Claudia Klinger am 24. November 2009

Bye bye Google Analytics!

Angesichts des ZEIT-Artikels „Datenschützer wollen Einsatz von Analytics verhindern“ habe ich das Tool grade eben kurzerhand aus meinen Webseiten entfernt. Denn darin heißt es recht deutlich:

„Datenschützer in Bund und Ländern wollen die Betreiber von Internetseiten – notfalls auch mit Sanktionen – dazu bewegen, auf den Einsatz von Google Analytics zu verzichten. Neben dem Unabhängigen Landeszentrum für Datenschutz Schleswig Holstein (ULD) und dem Bundesdatenschutzbeauftragten setzt sich auch bei deren Kollegen in Berlin, Hamburg und der Bayerischen Aufsichtsbehörde in Ansbach die Überzeugung durch, dass der Einsatz von Google Analytics nach deutschem Recht unzulässig ist.“

Noch ist offenbar nicht entschieden, ob Seitenbetreiber erst gewarnt oder gleich abgemahnt werden sollen. Auch Bußgelder bis zu 50.000 Euro wg. Verstoßes gegen das Telemediengesetz seien möglich, meint gar der Stuttgarter Rechtsanwalts Carsten Ulbricht.

Nun, was nicht da ist, kann auch nicht abgemahnt werden. Eingebunden hatte ich das „Beobachtungs-Tool“, das das Surfverhalten der Besucher auswertet und in übersichtliche Berichte umsetzt, als mir ein Bekannter schwer begeistert erzählte, was für tolle Einsichten und Aufschlüsse zur Verbesserung seiner Seiten er damit gewonnen hätte.

Ok, will ich auch, dachte ich mir, setzte einen Analytics-Account auf und band den Code in verschiedene Blogs ein. Tja, und dann hab‘ ich binnen mehrerer Monate doch kaum drauf geschaut, denn SO genau interessiert es mich gar nicht, wie oft von hier nach dort geklickt wird – zudem bekommt man mehr deprimierende Daten als ermunternde, etwa die „Absprungrate“ (= sehen und flüchten).

Dass allerdings die Meinung vertreten wird, man dürfe ohne Einwilligung nicht einmal die IP speichern, halte ich für überzogen. Trotzdem hab‘ ich länger schon dieses Einverständnis in den Kommentarformularen stehen – wer’s nicht will, kann mir ja immer noch mailen. Für die SPAM-Abwehr, zur Verhinderung von Vandalismus und Trollerei ist diese Speicherung aus meiner Sicht kaum verzichtbar – oder was meint Ihr?

Diskussion

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11 Kommentare zu „Bye bye Google Analytics!“.

  1. serverlogs ohne ip? na prost mahlzeit. man kann es auch übertreiben. und tatsächlich ist die ip ja die einzige möglichkeit, bei rechtsverstößen (angriffe auf den server oder publizieren widerrechtlicher inhalte via kommentar o. ä.) eine handhabe zu haben.

  2. Wir nutzen Analytics seit Langem. Obwohl ich eine ganze Reihe unserer Besucher persönlich kenne, konnte ich sie damit nie persönlich zuordnen. Die Annahme IP-Adressen seien personenbezogene Daten halte ich deshalb ganz klar für Blödsinn falsch.

  3. Ich denke, die IP ist mal ein schönes Beispiel, für deren umstrittene Eigenschaft als „personenbezogenes Datum“ das Wort VIRTUELL genau passt:

    Virtuell = Der Möglichkeit und Kraft nach vorhanden

    Die Ip ist ein virtuell personenbezogenes Datum, da es unter bestimmten Umständen die Möglichkeit gibt, sie bis zur Quelle zu verfolgen und zumindest den einwählenden PC und den Inhaber des Zugangs zu bestimmen.

    Es ist aber nur eine MÖGLICHKEIT, keine für jeden jederzeit nutzbare Zwangsläufigkeit.

  4. Hallo Claudia,

    Google kommt in deinem HTML-Code ja immer noch an die Daten, denn <script type=“text/javascript“
    src=“http://pagead2.googlesyndication.com/pagead/show_ads.js“> liefert Google letztlich das gleiche Material.

    Um konsequent zu sein, solltest du auch deinen Webserver anhalten, denn der loggt ebenfalls jeden User-Furz mit, inklusive IP-Adressen, was dann von zwielichtigen Tools wie „Webalizer“ schamlos ausgenutzt wird.

    Die Welt deutscher Datenschützer ist manchmal schon reichlich verschroben! Das muss man nicht unterstützen, finde ich, und es ist auch sehr unwahrscheinlich, dass es denen tatslächlich gelingt, Analytics zu kriminalisieren.

