Claudia Klinger am 13. Juni 2010

Flattr: Dabei sein ist alles?

Die seit kurzem verbreitete Flattr-Mania dient zwar der Selbstvergewisserung der Blogsphäre und dem allgemeinen „Wir-Gefühl“, doch ein ernst zu nehmender „Bezahl-Kanal“ für Inhalte wird mittels dieses Tools wohl kaum entstehen. Nach allem, was ich so sehe, profitieren vor allem große Blogs mit schon jetzt erheblicher Reichweite, doch sind für sie die Summen, die da zusammen kommen, doch eher unbedeutend: Mit anderen Formen der „Monetarisierung“ können sie leicht ein Vielfaches verdienen – und tun es ja meist auch.

Andreas Grieß beschreibt in seinen „Gedanken zu Flattr, Teil 2“ den neuen Bezahldienst als reinen Verschiebebahnhof: Blogger flattern bei Bloggern, die ihrerseits bei anderen Bloggern flattern – und letztlich verdienten nur Flattr und die Zahlsysteme tatsächlich. Damit das System wirklich was bringe, müsste es Leser geben, die NUR spenden, jedoch nicht selbst auf Einnahmen schielen. Gibt es die?

Ich bin kürzlich bei Flatter eingestiegen, hab ein paar Klicks verteilt, aber bisher den Flattr-Button nur aufs ganze Blog (siehe Sidebar) und auf EINEN Artikel gesetzt: Guter Stil, klare Sprache – 20 Tipps für Einsteiger hat einen deutlichen Service-Charakter. Solche KnowHow-Artikel machen richtig Arbeit, da erscheint es mir wahrscheinlicher, dass vielleicht mal jemand flattern will. Wogegen ich Buttons unter Surftipps oder anderen bloßen Meinungsäußerungen für etwas übertrieben halte.

Andreas Grieß fragt seine Leser am Schluss der Überlegungen noch: „Müssen die Blogger und Medienunternehmen etwas versuchen, um um Social-Payments im Allgemeinen bzw. Flattr im Speziellen gesellschaftlich gewollt zu machen? Was können sie überhaupt tun, um reine Leser zu potentiellen Spendern zu machen?“

Aus meiner Sicht: gar nichts! „Flattern“ wird Szene-interne Community-Action bleiben – ein Tool für die nette Geste hier und dort, sowie eine Gelegenheit, auf den Flattr-Seiten auch bisher unbekannte Blogs kennen zu lernen. Ist ja auch schon was! :-)

Diskussion

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4 Kommentare zu „Flattr: Dabei sein ist alles?“.

  1. Ich sehe den gleichen Ansatz wie bei mir: Ganzes Blog und Service- bzw Recherche-Artikel flattr-bar.
    Ob das richtig ist? Werden Leute zB ein Blog im nächsten Monat wieder flattrn. Und es geht ja darum, Angebote belohnen zu können. Das könnten ja auch Lesehinweise oder Kommentare (als Stilform) sein

  2. Ganz meine Meinung. Flattr ist das Pyramidenspiel 2.0 der Bloggerei.

    Die Großen an der Spitze und die Betreiber des Spiels gewinnen, die vielköpfige Herde darunter zahlt ein und macht blökend den Propagandawind, ohne den das Ding nie abheben könnte – und das wegen ein paar Cent im Jahr.

  3. Ich sehe das ein bisschen optimistischer. Flattr könnte mehr werden als ein reiner Bezahldienst. Im Moment ist es sicher nur ein Verschiebebahnhof, aber dieser generiert Daten, und zwar solche, die von allen eingesehen werden können und die ein wenig mehr „Vertrauenspotenzial“ haben dürften als irgendwelche Klick-Statistiken. Wenn jemand bereit ist, für einen Artikel etwas zu bezahlen, nachdem er ihn gelesen hat, dann sagt das eine Menge aus (sofern da nicht gemogelt wird, was natürlich trotzdem möglich ist, aber aufwändiger als bei den heutigen Statistiken).

    Robert Basic hat in einem Interview mal gesagt, dass er die meisten Einnahmen durch direkte Werbekunden erzielt hat, zu denen er aufgrund seines Berufs relativ schnell Zugang hatte. Diesen Vorteil genießen viele nicht, die einfach nur qualitativ hochwertige Beiträge leisten möchten, aber nicht wissen, wie sie das finanzieren sollen.

    Flattr könnte also eine Art Anlaufstelle und Bewertungszentrum für Werbeinvestoren und Blogger werden, die nacheinander suchen. Ein bisschen utopisch ist das zwar schon, aber ich finde, es ist ein erheblich interessanterer Ansatz als all die automatisierten Blogverzeichnisse und Bewertungsportale, weil eine Stimme für einen Beitrag hier tatsächlich etwas kostet. Und hier wird es eben auch für Leser wie mich interessant: Ich kann aktiv und doch ohne großen Aufwand meine Wertschätzung ausdrücken, und diese erfassbare Wertschätzung von x unterschiedlichen Leuten, die diese Stimme bewusst abgegeben haben, das ist der eigentliche Wert, nicht der Betrag. Der verdiente Betrag kommt als Motivationshäubchen oben drauf (es sei denn, ein Blog wird plötzlich sehr bekannt, aber auch das darf ja ruhig passieren).

    Deshalb halte ich es auch für sinnvoller, wirklich jeden Blogbeitrag mit einem Button zu versehen, denn nur so kann auch der Blogger/Autor verlässlicher feststellen, was den Lesern gefallen hat und was nicht. Den Begriff Dienstleistung halte ich in diesem Zusammenhang für nicht sehr glücklich, weil es so sehr nach Auftragsarbeit klingt. Als Leser will ich keine Auftragsschreiber, sondern Autoren mit eigenem Profil.

    Disclaimer: Ich bin noch kein Mitglied, verfolge die Entwicklung aber schon länger mit großem Interesse.

  4. […] ähnlichen Ansatz fand ich auch beim Webwriting-Magazin. In der Diskussion dort kam jedoch ein anderer Gedanke auf: Sollen die Leser nicht die Möglichkeit […]