Claudia Klinger am 26. Februar 2013

Warum es doch noch Verlage braucht…

Unverbissen vegetarisch - das Buch…hab‘ ich gerade in eigener Sache erlebt. Eigentlich bin ich ja „Netzurgestein“, blogge auf sechs Blogs rund um meine verschiedenen Interessen und begrüße die Möglichkeit, dass man heute ganz ohne Verlag BODs und E-Books produzieren kann. Im Hinterkopf hatte ich lange schon die Idee, zum einen oder anderen Thema selber ein Buch zu machen: größere Zusammenhänge kommen einfach besser ‚rüber, wenn man ungestört etwas Gedrucktes vor sich hat und nicht fortwährend von 1000 Anreizen, anderswohin zu surfen abgelenkt wird. Und wer liest schon gern lange Texte am Bildschirm?

Der Geist war willig, doch fehlte die Konzentration

Dass aus diesen nebulösen Vorhaben nie etwas geworden ist, liegt an meinem „zerfaserten“ Alltag. Immer sind gefühlte 10.000 andere Dinge wichtiger als so ein Do-it-Yourself-Buchprojekt, dessen Aussichten sowohl bezüglich der Verbreitung als auch finanziell betrachtet äußerst unsicher sind. Meine Motivation reichte gerade mal, um ab und an ein neues Blog zu starten, in dem ich dann nach „Bockprinzip“ soviel schreibe, wie ich mag – oder auch nicht.

Als mich dann im November 2011 die Programmplanerin des TRIAS-Verlags ansprach und fragte, ob ich mir „Unverbissen vegetarisch“ nicht auch als Buch vorstellen könnte, war ich zunächst skeptisch: Soviel Aufwand zusätzlich zu meiner Web-Arbeit, soviel Text am Stück? Zudem war ich gegenüber „Totholz-Verlagen“ äußerst kritisch eingestellt und erwartete nichts wirklich Gutes. Andrerseits war und bin ich tatsächlich engagiert in Sachen „pflanzliche Ernährung“ und kann Normalköstlern einiges vermitteln, was die meisten noch gar nicht wissen (ich mag nämlich Fleisch und ohne gute Alternativen, die wirklich nahezu „wie Fleisch“ schmecken, hätte ich den Ausstieg aus der Fleischwirtschaft nicht geschafft!). Warum also nicht die Gelegenheit ergreifen, mal netzfernere Leser/innen erreichen und ansonsten selber sehen, wie es sich mit einem alteingesessenen Verlag arbeitet? Ein fairer Vorschuss tat ein Übriges, mich zu motivieren, denn er nachte es mölich, mir die nötige Zeit auch zu nehmen.

Nur schreiben, sonst nix!

Und heute bin ich glücklich, dass es geklappt hat. Vor mir liegen etliche Autoren-Exemplare, die mir gut gefallen. Allein schon das Layout! Ohne Praxis in DTP hätte ich das selber nie so hinbekommen. Dass dann auch noch eine Illustratorin mitgearbeitet hat, deren witzige farbige Zeichnungen nun vom Text umflossen werden, hätte ich nie erwartet und selber wahrlich nicht finanzieren können. Was mich auch noch – gleich zu Beginn der Vertragsverhandlungen – positiv überrascht hat, war die Reaktion auf meine Bedingungen: ich wollte nicht drauf achten müssen, dass Absätze, die evtl. irgendwo im Buch vorkommen, nicht oder nicht mehr im Blog oder als Kurzposting in sozialen Medien stehen dürfen. Und auch den Titel wollte ich „behalten“, also weiter auch für andere Medien nutzen können. Beides wurde freundlich akzeptiert und in den Vertrag geschrieben.

So konnte ich mich stressfrei allein aufs Schreiben konzentrieren, um alles andere kümmerte sich der Verlag. Auch jetzt, nach Erscheinen, gibt es keinen irgendwie gearteten Druck, am Marketing mitzuwirken – das braucht es auch nicht, denn natürlich freue ich mich, über dieses Buch zu bloggen und hoffentlich ein paar Leute zu inspirieren, sich mal auf das Thema einzulassen.

Wer also Interesse hat:

Insgesamt empfand ich die Zusammenarbeit mit dem Verlag als sehr bereichernd, motivierend und den ganzen Ablauf ziemlich entspannt. Solche Verlagsarbeit ist wirklich Service, der nicht so einfach „selber machend“ ersetzbar ist. Und über den Tisch gezogen bzw. völlig entrechtet wird man auch nicht zwangsläufig – ich bin deshalb ziemlich sicher, dass es solche angenehmen Buchverlage noch lange geben wird!

Ach ja, als E-Book gibt es „Unverbissen vegetarisch“ natürlich auch!

Diskussion

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2 Kommentare zu „Warum es doch noch Verlage braucht…“.

  1. Herzlichen Glückwunsch zu diesem Buch und einem solchen Verlag – das ist toll!

    Wahrscheinlich müsste die Artikelüberschrift lauten:
    „Warum es solche Verlage braucht“, denn ich kenne einige Menschen (ich gehöre auch dazu) die solche schönen Erfahrungen mit einem etablierten Verlag nicht gemacht haben.

    Da tut es gut, solch‘ ein Feedback zu lesen.
    Danke dafür!

    Herzliche Grüsse

    Frank

  2. Es ist schön zu hören, dass es bei manchen Leuten auch mal gut läuft mit den Verlagen. Leider gibt es viel zu viele die einem einfach nur das Geld aus der Tasche ziehen wollen… Das wirft dann selbstverständlich ein schlechtes Licht auf alle übrigen wodurch kleinere Verlage zumeist verschmäht werden. Aber ich schließe mich dir an, grade geht zwar eine gewaltige Entwicklung durch den Buchmarkt aber solche Verlage wird es noch lange geben.