Claudia Klinger am 29. Dezember 2012

Schwer angesagt: Aufruf zur Rückeroberung des Webs und neun Vorschläge, was wir dafür tun können

Johnny Haeusler hat auf SPREEBLICK einen Aufruf zur Rückeroberung des Webs gebloggt, dem ich aus ganzem Herzen zustimme. Immer mehr Kommunikation verschwindet in die sozialen Netzwerke. Eigene, gar selbst gehostete Blogs sind für viele, die sich nurmehr in diesen so ungemein BEQUEMEN Umgebungen aufhalten, gar keine Option mehr. Johnny schreibt dazu:

Vorbei die Zeiten, in denen für die Öffentlichkeit gedachte Inhalte im öffentlichen Raum – dem Web nämlich – stattfanden, wo sie in den meisten Fällen von allen Internet-Nutzern gefunden, gesehen, verlinkt und kommentiert werden konnten. Vorbei auch die Zeiten, in denen die eigene Repräsentanz im Netz gleichbedeutend mit einer eigenen Homepage oder einem Blog war, auf denen ein individuelles Archiv der Meinungen, Links und Netzfundstücke der Betreiber entstand.

Heutzutage vergraben wir unsere kurzen Gedanken und Links in der Twitter-Wüste, unauffindbar nach nur wenigen Tagen. Wir posten längere Artikel bei G+ und können nur hoffen, dass Google den Dienst nicht irgendwann genauso einstellt wie viele andere Dienste zuvor. Und wenn wir das tolle Video suchen, das neulich jemand auf Facebook geteilt hat, dann sind wir aufgeschmissen, sobald die Facebook-Timeline es verschluckt hat.

Wenn bit.ly und andere URL-Shortener den Geist aufgeben, funktionieren Millionen von Links im Web nicht mehr. Würde Apple beschließen, auf iOS-Systemen nur noch Apps und keine Web-Browser mehr zuzulassen, dann hätte das Unternehmen seine Nutzer effektiv aus dem WWW ausgesperrt und ein eigenes Netz kreiert. Doch Apps lassen sich nicht untereinander verlinken, und einzelne Beiträge in News- oder Blog-Apps lassen sich nicht bookmarken. Und wenn Facebook den automatischen RSS-Import von Blog-Beiträgen unterbindet und gleichzeitig privilegierten Unternehmen neue Möglichkeiten gibt, dann ist das Web, wie wir es kannten, tot.

Ich denk mal, Johnny wird mich wegen dieses „Großzitats“ nicht abmahnen :-)!

Was aber können wir tun, um dem Trend entgegen zu wirken? Hier mal ein paar Punkte, die mir dazu einfallen:

  1. Wieder sehr viel mehr andere Blogs verlinken
  2. Selber mehr unter Artikeln diskutieren, anstatt auf FB, G+. gar Twitter;
  3. Blogs einfacher und auch für nicht so Netz-Affine verständlich und übersichtlich gestalten
  4. Mail-Abos anbieten, anstatt darauf zu setzen, dass alle mit RSS umgehen können;
  5. Unsere Blogs designerisch updaten und der Welt unterschiedlicher Bildschirmgrößen besser anpassen
  6. Darauf achten, dass sie auch MOBIL gut lesbar sind;
  7. Wieder mehr Basics erklären: Es gibt nicht wenig Leute, die kaum mehr wissen, was ein Link eigentlich ist oder die Adresszeile im Browser nicht kennen;
  8. Als Webdesigner einfache und preiswerte Angebote zur Errichtung eigener Blogs machen
  9. Das Thema nicht nur zum Jahreswechsel ansprechen und mehr Bewusstsein dafür schaffen, dass das „freie Web“ einen Wert hat – über shoppen und Homebanking hinaus.

Da dieses Blog hier inhaltlich etwas unentschlossen dahin dümpelt, kann ich diese Anliegen gleich als Themenspektrum und Programm für 2013 betrachten!

Packen wirs an!

Hier mehr dazu:

Diskussion

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4 Kommentare zu „Schwer angesagt: Aufruf zur Rückeroberung des Webs und neun Vorschläge, was wir dafür tun können“.

  1. Hallo,

    danke für dieses Statement. Ich habe das Gefühl, dass Sinn und Notwendigkeit, eigene Inhalte auf der eigenen Webseite zu hosten, von immer mehr Webworkern (wieder)erkannt wird. Unlängst las ich einen Artikel des Autors Nicolai Schwarz im t3n Magazin (Leider noch nicht freigegeben: http://t3n.de/magazin/kolumne-zuruck-blog-meins-232042/), der exakt in diese Kerbe schlägt.
    Schon mit dem Aufkommen diverser Facebook-Plugins und API-Möglichkeiten habe ich mich gewundert, wie Blogger das lebhafte Kommentargeschehen ihrer Leser zu Facebook transferierten, anstatt ihre eigenen Seiten damit zu bereichern. Meist sieht das Facebook-Plugin unter’m Blogbeitrag auch noch, mit Verlaub, grottenhässlich aus – allein deswegen kann ich die Entscheidung oft nicht verstehen.
    Schön zu lesen, dass noch mehr Leute ähnliche Gedanken wälzen.

    Viele Grüße
    Ronald.

  2. Durchaus richtig gedacht. Hilft aber nicht gegen die Bequemlichkeit der Menschen.

  3. Was man bei all diesen Aussagen aber auch nicht vergessen darf, ist die Tatsache, dass man schon für kleinste Fehler abgemahnt werden kann und die Gefahr dort, wo schon das Impressum eine Fehlerquelle darstellt, erheblich größer ist, als im Schutze der Facebook- oder G+Gemeinschaft.
    Außerdem ist das ganze drum und dran, wie Einrichtung, Bekanntmachung u.s.w., wesentlich aufwendiger.

  4. Ja, die Menschen sind bequem geworden und niemand hat mehr noch wirklich Lust, sich extra bei einer Blog-Community zu registrieren, nur um einen Kommentar zu hinterlassen.