlich sogar – oh Wunder – direkt in der Mailbox, obwohl Google und Facebook schwören würden, dass sie dafür nicht verantwortlich sind.

    Da ich keine Werbung will und mein anonymes gmail Account dafür nicht taugt, werde ich wohl keinen Zugang zu Google+ erhalten.

    Die nächsten denkbaren Zwangsschritte von Google könnten die zwangsweise Erhebung vom Geburtsdatum, Beruf und die ersten drei Hobbys sein. Solche Community User Daten lassen sich prächtig verwerten, denn dann schenkt Google-Werbung ein.

    Wirklich anonym bin ich nicht im Netz unterwegs. Selektiv aber unbürokratisch wird das Visier gegenüber aktiven Netzteilnehmern gelüftet, bei gegenseitigem Interesse.

    Für geschäftliche Interessensverfolgung findet man mich unter Realnamen bei Xing und Linkedin. Weshalb sollte ich daher auch noch bei Google+ sein, wo es „nur!“ um Freizeitspass geht ?

    Google hat Marktmacht, aber mit der Klarnamenvariante stürzt man Facebook nicht vom Thron. Nein man wird sehr weit weg von Facebook landen. Für Realnamen gibt es wie gesagt Xing und Linkedin und die sind seither wenigstens nicht durch Datenklaugeschichten aufgefallen.

  15. Hallo Relax, hab Dank für dein ausführliches Statement, dass du trotz großen Gähnens über das Thema hier der Welt und mir hinterlässt! ;-)

    Ich verstehe dich gut, bedauere aber, dass du wirklich meinst, als Konsequenz „draussen bleiben zu müssen“.

    Das muss nicht sein – und anscheinend gehen mittlerweile viele davon aus. Ich sehe immer mehr Pseudos, nicht weniger! Viele ganz offensichtliche, andere sind nur leichte Varianten bekannter Namen. Für jeden Algo unerkennbar….

    Google scheint nicht mehr zu sperren, bzw. es wurden Sperren auch wieder aufgehoben. Der kämpferische Namens-Dissident plomlompom plomlompom ist durchweg erreichbar…

    Die „Vorschriften“ bzw. Community-Guidelines haben sich, soviel ich weiß, nicht geändert – das Pseudonymwesen wird also einfach geduldet…. vorläufig.
    Auch „zu früh gekommene“ Accounts von Unternehmen sind ja zunächst entdeckt, dann gesperrt, dann breiter diskutiert, entsperrt und dann geduldet worden… vorläufig.

    Alles, was du schreibst, ist im Prinzip richtig, verfehlt aber das Wesentliche. Nämlich den Grund, warum man sich an der Entwicklung großformatiger sozialer Kommunikationsstrukturen beteiligen sollte (wenn einem die Welt etwas bedeutet): es geht immer auch um das Erbauen des „Betriebssystems“ für eine demokratischere und diskursivere Weltbürgerkommunikation, um ihre Organisation und Konventionen.
    Google+ fügt dem bisher vorhandenen WESENTLICHES hinzu – es ist das bessere Twitter, ist Facebook für Erwachsene, ist die Zusammenführung etlicher anderer, schon vorhandener GoogleTools mit „sozialen Komponenten“ – und es ist bei weitem nicht so „dicht“ gegenüber dem offenen Web wie FB. (Auf meinem Profil kann man z.B. sehen, was ich als letztes mit der Öffentlichkeit „geteilt habe“. Und es ist auch einzeln abrufbar ->Beispiel)

    Ja klar, es gibt diese auf „unsere“ Bewegungsdaten gerne zugreifenden Werbe-Interessen – na und? Die meisten wissen das und man akzeptiert bis zu einem gewissen Grad den Deal „kostenlose Nutzung“ gegen „Datennutzung zu Werbezwecken“.

    Google ist bisher dadurch aufgefallen, dass man fast überall Werbung wegschalten kann (GMail) oder gar nicht erst angeboten bekommt (GoogleDocs,News, Buzz, G+…). Immerhin ein deutlich angenehmeres Umfeld als bei der Konkurrenz.

    Mir ist im übrigen eine zielgenau auf meine aktuellen Interessen passende Werbung tatsächlich lieber als dieses Gießkannen-gestreute Allerlei im Briefkasten früherer Jahrzehnte. :-)

    Gegen ungewollte/nervige Werbung kann man sich ja auch ganz persönlich schützen, womit das Thema dann abgehakt ist. Und man zum Eigentlichen kommen kann: zum großen Gespräch der Vielen mit den Vielen…

    Ich ufere aus! Und sollte das besser als neuen Artikel schreiben, etwas stringenter..

    Für heute aber gute Nacht! :-)

  16. UPDATE; Die Realität überholt meinen letzten Kommentar: Plomplomplom und viele andere Pseudos sind in den letzten 2 Tagen gesperrt oder gelöscht worden.

    Angeblich soll es später eine Möglichkeit geben, eine „Seite“ bzw. ein Unternehmen anzumelden, was dann auch DIE Möglichkeit für Pseudos sei.

    Ich finde Googles Vorgehen falsch! wer aber wirklich ANONYMITÄT will (und nicht den „Künstlernamen“) kann sich nach wie vor mit jedem real klingenden Namen anmelden.