    Was anderes ist es, wenn du sagst, du brauchst Analytics nicht, weil dich die Daten eigentlich gar nicht interessieren. Dann nichts wie weg mit dem Scriptaufruf, denn jeder solche Scriptaufruf kostet schließlich Performance.

    viele Grüße
    Stefan Münz

  5. IP-Speicherung bringt überhaupt nichts. Mit einem Anonymisierungstool wie Tor, welches in 4 Minuten heruntergeladen und einsatzfähig ist, kann die IP ohne Probleme verschleiert werden.
    Da wird dann nichts „bis zur Quelle verfolgt“, und auch kein Inhaber eines Zugangs mehr ausfindig gemacht. Und gegen google-Analytics kann man auch einfach Tools wie „NoScript“ einsetzen, wenn man nicht getraced werden will.
    Grüße Marcus

  6. Hast ja recht, Stefan! :-) Im Grunde hab ich nur keine Lust, ausgerechnet an der Stelle möglichen Ärger zu provozieren, wo ich gar nicht wirklich nutzniese, also auch keinen echten Verteidigungsgrund habe. Dass es gelingt, AdSense zu kriminalisieren, glaub ich übrigens WENIGER als bezüglich Analytics – mag unsinnig sein, aber ist so mein Gefühl.

    @marcus: dass man individuell dagegen was machen kann, hat ja mit der grundsätzlichen Einstufung der IP nicht unbedingt zu tun: das machen ja in der Tat nicht viele… und ich sag ja: nur VIRTUELL personenbezogen..

  7. […] Gegenzug wird der Publisher zum Sündenbock gemacht. Auf mehreren Seiten wurden Bußgeldbeträge genannt, die einfach nur unglaublich hoch bemessen sind. Was soll das? Es wird so getan, als ob der […]

  8. Hallo Claudia,

    das ist doch alles nur ein Hype!
    Klar, Daten sollte man nicht durch die Gegend werfen und jedem zur Verfügung stellen. Logisch, dass man mit Daten eine ganze Menge Blödsinn anstellen kann. Zum Beispiel mit Kreditkartendaten oder dergleichen. Das ist ärgerlich und zeitraubend, Karte sperren, neue Nummer beantragen, Rücklastschriften, usw.
    Was passiert ansonsten noch mit den Daten? Mh, vielleicht für personalisierte Werbung? – Finde ich gar nicht so schlecht.
    Vielleicht stehe ich damit auch nicht so ganz alleine da. Denn was will ich mit Fußballwerbung, wenn ich mich für Sport gar nicht interessiere? So bleibt mir das jedenfalls erspart, wenn das werbende Unternehmen das von mir weiß. Oder ich bin Teil irgendeiner Statistik, die mit einem Teil meiner Informationen auskommen muss.

    Und jetzt zur IP-Adresse: damit habe ich auch kein Problem. Es ist ja keine Telefonnummer und der man mich jetzt anrufen kann und mich belästigt. Was kann ein „Normalsterblicher“ mit meiner IP-Adresse tun? Meinen Provider ermitteln, vielleicht meinen ungefähren Standort herausfinden, … das war es doch. Und wenn es vor Missbrauch schützt oder dem Betreiber einer Website die Möglichkeit gibt, dass ich mich noch wohler auf seiner Seite fühle, so ist es doch prima.
    Datenschutz ist fein. Gesetze sind Klasse, die uns alle beschützen. Aber bald bekommen wir alle eine Watteallergie vor lauter Schutzgesetzen.

    Besser man klärt die Menschen auf, die in Singlebörsen, sozialen Netzwerken und Phishingseiten grauenvolle Partybilder und dämliche Kommentare mit Geburtsdatum und Körbchengröße ausplaudern, als sich mit IP-Adressen zu beschäftigen.

    Und was Google Analytics betrifft: es ist ein interessantes Tool. Aber wenn man es nicht braucht, kann man seine Website entschlacken und den Code entfernen und sagen: „Good bye Google Analytics!“

    Beste Grüße
    Stefan Verhey

  9. @Stefan: angesichts der Front, die die Datenschützer da offenbar aufbauen wollen, muss man sich wohl doch mit der IP befassen – und dafür kämpfen, dass sie NICHT als „persönliches Datum“ angesehen wird!

  10. Langsam habe ich die Befürchtung dass hinter solchen Datenschützer Anwälte stecken die dann intensiv das Internet durchsuchen um Analytic Nutzer eine Abmahnung senden zu können und somit ihre Einnahmen halten zu können (weil sie sonst wohl keine Klienten haben).

    Ich habe auch eine Abmahung erhalten, weil ich meinen Vornamen abgekürtzt habe. Doch da sagt kein Datenschützer was zu, wenn ich meine Daten vollständig veröffentlichen muss.

    Sauerei kann man dazu nur sagen.

  11. @Chris
    Diese Anwälte wird es immer geben, aber man kann man sich dagegen wehren.