Claudia Klinger am 15. September 2016

Nach AdBlock Plus: ein umgekehrter Werbeblocker muss her!

Gestern hab‘ ich den Werbeblocker AdBlock Plus endgültig ausgeschaltet. Was die Betreiber-Firm Eyeo GmbH in Sachen Webwerbung treibt, kann ich nicht mehr mittragen. Nicht nur, dass sie gegen Geld „akzeptable Werbung“ durchlassen: gerade wurde auch bekannt, dass sie ein eigenes Werbenetzwerk gegründet haben und die Anzeige ihrer Kunden an Stelle der per Blocker entfernten Stellen setzen wollen. Auf Mobile Geeks schreibt Bernd Rubel, wie das geht:

Voraussetzung für die Ausspielung der Werbeanzeigen ist, dass sich ein durch den Werbeblocker um seine Erlöse gebrachter Betreiber einer Internetseite für die Einbindung der „freundlicherweise“ zur Verfügung gestellten alternativen Werbeanzeigen entscheidet. Das ist digitale Schutzgelderpressung in Vollendung, und jeder Benutzer von Adblock Plus beteiligt sich mit der Installation des Programms an diesem System.
…Mit den nun selbst vermarkteten Werbeanzeigen klappen die Betreiber von Adblock Plus endlich das Visier hoch und beenden ihr jahrelanges Versteckspiel. Offenbar hat man nach mehreren Zukäufen mit der nun existierenden Benutzerbasis eine kritische Menge erreicht und muss innerhalb der ohnehin nicht allzu kooperationsfreudigen Branche nicht länger den Kämpfer für ein besseres Internet mimen.

Da auch nicht werbliche Elemente auf Webseiten gelegentlich dem Blocker zum Opfer fallen („Overblocking“), erließ das Landgericht Hamburg kürzlich sogar eine einstweilige Verfügung gegen AdBlock Plus und stellte fest, dass das Overblocking den Kernbereich der Pressefreiheit angreife.

Mehr zum neuen Werbenetzwerk von AdBlock Plus lest Ihr z.B. bei Heise, auf Golem und bei der NZZ.

Gesucht: ein Werbeblocker, der das Blocken den Usern überlässt

Zu Recht sind viele User durch die neuen Nachrichten schwer verärgert und steigen auf Alternativen um, die es durchaus gibt. Genannt werden die Blocker AdGuard, uBlock Origin, Ad Muncher, sowie die in einigen Browsern bereits integrierten Adblocker. Alle Alternativen haben gemeinsam, dass sie – wie AdBlock plus – grundsätzlich blockieren, es aber den Nutzern ermöglichen, Ausnahmen zu bestimmen.

Da man mit eingeschaltetem Blocker aber gar nicht mitbekommt, ob auf einer Webseite überhaupt nervige Werbung angezeigt wird, wäre ein Blocker mit dem umgekehrten Verfahren eine gute Sache: Nicht „deaktivieren auf…“, sondern „aktivieren auf…“ – dann würden nicht pauschal die Anzeigen sämtlicher Webseiten ausgeschaltet, sondern wir könnten punktuell dort blocken, wo es wirklich nervt. Wo etwa schon beim Aufruf ein lautes Video plärrt, das man erst suchen muss, um es zum Verstummen zu bringen, wo extremes Gezappel den Lesefluss stört oder gar „Overlay-Anzeigen“ den Blick auf den Inhalt ganz versperren.

Zwar würde ein solcher Blocker von jenen Usern nicht genutzt, die keinerlei Werbung auf Webseiten akzeptieren. Mittlerweile ist jedoch bei vielen das Verständnis für die Refinanzierungsbedürfnisse vieler Publisher gewachsen, die ihre kostenlosen Inhalte nur auf Dauer publizieren können, wenn sie mit Anzeigen auch Geld einnehmen. Gegen alles, was nervt, würde ja ein einziger Klick reichen!

So ein „umgekehrter AdBlocker“ wäre vermutlich auch einfacher zu programmieren und zu pflegen, da Integration und Update von außen eingespeister „Blacklists“ und „Whitelists“ entfallen würde.

Alle Macht den Usern! Wer programmiert das? Denkbar wäre auch, in bereits existierenden Blockern diese Form der Nutzung zu ermöglichen. Warum es das bisher nicht gibt? Wer dazu etwas sagen kann, ist herzlich eingeladen, sein Wissen in den Kommentaren zu teilen!

Diskussion

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3 Kommentare zu „Nach AdBlock Plus: ein umgekehrter Werbeblocker muss her!“.

  1. Die Möglichkeit gibt es bereits. Zumindest im alten Opera (bis Version 12.x) war sie eingebaut („block content“, seitenspezifisch); ich habe jetzt nicht gesucht, aber für Firefox etc. wird es sicherlich entsprechende Add-Ons geben.

    Dabei sehe ich aber 2 Probleme:
    1. Es ist für den Benutzer mit mehr Aufwand verbunden.
    2. Man kann halt immer nur bestimmte URLs sperren.
    Als Werbender würde ich also zufällig erzeugte URLs benutzen, um diese Blockierungen zu umgehen. Und zwar möglichst so gestaltet, daß sie nicht einfach von URLs mit sinnvollem Inhalt zu unterscheiden sind.

  2. Leider scheint sowas im FF nicht zu existieren…
    URL ständig ändern ist SEO-technisch so ungefähr das Kontraproduktivste, was man tun kann! Schließlich wollen alle mit ihrer Seite bei Google ranken – mit immer neuen Adressen geht das nicht.

  3. @Claudia: Ich meinte natürlich nur die URL für den Werbeeintrag; für den Teil, der geblockt werden soll.
    Der sollte für Google eher irrelevant sein.