Claudia Klinger am 18. November 2010

Die wichtigsten kostenlosen Presseportale – und warum Produktankündigungen kein Bullshit sind

Eine sehr nützliche Untersuchung findet sich bei den „Internetkapitänen“: Markus Hövener hat sich die Arbeit gemacht, kostenlose Presseportale zu beobachten und dann ein Ranking nach verschiedenen Kriterien zum Besten zu geben.

Wie das bei sogenannten „SEOs“ so ist, erschließen sich die Kriterien dem nicht vornehmlich im Suchmaschinen-Opimierungs-Geschäft steckenden Menschen nicht ohne weiteres. Weil aber auch ganz normale Blogger, Künstler, Freiberufler, kleine Unternehmen mit Businessblogs einen Nutzen aus diesen Portalen ziehen können (Geduld, dazu komm‘ ich weiter unten), hier eine kurze Erläuterung zu den für die Bewertung der Presseportale heran gezogenen Kriterien, die man natürlich auf Webseiten aller Art anwenden kann:

  1. Der SYSTRIX-Sichtbarkeitsindex entsteht aus der fortlaufenden Beobachtung einer Viertelmillion Suchbegriffe (Keywords) in den Suchergebnissen bei Google. Erfasst wird, wie häufig und an welcher Stelle eine Domain hierbei in den ersten 100 Suchergebnissen auftaucht. Da die Beobachtung fortlaufend geschieht, kann man auch Entwicklungen sehen.
  2. Statische Sichtbarkeit nach SEO DIVER: ein ähnliches Werkzeug, das die „Performance“ (= Erfolg im Bemühen, weit oben in den Suchergebnissen zu erscheinen) von Domains erfasst – bezogen auf eine vordefinierte Liste mit 500.000 Suchbegriffen und die ersten 50 Suchergebnisse.
  3. MozRank: Ein Wert, der – ähnlich dem Pagerank (PR) von Google – die „Autorität“ bzw. Link-Popularität einer Seite anhand der Anzahl der Links bemisst, die sie insgesamt bekommt.
  4. MozTrust: Hier gehts um die „Vertrauenswürdigkeit“ einer Seite, die sich nach der Vertrauenswürdigkeit der auf sie verlinkenden Seiten bemisst. Links von respektablen Organisationen wie etwa Universitäten und Webseiten staatlicher Institutionen vererben mehr „Trust“ als schlichte Blogs und Unternehmensseiten.
  5. Domain-Popularität: Galt früher vor allem die absolute Anzahl der auf eine Webseite verweisenden Links als Qualitätsmaßstab, so ist heute die Anzahl der verweisenden Domains wichtiger. Klar, denn z.B. auf den hunderten Unterseiten eines Blogs finden sich in der Sidebar immer diesselben Links. Was sagt die schiere Masse solcher Links also noch aus?

Aber Achtung: Wer nun seine Homepage durch die vielen Bewertungstools jagt, sollte nicht glauben, dass deren Ergebnisse immer stimmen! So behauptet etwa der SEO-Backlink-Checker, das Webwriting-Magazin hätte NULL Backlinks! Wogegen der Domain-Popularity-Check von LinkVendor 86156 Backlinks von 4672 Domains findet.

Die drei wichtigsten Presseportale

Anhand seiner Recherchen erklärt Markus Hövener die folgenden drei zu seinen persönlichen Favoriten:

  1. www.openpr.de
  2. www.online-artikel.de
  3. www.firmenpresse.de

Es lohnt aber, auch die anderen im Artikel genannten Portale in Betracht zu ziehen. Weitere Adressen finden sich in den Kommentaren.

Was sind Presseportale und wem nutzen sie?

Alle, die etwas zu melden haben, können Presseportale nutzen – große und kleine Unternehmen, Freiberufler, Vereine, Initiativen und natürlich auch Blogger, die etwas Neues ankündigen und einem größeren Kreis bekannt machen wollen.

