Claudia Klinger am 26. August 2008

Warum der Jungunternehmer Yannick Eckl sein Blog verkaufen darf

Dass der für sein jugendliches Alter äußerst umtriebige Yannick Eckl sein kommerziell erfolgreiches Blogschrott.net verkauft, hat bei einigen Bloggern Empörung ausgelöst. Warum Blog-verkaufen stinkt macht z.B. Thorsten vom Blogsbeutel am Web2.0-Charakter von Blogs fest: es gehe um die Kommentare und vor allem um die personenbezogenen Daten (E-Mail), die da jetzt den Besitzer wechseln – darf das sein?

Auch Thomas auf Nicht Spurlos schlägt mit Datenhandel 2.0 in die gleiche Kerbe: „Die ihm “anvertrauten” Daten in Form von Kommentaren, Ping- und Trackbacks sollte ein Bloginhaber auch entsprechend vertrauensvoll behandeln, sowohl während des Blogbetriebes als auch bei Stilllgeung bzw. Verkauf der Domain.“

Es ist ja schön, dass im Moment auch Blogger recht sensibel in Sachen Datenmissbrauch reagieren, doch schießt diese Kritik im Fall von Yannick weit übers Ziel hinaus: Der Rechtsnachfolger von Yannick tritt doch mit dem Kauf des Projekts in alle Rechte und Pflichten ein, die mit dem Blog-Betrieb verbunden sind. Er ist also ebenso verpflichtet, jegliche Daten vertraulich zu behandeln wie es Yannick war. Ist der Verdacht, jemand kaufe so ein Blog, um an ein paar läppische E-Mail-Adressen von ein paar Kommentierern zu kommen, an sich schon ein wenig weltfremd, so erscheint mir die Idee, auch Kommentare und Trackbacks, die von den Autoren ins für alle Welt lesbare Web gestellt wurden, als „vertraulich“ zu bewerten, geradezu absurd!

Yannick nimmt derweil den Kritikern den Wind aus den Segeln, indem er die Mailadressen und Kommentare derjenigen löscht, die das so wollen. Es wird dem Käufer wohl herzlich egal sein, ob unter den alten Artikeln mehr oder weniger oder gar keine Kommentare stehen – m.E. überschätzen die Kritiker den Anteil am Wert des Projekts, den diese Beiträge ausmachen. Handelt es sich doch um ein Blog, auf dem mit Werbung mehrere hundert Euro Umsatz pro Monat gemacht wird – ein Kaufpreis errechnet sich üblicherweise eher mittels eines vielfachen Betrags dieser Einnahmen.

Darf ein Jugendlicher so erfolgreich sein?

Und damit sind wir bei der zweiten Säule der Kritik: Wurde Yannick, solange er ein „liebes Kind“ war, als erfolgreicher Jungunternehmer, als „deutsche Web 2.0-Jugend“ und bemerkenswert selbständig belobigt, so gießen nun Kommentatoren Spott über den Jugendlichen aus. Blogschrott.net wird als „privater Blog“ eines Schülers herunter gemacht, der ja noch nicht mal geschäftsfähig sei. Derselbe Michael Kostic seziert auf StoiBär die Yannickschen Aktivitäten und spricht ihm jegliche Kompetenz und Rechtsfähigkeit ab. Dabei sollte doch bekannt sein, dass Jugendliche mit Einverständnis der Eltern durchaus Geschäfte machen dürfen – und das ist GUT SO! (Wer Lust auf den Schlagabtausch in dieser Sache hat, lese die Kommentare auf Stoibär.)

Ein Stück von sich verkaufen?

Einen anderen Aspekt der Angelegenheit formuliert Overberg in Darf man persönliche Blogs verkaufen?: „Wer seinen Blog verkauft, verkauft ein Teil von sich“, stellt er dann fest und schließt ein solches Unterfangen für sich aus. Phase 5 spricht von der „Transplantation eines Blogs“, wenn dessen Autor wechselt: ob das neue „Organ“, der neue Autor vom Gesamtorganismus „Blog“ angenommen werde, stehe in den Sternen und sei eher unwahrscheinlich.

