Claudia Klinger am 11. Dezember 2012

Neue Berufsbilder durch Leistungsschutzrecht: Der Umschreiber

Dass das geplante Leistungsschutzrecht für Presseverlage kompletter Unsinn ist, riesige Kollateralschäden verursacht und den Standort Deutschland für StartUps im Netz so attraktiv wie Nordkorea werden lässt, ist nun schon vielfach beschrieben worden.

Deshalb jetzt mal was Anderes, was POSITIVES: Stellt Euch vor, das Leistungsschutzrecht kommt, Google listet die Presseartikel aus und auch alle anderen Aggregatoren müssen so verfahren – was passiert dann?
Werden die User tatsächlich zig Zeitungs-Homepages absurfen, um dort umständlich nach den paar Artikeln von Interesse zu suchen?

Nö. Gewiss nicht. Das Netz fand noch immer eine Lösung für Usability-Probleme. So wird es auch diesmal sein, wobei vermutlich zwei Varianten die Wahrscheinlichsten sind:

  • Kleine ausländische Aggregatoren, gehostet in entlegenen Weltgegenden, übernehmen den Job – betrieben von Auslandsdeutschen, die Mitleid mit dem in die Info-Steinzeit katapultierten Heimatland haben;
  • UMSCHREIBER nehmen die Arbeit auf und sorgen für eine Renaissance der „kommentierten Linkliste“.

Was macht so ein Umschreiber? Ganz einfach: er bezieht per Online-Abo #LSR-geschützte Medien und/oder bekommt die Tipps über gute Artikel aus sozialen Kontakten. Daraus werden „händisch“ (also nicht „technisch-redaktionell“) Empfehlungen mit umgeschriebenen Titeln und selbst geschriebener Kurzbeschreibung erstellt. Fertig ist der „Überblick zum Tag“, der natürlich mit allen bekannten Methoden „monetarisiert“ werden kann: Anzeigen, gesponserte Linktipps, Flattr und Mini-Spenden per Handy.

Evtl. erschließt sich hier ein neues, lukratives Arbeitsfeld für alle, die bisher in „Content-Fabriken“ malochen und sinnlose Texte für Suchmaschinen statt für Menschen schreiben müssen. Eine Win-Win-Situatuation für alle – außer natürlich für die Verlage. Denn allzu viel „Doppelte“ werden es in die Linktipps nicht schaffen. Zudem könnten die Beschreibungen umfangreicher ausfallen als ein „Snippet“, wodurch man sich das Lesen der Artikel sparen kann.

Gefällt nicht? Tja, dann bleibt nur, das #LSR in die Tonne zu klopfen, wo es seit seiner Erfindung auch hin gehört!

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Aktuell zum Thema:

Leistungsschutzrecht: Bundesregierung erwartet gerichtlichen Klärungsbedarf (Antwort auf die detaillierte Anfrage der LINKEN);

Petra Pau zur Antwort:„Die Bundesregierung hat indirekt alle Befürchtungen über die Unwägbarkeiten des Leistungsschutzrechts bestätigt. Die ungeklärten Fragen bleiben ungeklärt, statt dessen verweist sie auf die Gerichte“.

Diskussion

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3 Kommentare zu „Neue Berufsbilder durch Leistungsschutzrecht: Der Umschreiber“.

  1. Liebe Claudia,

    kennst du den Perlentaucher? http://www.perlentaucher.de

    das ist ein etablierter Zeitungs- / Kultur-Agglomatierer … (neues Wort, hihi) und eine prima Seite.

    Die machen sowas!

    Gruss, Connie

  2. @Connie: kenn ich, klar. Aber das ist nicht ganz dasselbe….

  3. […] 121. Irgendwas ist ja immer – Reloaded (1424) 122. Arts by Tini(1428) 123. Iheartberlin (1463) 124. Webwriting-Magazin (1519) 125. laut und leise literatur lesen(1537) 126. bauerngartenfee.de(1567) 127. Der […]