Das „kostenlos“ im Titel dieses Artikels bezieht sich auf die Möglichkeit der Publisher, bei diesen Portalen jederzeit eine Pressemeldung einstellen zu dürfen. Früher einmal dienten solche Dienste im wesentlichen Journalisten, die News und Texte für ihre jeweiligen Medien suchten. Schließlich brauchen all die vielen Zeitungen, Magazine und Anzeigenblätter ständig jede Menge Inhalte. Das ist auch heute noch so, doch kamen mittlerweile unzählige Online-Publikationen hinzu – bis hin zu Themenblogs, deren Autoren sich die Neuigkeiten auch nicht aus den Rippen schneiden können.

Bei den Publishern ist neben das Verlangen nach inhaltlicher Bekanntmachung auch das Motiv des „Link-Aufbaus“ getreten: Mit jeder Pressemeldung ist (mindestens) ein Link zur Homepage des Unternehmens bzw. des Herausgebers der Pressemeldung verbunden. Und da „eingehende Links“ fürs Suchmaschinen-Ranking wichtig sind, werden Presseportale gerne genutzt – auch ohne die Hoffnung, dass die Meldung in einem traditionellen Printmedium landet. Zudem wird mit Glück die Sichtbarkeit der eigenen Meldung gesteigert, wenn sie etwa über ein Presseportal auf GoogleNews landet, wohin es der Artikel auf der eigenen Webseite niemals schaffen würde.

Viel Bullshit auf den Presseportalen? Irrtum!

Man verlangt üblicherweise nicht von einem Apfel, dass er schmeckt wie eine Birne. Genaus so aber argumentiert etwa Torsten, der die Untersuchung der Internetkapitäne wie folgt kommentiert:

„Einen wesentlichen Faktor habt ihr vergessen: der Bullshit-Index. Wenn eine tolle neue Produktankündigung neben dem neusten Erdstrahlen-Report und der Ankündigung einer Verfassungsklage wegen Schräg-Angucken steht, dann wird sie zwar potenziell gefunden, aber wohl nie gedruckt.“

Tja: erstens geht es lang schon nicht mehr nur ums „gedruckt werden“. Zweitens: was für den einen Bullshit ist, ist für den anderen eine interessante Neuigkeit! Thorsten verwechselt hier schlicht und ergreifend Presseportale mit News-Aggregatoren. Erstere veröffentlichen Pressemeldungen, ohne inhaltlich zu sortieren. (Das machen dann diejenigen, die sich fürs eigene Medium heraus suchen, was sie brauchen.) Letztere bündeln aus ihrer Sicht lesenswerte bzw. wichtige News, um LESERN einen Überblick zu geben – also ein völlig anderes Unterfangen mit jeweils ganz anderer Zielgruppe!

Eigene Erfahrungen: Ja, Presseportale sind nützlich!

Fast vier Jahre hab‘ ich als Honorarjob dreimal wöchentlich Artikel ein führendes Wellness-Blog geschrieben. Dazu brauchte ich natürlich ständig neue Themen – und ich fand sie zu ca. 50% über solche PR-Portale. Die Publisher der Mitteilungen kamen so zu einem ausführlichen Blogposting mit wertvollem „Content-Link“.

Ausgehend von dieser Erfahrung nutze ich PR-Portale heute auch für meine Kunden (Beratung, Bloggen, Webseite erstellen/betreuen etc.). Wichtige Inhalte werden in Gestalt von Pressemeldungen in die Portale eingegeben, was auch tatsächlich Wirkung zeitigt: die Meldungen erscheinen oft VOR dem jeweiligen Blog-Artikel oder der Homepage, bzw. schaffen es in GoogleNews und andere Aggregatoren, die ich anders nur mühsam erreichen könnte.

Tipp: es macht zwar mehr Arbeit, ist aber nützlich, nicht überall wortgleiche Meldungen zu streuen. Die sortiert Google nämlich gerne aus und manche Portale mögen die auch nicht!

