Claudia Klinger am 25. August 2018

Hallo Blogger: Verlinken ist erlaubt, sogar sehr erwünscht!

Kürzlich schrieb mir ein Blogger, er habe seit der DSGVO keine rechte Lust mehr zum Bloggen:

„Ich muß zugeben ich habe nach der DSGVO trotz intensiven Einlesens, Anpassens (was mir eben vom Verständnis her möglich war) und Nachfragens keine rechte Lust mehr am bloggen. Mir fehlt die Freiheit, und sei es nur in meinem Kopf. Immer denke ich, das ist sicher verboten oder falsch.“

Eine nicht gerade seltene Entwicklung, wie ich aus verschiedenen anderen Quellen weiß. Besonders betrüblich: Sogar bei einem einfachen Link kommen manchen Blogger ins Zweifeln, ob der denn noch erlaubt sei. Dabei sind Links doch die DNA des Webs! Deshalb sei hier mal ganz deutlich gesagt:

Verlinken ist erlaubt – und wird – hoffentlich! – auch erlaubt bleiben!

Warum gibt es überhaupt diese Unsicherheit bezüglich einer so grundlegenden Funktionalität des Webs?

  1. Zum Beispiel, weil es Lobbygruppen gibt, die immer wieder versuchen, die Linkfreiheit einzuschränken, etwa über den Hebel eines „Leistungsschutzrechts“. Bisher ist das nicht gelungen und wird hoffentlich auch nicht gelingen, da die Auswirkungen für die Allgemeinheit viel zu drastisch wären und das Recht auf freie Meinungsäußerung eingeschränkt würde.
  2. Eine andere Unsicherheit rührt daher, dass es tatsächlich Seitenbetreiber gab und gibt, die versuchen, das Verlinken ihrer Seiten zu verbieten. Dafür gibt es keine Rechtsgrundlage, so lange es sich um öffentlich zugängliche Seiten handelt. Jeder ist berechtigt, auf jede Seite zu verlinken, auch gegen den Willen der Betreiber. Man muss also auch niemanden um Erlaubnis bitten, es gibt nicht einmal ein Gebot der Höflichkeit, das zu tun! Denn: Ein Link auf eine Webseite NÜTZT dieser Seite (bzw. den Autoren) gleich auf zweifache Weise: Über den Link kommen potenziell Leser/innen auf die Seite und für den Google-Algorithmus ist ein Link nach wie vor eine Empfehlung, also ein Grund, die Seite in den Suchergebnissen weiter vorne anzuzeigen.
  3. Ein dritter Grund vedankt sich einer uralten Technik, die lange schon aus dem Web weitgehend verschwunden ist: den sogenannten Framesets. Damals setzten sich Webseiten schon mal aus verschiedenen Dateien mit jeweils einer eigenen Adresse zusammen. Also war es möglich, eine ganze fremde Webseite oder wesentliche Teile derselben in die eigene Seite einzubauen – OHNE dass erkennbar gewesen wäre, dass dieser Teil aus fremder Quelle stammt. Das ist unzulässig, da man sich damit die freme Arbeit zu eigen macht. Aber wie gesagt: das ist Schnee von vorvorgestern!
  4. Der vierte Grund berifft die Unsicherheit über die Rechtmäßigkeit der fremden Webseite, auf die verlinkt wird. Hierzu hat es verschiedene Urteile gegeben, die jedoch alle darauf hinaus laufen, dass der Linksetzer von der Rechtswidrigkeit „hätte wissen müssen“ – und besonders hohe Ansprüch legt man hier an, wenn das Verlinken auf rechtswidrige Inhalte mit Gewinnerzielungsabsicht erfolgt (aber auch dann ist man nicht immer verpflichtet, die Inhalte der Seite zu prüfen!). Wenn ich in meinem Blog also einen Link auf eine mit meinem Thema korrespondierende Seite setze, die ich gesehen habe und extra verlinke, weil ich sie empfehlen will, bin ich auf der sicheren Seite. Erst wenn ich erfahre, dass mittlerweile dort Illegales veröffentlicht wird, bin ich verpflichtet, den Link zu entfernen.

Alles in allem: Das Verlinken aus einem Blogpost heraus ist in aller Regel völlig unproblematisch und freut die Autorinnen und Autoren der verlinkten Seite! Lassen wir uns also nicht irre machen, sondern das freie Verlinken verteidigen, wo immer es geht. Wir müssen auch nicht den Linkgeiz vieler Medien mitmachen, die ständig Angst haben, jeder Link nach außen könnte sie Leser kosten und zudem niemand anderem den „Linkjuice“ gönnen, also den Nutzen (Google-Suche!), den eine Verlinkung für die verlinkte Seite darstellt.

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Wer noch nicht unterschrieben hat, sollte diese Petition mitzeichnen, die sich gegen Leistungsschutzrecht und Upload-Filter richtet:

Stop the censorship-machinery! Save the Internet!

Diskussion

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2 Kommentare zu „Hallo Blogger: Verlinken ist erlaubt, sogar sehr erwünscht!“.

  1. […] und die kleingärtnerische Nutzung“ erschienen und heute hab‘ ich mal wieder gegen die Verunsicherung rund ums Verlinken angeschrieben. Ist schon gruslig, wie das zunehmend enger werdende gesetzliche Regelwerk Bloggern […]

  2. Also das Leistungsschutzrecht ist ein Witz. Selbst die Zeitungen die es gefordert haben verzichteten am ende da rauf weil es zu weniger Besucher gab. Die Google Suche muss damit sie funktioniert Inhalte kopieren.

    Ich selber verlinke auch gerne auf Seiten die zum Thema passen oder die mir Gefallen. Wenn jemand ein guten Link setzt bekommt er von mir sogar ein Dankeschön dafür.

    Was aber auch noch gesagt werden muss ist das es durchaus Leute gibt die in Form von SPAM links in bösartiger Absicht verlinken nur um einer anderen Seite zu schaden. Am besten funktioniert SEO wenn gute Inhalte von selber verlinkt werden.

    Ich selber habe auch schon gesehen das es Leute gibt die auf ihre Websites ausdrücklich schreiben das es untersagt ist Links zu setzen und diese zur Anzeige gebracht werden. Das halte ich auch für Müll weil ein Link ist keine Uhrheberechtsverletzung da der Content ja erkennbar auf der verlinkten Seite steht.

    iFrames und Framesets finde ich selber nicht nur nervig sondern auch einfach arrogant sich den Content von fremden unter den nagel zu reißen. Da kann man aber mit einen Framebreaker dagegen steuern und so die Seite die den (i)frame gesetzt hat quasi übernehmen.

    So weit ich weiß sind Framesets und iFrames er schlecht als recht für den Linkjuce oder werden von Google teils nicht wirklich bewertet oder ignoriert. Framesets waren bei Google und co schon immer ein Problem und ich weiß nicht wieso sich das noch ändern sollte.

    LG, jennifer