Claudia Klinger am 25. Februar 2009

Wieviel Blogs braucht der Mensch?

In diesen Tagen gönne ich mir ein Blog-Retreat zum zehnjährigen Bestehen des Digital Diarys: das ist mein „Hauptblog“, das ich 1999 startete, weil ich es müde war, immer wieder neue Projekte zu bewerben, sobald ich über neue Themen schreiben wollte.

Blog-Retreat zum Zehnjährigen des Digital Diary
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Übersicht

10 Jahre technische Updates

Alle paar Jahre passte ich die Technik der neueren Entwicklung an: vom einzigen Frameset auf viele Framesets (damit das Verlinken einzelner Artikel möglich wird), dann der Übergang zu SSI, womit eine Seite erst beim Aufruf aus verschiedenen Bestandteilen zusammen gesetzt wird. Die Abschaffung des alten Tabellen-Layouts und der Umbau in CSS-Design und XHTML kostete mich den letzten Nerv, doch ich lernte, was zu lernen war und trat wehmütig 80% meines Wissens in die Tonne: hoffnungslos veraltet!

Digital DiaryAnfang 2006 stieg ich dann auf WordPress um, eine weitere wesentliche Veränderung. Optisch schaffte ich es, ein „Theme“ zu erstellen, das genauso aussah, wie das Digital Diary immer schon aussah. Jetzt war ich also endlich im Web 2.0 angekommen und genoss die neuen Bequemlichkeiten und die Art, wie über automatische Pings und Trackbacks Vernetzung geschieht, die früher mühsam „händisch“ und per E-Mail zustande kam – WENN man sich die Arbeit machte!

…und vier weitere Blogs.

Da das Phänomen „Bloggen“ nun in aller Munde war, wollte ich nun auch meinen Webdesign-Kunden anbieten, für sie individuelle Themes zu gestalten. Zum Üben erschuf ich erstmal das Modersohn-Magazin: einfach so, um mal ein wenig mit dem Design zu spielen.

Modersohn-Magazin

Ein Blog über meinen Berliner Stadtteil Friedrichshain bot sich da an: viel Grafitti und Streetart ist typisch für diesen Bezirk, so sieht also auch das Blog aus. Was als Experimentierfeld gedacht war, wollte ich dann nicht wieder einstampfen – und so blogge ich da noch heute, neuerdings schreibt auch Susanne mit und erweitert die Themen Richtung Neukölln.

Lustgespinst

Um den Teilnehmern meiner Schreibimpulse-Kurse ein Feld für die Veröffentlichung erotischer Texte zu bieten, folgte als nächstes das Lustgespinst: mittlerweile ist es eine Art erotisches Feuilleton, das ich nur gelegentlich „bespiele“. Immer wenn der Kurs „Erotisch schreiben“ statt findet, kommen wieder neue Stories, dazwischen erscheint dort alles, was mir im Sektor Erotik so über den Weg läuft und „blogbar“ erscheint. :-)

Als mir dann im Sommer 2006 ein Garten mitten in der Stadt zufiel, mit dem ich nie gerechnet hatte, entstand das wilde Gartenblog: Artikel über faules Gärtnern und schöne Pflanzen passten einfach nicht in die bereits vorhandenen Blogs.

das wilde Gartenblog

Jetzt waren es schon vier Blogs und ich beschloss, nun auch das im Jahr 2000 gegründete und mittlerweile still vor sich hin schlafende Webwriting-Magazin als Blog wieder aufleben zu lassen. Es war ja soviel einfacher, mit WordPress Artikel zu schreiben, und wo vier Blogs leben, findet auch ein fünftes noch Platz.

Öfter schon hab‘ ich mir überlegt, mich wieder mehr zu konzentrieren und eines der Blogs abzugeben: mittlerweile sind sie mir aber alle so ans Herz gewachsen, dass ich das nicht mehr fertig bringe! :-)

Diskussion

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6 Kommentare zu „Wieviel Blogs braucht der Mensch?“.

  1. Liebe Claudia, da erblasse ich wirklich vor Ehrfurcht: 5 (!) Blogs?!? Und ich brüste mich gerade damit, dass ich mein einziges täglich befüttere … Mal ehrlich: Wie schaffst du das? Ich vermute dahinter ein super organisiertes Wesen, anders kann ich mir das gar nicht vorstellen.

  2. Ich be-schreibe auch mehrere Blogs zu sehr unterschiedlichen Themen. Seltsamerweise ereilt mich nur bei meinem eigenen – dem einzigen, für das ich nicht bezahlt werde – immer wieder eine Schreibblockade. Geht dir das auch so?

    Bei vier eigenen Blogs hätte ich Sorge, daß die Blockade in die fremden Blogs überläuft.

    Ich kann mich an deine Umstellung auf CSS erinnern – ich war damals noch in der Mailingliste CSS-Design.

  3. Tja, ich muss es immer wieder seufzend sagen: Ich kenne niemand, der so viele Blogs betreibt, wie ich selbst. Sicherheitshalber habe ich sie auch noch nie zusammengezählt, damit mich nicht allein die Anzahl erschreckt.

    Seit ich 2004 mit dem Bloggen angefangen habe, wurden es immer mehr. Zwei habe ich still gelegt, aber auch dort pflege ich immer noch die Kommentare. Zum Arbeiten, Bücher schreiben und Liebe geniesen komme ich trotzdem noch. Es ist einfach schön, bloggen zu können.

  4. Wer zuviele Projekte umarmt, hält nicht mehr fest.

    Viele Grüße,

    Gunther

  5. Das schöne an deinen Blog ist, dass sie trotz Masse nicht an Qualität verlieren. Als ich drei Blogs gleichzeitig betrieben habe, war es mir nicht mehr möglich diese mit dem gleichen Engagement zu betreiben.

    Also Daumen hoch!

  6. @Oekoblogger, @Heide:

    ich wollte ja nicht „Blogs betreiben“, sondern schreiben & kommunizieren. Daran muss man einfach festhalten, auch wenn es sich zum „Blogs betreiben“ auswächst. Das heißt: weiter nach Bockprinzip schreiben und nicht nach irgendwelchen Frequenz-Erwartungen.

    Ich kann hier die RSS-Abos dauernd um 50 schwanken sehen: das sind die, die gleich wieder abspringen, weil es nicht jede Woche eine bestimmte Anzahl Artikel gibt – na und? Ich bin keine Berieselungsmaschine, sondern schreibe nur, wenn ich das Gefühl habe, etwas sagen zu wollen… wenn nicht, dann halt nicht.

    @Thomas Scholz: beim Honorarschreiben kenn‘ ich keine Schreibblockade – nur das Schieben auf den letzten Drücker. Und in den eigenen Blogs kenn ich die erst recht nicht, da ich da ja nicht schreiben MUSS, sondern es nur tue, wenn ich will.

    @Sammelmappe: na, das sind ja auch keine Blogs, in denen du versuchst, ein „Programm“ zu bieten, sondern die du nutzt, um deinen Interessen nachzugehen – eben dann, wenn du willst. Oder nicht?

    @Gunther: erzähl mehr! Was soll ich festhalten? Kommunikativ bin ich eben ein „verteiltes System“…