Fallen, in die man nicht tappen sollte

Ein letztes zu den Fallen, in die man tappen kann: Man lese sich die AGB der jeweiligen Portale immer mal durch! Insbesondere bei unbekannteren Diensten verstecken sich da manchmal gewisse Hämmer – z.B. eine Kostenpflichtigkeit oder ein Umgang mit den Daten, der einem evtl. doch nicht behagt.

Weiter ist es bei vielen Diensten üblich, dass die Betreiber Anzeigenkästen in oder neben den Text der Pressemitteilung platzieren. Dessen sollte man sich zumindest bewusst sein! Weit schlimmer als diese akzeptable Methode der „Monetarisierung“ eines für die Nutzer kostenlosen Dienstes ist es, wenn der Betreiber Worte innerhalb der Pressemeldung (Keywords) mit Links zu anderen Angeboten versieht. Im Extremfall könnte da ein Link direkt zum Konkurrenzangebot platziert werden – und das will der Herausgaber der Pressemeldung ganz gewiss nicht!


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Diskussion

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16 Kommentare zu „Die wichtigsten kostenlosen Presseportale – und warum Produktankündigungen kein Bullshit sind“.

  1. Danke für diesen sehr interessanten Artikel.

  2. Ich habe mich bisher nicht um Presseportale gekümmert, war einfach kein Thema. Aber jetzt werde ich mich verstärkt darum kümmern

  3. Ich glaube es wird der Zeit nicht gerecht die Anzahl der Presseportal (>200) auf 3 zu beschränken. Public Relations lebt von Reichweite und die ist bei 3 Webseiten massiv eingeschränkt wenn man weitere 197 ignoriert, ebenso Dienste die das Eintragen in allen Portalen gleichzeitig anbieten.

  4. Produktankündigungen natürlich kein Bullshit vielleicht ist es für den einen oder anderen sogar sinnvoll eine eigenes Presseportal zu erstellen. Vielleicht kann der eine oder andere hier ein paar Tipps dazu geben.

  5. Ich denke auch, dass Presseportale eine deutlich bessere Möglichkeit darstellen, als oftmals angenommen!

  6. Danke danke danke für diesen Artikel, der hat uns einen Schubs in die richtige Richtung gegeben – ab sofort werden die Presseportale mit einbezogen :-)

  7. Howdy

    Claudia, ich habe ebenfalls vor kurzem eine Liste mit Presseportalen zusammengestellt. Hat sehr viel Arbeit gemacht, ich würde mich freuen, wenn Du sie vielleicht auch in diesem prächtigen Artikel verlinkst. Ich werde deinen Artikel auch gerne auf Facebook teilen!

    Cheers

  8. Die wichtigsten kostenlosen Presseportale in einer tabellarischen Übersicht bietet unser Presseportal-Report 2011. Der Report steht als kostenloser PDF-Download zur Verfügung: http://www.pr-gateway.de/white-papers/presseportal-report

  9. Ein weiterer Auszug mit vielen kostenlosen Portalen findet man auch unter:
    http://www.dernachrichtenverteiler.de/all-kostenlose-presseportale.php

  10. @PR-Gateway
    Den Presseportal-Report von PR-Gateway habe ich auch schon entdeckt und runtergeladen. In dem Report sind wirklich alle wichtigen, kostenlosen Presseportale enthalten, der Download lohnt sich also in jedem Fall!

  11. Danke für den informativen Artikel. Ich werde den Weg über Presseportale auf jeden Fall mal ausprobieren

  12. Immer tolle Ratschläge die man hier bekommt.Da mein Blog Links bitter nötig hat, werde ich die Presseportale auf jeden Fall mal nutzen.

  13. Auch nicht zu vergessen themenrelevante Presseportale oder Nischenportale, z.B. regionale Portale, z.B. http://www.muenchen-presse.de

  14. Ein gelungener Artikel. Ich kann aus eigener Erfahrung nur zustimmen. Die Nutzung solcher Portale lohnt sich!

  15. 3 Jahre später und sie sind „platt“ – schreibe ich und begründe: http://primweb.de/presseportale-seo-tod/

  16. Danke schon fur diese Information !