Claudia Klinger am 09. Oktober 2007

Warum kurze Headlines besser sind

Für die Leser, nicht für die Suchmaschinen sollen wir schreiben – dieses „1.Gebot“ aus Googles Richtlinien für Webmaster, das durchaus dem gesunden Menschenverstand entspricht, wird oft zitiert, doch ebenso oft folgt dann ein „ja, aber…“: Was hilft der schönste Inhalt, wenn er nicht gefunden wird?

Eine Maßnahme, um besser gefunden zu werden, ist die Verwendung „suchmaschinenfreundlicher Dateinamen“. WordPress und andere Blog-Systeme lassen sich so einstellen, dass die Überschrift im vollen Wortlaut im URL erscheint. Zum Beispiel heißt DIESER Artikel:

Warum kurze Headlines besser sind

Das Kalkül dieser Methode: Wenn jemand eine Suchanfrage mit den Worten „kurze Headlines“ startet, ist die Chance größer, dass ein Beitrag in den Suchergebnissen vorne steht, der die Suchworte bereits im Namen trägt. So weit, so gut.

Nun ist allerdings nicht jede Überschrift kurz – im Gegenteil, gerade Autoren, die ihre Postings für Suchmaschinen „optimieren“, neigen dazu, auch lange Überschriften zu verwenden, die möglichst viele relevante „Keywords“ enthalten (gut für die Suchmaschine) und den potenziellen Lesern bereits viel über den Artikel mitteilen. Hier mal ein extremes Beispiel aus der letzten Zeit:

„Neue Serie ab Mittwoch: Wie man das Bloggen produktiver und effizienter gestaltet mittels optimiertem Zeit-Management und besserem Organisieren“
.

Man könnte meinen, die sich daraus ergebende elend lange Adresse störe ja niemanden, denn der menschliche Leser sehe doch nur die Überschrift, die – wie hier im Zitat – ordentlich umbrochen und als Linktext korrekt dargestellt wird. Und nicht etwa so:

http://www.probloggerworld.de/index.php/2007/09/25/neue-serie-ab-mittwoch-wie-man-das-bloggen-produktiver-und-effizienter-gestaltet-mittels-optimiertem-zeit-management-und-besserem-organisieren/

Wie ergonomisch ist eine solche Adresse aber jenseits korrekt zitierender Blog-Postings? Ich denke da z.B. an folgende, im Netzalltag gar nicht seltenen Verwendungen:

  • Jemand kopiert die Adresse in ein Kommentarfeld von 450 Pixel Breite, in dem die Adresse vom System automatisch als URL erkannt und als Link gesetzt wird. Wow, da freut sich aber jemand, wie es ihm das Design zerhaut – oder aber der Kommentierer bemerkt es rechtzeitig und unterlässt das Zitieren der URL.
  • Auch in Foren und Communities tritt dieser Effekt auf, gelegentlich werden die URLs vom System verkürzt dargestellt, was auf jeden Fall die Verständlichkeit des ach so gut gemeinten langen Titels zerstört.
  • In so manchem Tool, das Links als URL darstellt (SEO, Preisvergleiche, etc.) fand ich schon verstümmelte URLS, die auch technisch nicht mehr funktionierten, also nicht mehr anklickbar waren.
  • Ganz krass wirken sich lange URLS in E-Mails aus, wenn Person A etwa Freund B auf einen hilfreichen Artikel hinweisen will: es entstehen mehrzeilige Adressen, die der Empfänger in mehreren Copy&Paste-Schritten in die Adresszeile des Browsers zusammen setzten müsste – eine tolle User-Erfahrung, auf die viele gerne verzichten!

Um all diese Nervereien zu vermeiden, gibt es das mittlerweile sehr bekannte und vielfach verwendete Tool TinyURL.com, das zu lange URLs durch kurze ersetzt und so für all die MENSCHLICHEN Anwendungsformen wieder verwendbar macht. Wer aber nurmehr über Tiny-URLs zitiert wird, verliert dadurch Vorteile, die Traffic-bewussten Autoren eigentlich wichtig sein müssten, und handelt sich sogar Nachteile ein:

  • Der Werbe-Effekt des Domainnamens ist verloren;
  • die TinyURL verbirgt das wahre Ziel, was beim User Misstrauen erregen kann;
  • vermutlich bringt eine solche URL nichts für’s Ranking der Site, denn die „wahre URL“ ist im Link-Code nicht enthalten, sondern wird erst per Redirect von TinyUrl.com geliefert (GENAUES hierzu fand ich trotz Recherche nicht und bin für ergänzende Info dankbar!);
  • niemand weiß, wie lange die TinyUrls funktionsfähig bleiben – wenn der Laden dicht macht, führen all diese Links ins Nirvana!

