Claudia Klinger am 23. August 2010

Buzz Kill: Und niemand merkt, dass du verschwunden bist

Leo Laporte (Leoville Blog) hat etwas erlebt, das all sein Denken und Fühlen über „Social Media“ über Nacht grundstürzend verändert hat. Er war einer derjenigen, die gerne alles Neue mitmachen und sich bereitwillig auf immer neuen Social-Media-Seiten aktiv einbringen. Er liebte die vielfältigen Vernetzungsmöglichkeiten und glaubte an das „magische Potenzial“ der sozialen Medien, die Menschen besser denn je zusammen zu bringen.

Als Googles Buzz erschien, war er begeistert von der intelligenten Kombination verschiedenster Features, die auf anderen Plattformen so nicht zu haben waren. Bald nutzte er Buzz exklusiv (statt Twitter, Friendfeed, Facebook, die nur noch beliefert wurden) und bald folgten ihm 17000 Leute. Er war glücklich.

Der Absturz

Am 21. August bemerkte Leo, dass seine Buzz-Postings auf Twitter nicht mehr gemeldet wurden. Zu diesem Zweck hatte er einen dieser Weiter-Sende-Dienste abonniert – doch an dem lag es nicht. Auch auf Buzz selbst waren all seine Texte seit dem 6. August nicht mehr aufzufinden: sie waren dort gar nicht erst veröffentlicht worden. Über 15 Postings und alle Meldungen seines Twit-Podcast-Networks.

Woran es gelegen hat, fand er nicht heraus. Er räumt locker ein, vielleicht etwas falsch eingestellt oder versehentlich umgestellt zu haben. Das ist nicht der Punkt, sondern:

Es hat niemand gemerkt! Nicht einmal er selber. Und das hat ihn richtig fertig gemacht:

„It makes me feel like everything I’ve posted over the past four years on Twitter, Jaiku, Friendfeed, Plurk, Pownce, and, yes, Google Buzz, has been an immense waste of time. I was shouting into a vast echo chamber where no one could hear me because they were too busy shouting themselves. All this time I’ve been pumping content into the void like some chatterbox Onan. How humiliating. How demoralizing.“

„Alles, was ich in den letzten vier Jahren auf Twitter, Jaiku, Friendfeed, Plurk, Pownce, und ja: Google Buzz postete, erscheint mir jetzt als einzige große Zeitverschwendung. Ich rief in einen leeren Echo-Raum, in dem mich keiner hören konnte, weil alle viel zu sehr damit beschäftigt waren, selber zu rufen. All diese Zeit hab‘ ich Content ins Leere gesendet, ganz wie ein Chat-Onanist. Wie demütigend. Wie deprimierend.“

Reue und Rückkehr ins eigene Blog

Immerhin steht seine Broadcast-Webseite noch, wo er eine User-Gemeinde versammelt hat, die ihn mit Mails bombardieren würde, wenn auf einmal nichts mehr käme. Er fühlt sich jetzt wie „aus einem schlechten Social Media Traum“ erwacht und denkt reuig an sein vernachlässigtes Blog, fest entschlossen, künftig all seine Inhalte DA zu veröffentlichen:

„I should have been posting it here all along. Had I been doing so I’d have something to show for it. A record of my life for the last few years at the very least. But I ignored my blog and ran off with the sexy, shiny microblogs. Well no more. I’m sorry for having neglected you Leoville. From now on when I post a picture of a particularly delicious sandwich I’m posting it here. When I complain that Sookie is back with Bill, you’ll hear it here first. And the show notes for my shows will go here, too.
Social media, I gave you the best years of my life, but never again. I know where I am wanted. Screw you Google Buzz. You broke my heart.“

„Hätte ich doch nur alles HIER gepostet! Dann wäre es wenigstens noch da und ich hätte mindestens eine Aufzeichnung über mein Leben der letzten vier Jahre. Aber ich ignorierte mein Blog und fuhr auf die sexy schillernden Mikro-Blogs ab. Nie wieder! … Von jetzt an werde ich das Bild eines tollen Sadwichs HIER zeigen. Und wenn ich beklage, dass Sookie zu Bill zurück gekehrt ist, werdet Ihr es hier zuerst erfahren…
Social Media – ich gab euch die besten Jahre meines Lebens – aber damit ist jetzt Schluss! Ich weiß jetzt, wo ich gebraucht werde. Leck mich, Google Buzz: Du hast mein Herz gebrochen“

(Alle Zitate aus Buzz Kill / Leoville – Übersetzungen von mir).

Fazit:

Ich kann Leo gut verstehen, allerdings wundert es mich, dass er diese Erfahrung erst so spät macht. Mir war immer klar, dass Twitter, Facebook, Friendfeed u.a. kein ERSATZ für eine eigene Webseite, ein eigenes Blog sind. Man geht dort in der Menge der Meldungen und Möglichkeiten unter, kann zwar hier und da mal dem einen oder anderen positiv auffallen, aber wenn man plötzlich fehlt, wird das nicht bemerkt. Und über die eigenen Inhalte hat man nur insoweit Macht, wie es dem Plattform-Eigner gerade passt.

Ausschließlich in Social Media publizieren ist wie Zeichen in den Flugsand schreiben. Wer gerne bleibende Spuren hinterlässt und wiederkehrende Leser schätzt, ist mit einem Blog besser dran.

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Dazu auch

Thnks Fr Th Mmrs: The Rise Of Microblogging, The Death Of Posterity
(TechCrunch)

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4 Kommentare zu „Buzz Kill: Und niemand merkt, dass du verschwunden bist“.

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  2. […] oben genannte Zitat ist Leo Laporte und übersetzt von Claudia, der seinen persönlichen Social Media Alptraum erlebt hat. Er schrieb und schrieb und schrieb […]

  3. […] oben genannte Zitat ist Leo Laporte und übersetzt von Claudia, der seinen persönlichen Social Media Alptraum erlebt hat. Er schrieb und schrieb und schrieb […]

  4. […] Klinger hat das im “Webwriting-Magazin” noch etwas wortgewandter […]