Claudia Klinger am 20. Juli 2007

Brauchen wir Suchmaschinen?

Vor zehn Jahren: Ein Webtext aus dem November 1997

Brauchen wir Such-Maschinen, weil wir uns verloren haben? Verloren? So wie man einen wichtigen Schatz verliert? Eine große Liebe, eine große Chance, oder zumindest Geldbörse, Scheckkarte und Autoschlüssel?

Nein, ich denke eher, wir gehen uns aus dem Weg. Wir können uns nicht mehr sehen! Nicht riechen, nicht ertragen, nicht die Geduld aufbringen, den Anderen auch mal SEIN zu LASSEN.

Wir sind stets mit dem eigenen Sein beschäftigt, der Andere stört nur. Er durchkreuzt jeden sinnvollen Gedanken, drängt sich in Echtzeit-Gewalt in die Aufmerksamkeit und stiehlt mit seinen marginalen Interessen die Zeit.

Im Grunde ist es nicht mal das eigene Sein, das konkrete So-und-nicht-anders-Sein, das uns wie eine blaue Blume in geniale Einsamkeit treibt. Das Wahrgenommen-werden ist das *wunscherfüllende Juwel*.

Je mehr das Gesehen-werden-wollen Grund des Handelns wird, umso leerer werden Aktivitäten und Produkte. Schon lange wären wir vor Langeweile gestorben, hätten wir nicht freundliche Hilfe von unseren Freunden, den Programmen. Denn sie beschäftigen uns mit wichtigen Fragen – wie mache ich ein Java-Script-Laufband mit farbigem Hintergrund? – und sie üben mit uns lebenslanges Lernen!

Aber in der Pause, der kurzen Pause vom perfekten Gerät, ja, da rufen wir mal frisch-fröhlich E-Mail ab. Was wohl der Andere, der real-existierende Mitmensch, die gute alte Wetware wieder verlautbart hat? Mitmensch just in time, in jeder gewünschten Menge – wenn das nicht eine Innovation ist!

– Claudia Klinger, Webgespräche, November 1997 –

Diskussion

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Ein Kommentar zu „Brauchen wir Suchmaschinen?“.

  1. Versteh den Zusammenhang im Text zwar nicht, aber zur Überschrift kann ich nur sagen:“ Wie soll es denn sonst noch gehen?“.