Ja, das ist ein bedenkenswertes Argument, doch kann es ganz gewiss nicht heran gezogen werden, um den Verkauf als illegitim zu diskriminieren. Ob das zukünftige Blogschrott.net Leser finden wird, ist ausschließlich DEREN Sache und Sache des Käufers: Niemand muss dort ja lesen, dem es ohne Yannick keinen Besuch wert ist.

Im übrigen gilt nicht nur für Blogs, dass sie mit viel Herzblut und Engagement betrieben werden. Bei jedem Verkauf bzw. dem Ausstieg aus einem solchen Projekt verliert der Ex-Betreiber „ein Stück von sich“. Arbeitnehmer vermieten ein Stück von sich sogar täglich an ihren Arbeitgeber. Und Yannicks Blog war ja kein persönliches Blog ohne bestimmtes Thema, sondern sehr wohl inhaltlich fokussiert auf Internet-Themen und Technik.

Und selber?

Das Digital Diary würde ich z.B. nie verkaufen, denn es ist sehr autobiografisch und ohne mich als Person nicht denkbar. Bezüglich meiner Themenblogs (Garten, Berlin, Erotik, WWMAG) will ich das nicht für alle Zeiten behaupten. Andere Betreiber wären mit ihnen besser dran als wenn sie ganz von vorne anfangen müssten, die Projekte sind also „etwas wert“. Sollte ich keine Zeit, keine Lust mehr oder plötzlichen Geldbedarf haben, käme ein Verkauf durchaus in Betracht, wenn ich Übernehmer fände, die sie „im selben Geiste“ weiter betreiben. Das ist auf jeden Fall besser als Einstampfen und die Domain frei geben, die sich dann doch nur der nächste Domain-Grabber an Land zieht, glücklich blinzelnd, was ihm da für Perlen ganz kostenlos in den Schoß fallen!

Und was die „persönlichen Daten“ angeht: Hier muss niemand welche abgeben, die E-Mail-Angabe ist lange schon optional.

Diskussion

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19 Kommentare zu „Warum der Jungunternehmer Yannick Eckl sein Blog verkaufen darf“.

  1. Der richtige Name lautet Michael Kostic

  2. danke, hab‘ ich korrigiert.

  3. Endlich mal ein sachlicher Kommentar zu diesem Thema, danke.

  4. Es ist immer noch Sommerloch, da kocht sowas heißer als nötig.

    Gerade Kommentatoren auf Blogs sollten doch soviel Medienkompetenz fürs Web erworben haben, um nicht jetzt gerade kalt erwischt zu werden ob der Tatsache, dass sie auf einer x-beliebigen Website (eine) ihre(r) E-Mail-Adresse(n) hinterlassen und die jetzt in andere Hände gerät.

  5. Ich denke auch, es ist seine Sache, wenn er das Blog verkaufen möchte. Es ist ja auch meine Sache, ob ich ein Blog, das verkauft wurde (egal welches), jemals wieder besuche :-)
    Aber natürlich bringen solche Blogeinträge voller Empörung auch Leser… das nur mal am Rande bemerkt ;-) Es wäre ja sehr unpopulär, einfach schweigend Konsequenzen zu ziehen und sich um seine eigenen Dinge zu kümmern.

    Zu diesem speziellen Blog kann ich nichts sagen, ich habe vor längerer Zeit nur einmal kurz reingesehen und das war es. Daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern.

    Bloggen und bloggen lassen, solange es nicht wirklich rechtswiedrig ist, das ist meine persönliche Meinung dazu, auch generell zum Verkauf von Blogs.

  6. Ich finde es lustig wie viel Publicity er bekommt. Es ist toll, dass es junge Blogger gibt und manche davon erfolgreich sind. Wo soll denn das Problem liegen? Blogs verkaufen, ist auch nicht so mein Ding, aber die Kritik verstehe ich im Bezug auf sensible Daten eher weniger. Eher weil etwas persönlich-behaftetes s verkauft wird.

