Claudia Klinger am 13. August 2008

Ölpreis binnen eines Monats um 20% gefallen…

…und kein Schwein meldet das der Welt!

Ölpreisanzeiger, Stand 13.August 2008Weil eben immer nur kickt, was katastrophisch klingt und nach Zoff oder Weltuntergang riecht. Alles andere ist sowohl für „seriöse Journalisten“ als auch für die meisten A,B&C-Blogger einfach nicht erotisch.

Also mach ich das halt mal: Den Ölpreisanzeiger, den man auf die eigene Website setzen kann, hab‘ ich neulich entdeckt und seitdem öfter mal drauf geschaut. Am 13.Juli kostete das Barrel Rohöl 145 Dollar – das war die Zeit, als alle ganz panisch die Wirtschaft untergehen sahen und täglich alarmierende Schlagzeilen raus gaben. Dann ging es rapide abwärts mit dem Ölpreis, und das Thema war vom Tisch. Jetzt wurde interessanter, wohin unsere Politiker dieses Jahr in Urlaub fahren, als mal zu melden, dass das große „Unglück“, das eben noch massiv drohte, wieder deutlich geschrumpft ist.

Sowas fände ich zumindest angebracht, wenn man zuvor alles getan hat, um die Leute bestmöglich in Angst und Schrecken zu versetzen. Aber nein, sie kokettieren allesamt lieber mit dem gewissen „Hauch von Apokalypse“, als die Bürger einfach mal kontinuierlich zu informieren, was Stand der (eben noch so schlimmen) Dinge ist.

Wie diese Information dann zu bewerten ist, kann man ruhig dem Leser überlassen, gern auch eine eigene Meinung dazu schreiben, wenn’s das „Format“ gestattet. Aber bitt’schön nicht dieses komplette Ausblenden der „guten Nachricht“!

Warum machen die das so? Einige werden den erzieherischen Effekt in Richtung „umdenken“ nicht konterkarieren wollen, um mal ein honoriges Motiv zu unterstellen. Meist aber wohl eher, weil alarmierte Bürger aufmerksamer sind und mehr Nachrichten aufsaugen als beruhigte.

Wer jetzt den einen oder anderen kleinen Artikel ausgräbt, in dem der fallende Ölpreis doch Erwähnung findet, dem sei gesagt: das sind Tropfen, die Warnungen kamen im Format „heißer Stein“.

Wirklichkeit wird nicht nur durch Falschmeldungen und tendenziöse, einseitige Berichterstattung verzerrt, sondern auch durch einfaches Schweigen über Dinge, die ihr Alarmierungs-Potenzial wieder verlieren. Die Bürger werden so quasi im Zustand eines renditeträchtigen Astma-Anfalls gehalten: immer nur (Sorgen) einatmen, aber nicht ausatmen. Und weil das viele nervt, wehren sich immer mehr Menschen, indem sie die Mainstream-Medien weniger beachten – sei es zugunsten ignoranten Privatisierens oder zugunsten eigenständiger Info-Suche im Netz.

Diskussion

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5 Kommentare zu „Ölpreis binnen eines Monats um 20% gefallen…“.

  1. Zumindest die Süddeutsche Zeitung hat es mitbekommen.

  2. Also die österreichischen Tageszeitungen, zumindest die Qualitätszeitungen, bringen den Fall des Ölpreises auf der ersten Seite des Wirtschaftsteils oder gar auf der Titelseite. Auf der Titelseite ist aber auf fast allen ein Verweis zum Ölartikel zu finden.

  3. Interessant wäre es zu beobachten, ob nun die wg. gestiegenem Ölpreis zuvor gekletterten Anschlußpreise (Benzin et al) auch proportional fielen. Täten sie das nicht, hätte die publizistische Ignoranz dem Fallen des Rohölpreises gegenüber durchaus einen Sinn – den jeder sich dazu denken mag.

  4. […] Zum Vergleich, im August lag der Rohölpreis noch bei 117 Dollar je Barrel […]

  5. interessant das jetzt zu lesen, ein paar Monate später, wo der Ölpreis aktuell um mehr als 50% gesunken ist. Interessant wäre jetzt noch ein Gaspreisanzeiger in Relation zum Ölpreis, ich glaube da würde wir eine Überraschung erleben.