Fazit und Tipp: Kurze URLS sind aus all diesen Gründen vorzuziehen. Wer trotzdem lange Überschriften texten will, kann das – zumindest auf WordPress-Blogs – tun, indem der Artikel zunächst mit einer kurzen Überschrift veröffentlicht wird, die man anschließend verändern, bzw. verlängern kann: Das betrifft dann nur das Title-Tag der Seite, nicht mehr den bereits vergebenen Dateinamen.

Diskussion

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6 Kommentare zu „Warum kurze Headlines besser sind“.

  1. Schöner Artikel.
    In Emails kann man den Umbruch der langen URLs durch einklammern in spitze Klammern, z.B. <http://example.org/&gt; verhindern. Dies wird zumindest in Newsgroups überwiegend so gehandhabt und ich verwende dies auch bei langen URLs in all meinen Emails.

    Wer trotzdem lange Überschriften texten will, kann das – zumindest auf WordPress-Blogs – tun, indem der Artikel zunächst mit einer kurzen Überschrift veröffentlicht wird, die man anschließend verändern, bzw. verlängern kann: Das betrifft dann nur das Title-Tag der Seite, nicht mehr den bereits vergebenen Dateinamen.

    Man kann auch bereits schon beim schreiben die URL-Form ändern und müsste nicht diesen ‚langen‘ Weg nehmen. Das Feld Titelform ist extra dafür gedacht, so kann man einfach dem Beitrag eine lange Überschrift geben und die URL auch ganz anders nennen.

  2. Danke für deine sehr hilfreichen Anmerkungen! Der „kurze Weg“ ist in WP leider alles andere als selbst erklärend. Das Titelform-Feld klebt in der Seitenspalte, eine Info dazu wird nicht geboten – da muss man also erstmal drauf kommen!!! Ich kenne das URL-Feld aus anderen CMS, da steht es direkt über dem Titel und zeigt in Echtzeit die sich ergebende URL an – wer sowas gewöhnt ist, sucht nicht in den Feldern der Seitenleiste danach.. Also nochmal danke!!

  3. Mich erinnern diese langen SEO-Titel manchmal an die Überschriften früher Druckerzeugnisse. Zum Beispiel diese:
    http://gutenberg.spiegel.de/?id=5&xid=974&kapitel=2

    Über die Satzmonster des 17. Jahrhunderts sollten wir aber mittlerweile hinweg sein, finde ich.

  4. ich finde auch das suchmaschinenfreundliche links oder dateinamen schon viel seo-technisch ausmachen können. nachteil dabei ist nur das man diesen link nicht überall bekannt bzw. posten kann. dafür hat er zu viele zeichen.

  5. @Dennis: und ich hasse es, wenn hier SEO-motivierte Kommentare rein gestellt werden! Du hast den Artikel nicht gelesen, das, was du sagst, wird da nämlich in epischer Breite dargestellt und anhand von Beispielen ausgeführt!

    Nun ja, SEOs („Suchmachinenoptimierer“) wollen ja auch nicht LESEN, sondern LINKS ABSTAUBEN. Damit bringen sie die jeweiligen Publisher gegen sich auf, was nicht weiter wild ist, wenn wie hier nur die eigene Seite verlinkt wird.
    Aber: SEOS machen das oft auch für ihre Kunden so, da bleibt dann der Ärger des genervten Bloggers über den Comment-Missbrauch an der Website hängen, die der SEO verlinkt: Link gewonnen, aber Netz-Reputation und Image des Kunden beschädigt – klasse Arbeit!! (Wobei der Link ja wohl meist nicht erhalten bleibt – es sein denn, die Bloggerin lässt ihn extra stehen, damit auch alle schauen können, wer dieser weitblickende Optimierer mit den SEO-Scheuklappen ist!

    Und weil SEOs ja so gerne ALTE Beiträge kommentieren, die ein Blogger evtl. nicht mehr mitbekommt, werd‘ ich jetzt das Modul „letzte Kommentare“ einbauen.
    Weiter frohes Schaffen, lieber Dennis!

  6. […] aber meist wird die Überschrift auch in vielen anderen Zusammenhängen verwendet und da schadet eine zu lange Headline dann doch. Zudem wirken kurze Überschriften einfach aktiver und […]