    Ich kenne Yannick nicht persönlich, aber ich bin von seiner Kompetenz überzeugt. Ich bin zwei Jahre älter als er und mir sagen genügend Leute, dass ich wahnsinnig bin, wenn ich mich darauf berufe den Internetweg als langjährige berufliche Basis einzuschlagen. Dabei ist klar, dass das Alter nur eine Zahl ist – oder zumindest – das genügend Leute genügend Kapazitäten haben um hier weiterzukommen. Gerade im jungen Alter entsteht Energie und Motivation. Die neusten Internetverdiener sind nicht wirklich alt, ich will nicht alles darauf setzen, aber aus gutem Grund sage ich bei Leuten, von denen ich denke, dass sie intelligent sind, dass man sie mal machen lassen soll.

  7. Auch hier nochmal danke Claudia. Mir gingen diese ganzen Gerüchte und das überhebliche Prahlen mit Halbwahrheiten auf den S*ck. Finde ich gut, dass Du das eine oder andere mal klargestellt hast.

  8. das problem ist doch das recht der adressen liegt bei der „firma“ nicht an der person, sprich betreiber.

    sonst müßte ja bei jeder firmenübernahme sämtliche kundendaten gelöscht werden.

  9. Esist wirklich schon immer wieder eine Freude zu sehen, was alles möglich ist im World Wide Web! :)

  10. Danke. Einfach nur: Danke!

  11. Wer hier rummheult verdient nur nix mitm Blog, man schreibt und schreibt und spricht leute an und verdient keinen cent. Nur weil Yannick damit ordentlich Kohle gemacht hat und den Mist dann für gutes Geld verkauft hat braucht ihr hier nicht so neiden. :) Wenn der neue Betreiber einem nicht gefällt brauch man ihn ja nicht mehr lesen

  12. […] Der Verkauf von Blogschrott.net ist nun schon eine ganze Weile her, einige Tage, Wochen und Monate sind seitdem vergangen. Ich muss sagen, dass ich meine Entscheidung in der Vergangenheit nie bereut habe. Nun arbeite ich an spannenden Projekten, kann mich dadurch weiterentwickeln und Spaß haben. Aber bleiben wir bei Blogschrott.net – nach meinem Posting, das ich verkaufe, schien es, als würde für viele Blogger die Welt untergehen. So eine rege Diskussion hatte ich in der Blogosphäre nicht erwartet, auch nicht wirklich gewollt (1, 2, 3, 4, 5, 6). […]

  13. Ich kann mich da Nerds nur anschließen.. ist doch super für ihn, wenn er damit Geld verdienen kann.
    Einfach selbst mal auf gute Ideen kommen ;)

  14. Hm… mit den Daten sicherlich ein schwieriges Thema. Wohl eher eine moralische Frage! Aber ich glaube das recht zum Verkauf hat er auf jede Fälle.

  15. Ich finde das wirklich spannend! Da ist ein junger Mensch mit tollen Visonen in seiner Altersgruppe, der für die Öffentlchkeit ein tolles Forum geschaffen hat. Trotz jungen Alters ist er damit erfolgreich und schafft es auch noch das Produkt seines Traumes erfolgreich zu veräußern. „Willkommen im Club“ kann ich da nur sagen. Wer Erfolg hat erhält auch erfolgreich viele Neider!! Die meisten von uns lernen dies erst später, wenn das Leben ihnen bereits ein kleineres dickes Fell gegeben hat. Die Frage der Daten (-Verantwortung) ist da nur ein Nebenschauplatz um von dem Neid abzulenken und ist juristisch völlig irrelevant.
    „Keep it up, man“

    Markus

  16. Und jetzt ist seoventus offline und der Knabe versinkt in abmahnungen und post von anwälten.

    Trauriger Werdegang aber irgendwie vorhersehbar. Ich machte mich auch mit 18 selbständig und bekam nach wenigen Jahren ein schock vom Finanzamt.. konnte es dennoch alleine bewältigen und habe weiter gekämpft… mal sehen was yannick eckl machen wird.

  17. Komisch…wenn Großkonzerne für Millionen Beträge Daten aufkaufen regt sich niemand auf aber wenn ein „kleiner“ Blog den besitzer wechselt schreien alle auf. Also ich halte das auch für übertrieben und ich glaube nicht das es bei dem kauf um die Daten des Blogs ging.

  18. Danke für die Info. Das hab ich nicht gewusst :-S.

  19. Ihr Grundgedanke laesst sich, glaube ich, auch auf andere Bereiche uebertragen. Deshalb ein dickes Lob von mir. Gruss, MS