Claudia Klinger am 05. Februar 2010

Internet mobil? Nicht wirklich – aber ich will endlich aufs Sofa!

Bis kürzlich hatte ich keinen Grund, ans mobile Internet auch nur zu denken. Meist sitze ich nämlich vor dem heimischen Computer, der noch ganz traditionell auf einem Schreibtisch thront und mir mit leisen Lüftergeräuschen die Stille belebt. Hier kann ich „alles machen“ und nichts zieht mich anderswohin.

18 Jahre gesessen

Mein Problem: da sitze ich seit 1992. Das war das Jahr, in dem ich mir meinen ersten PC zulegte. Schreiben, Bilder bearbeiten, ein bisschen programmieren, mit dem blauen Absturzbildschirm von Windows 3.1 kämpfen, Printmedien gestalten – so sah mein erstes digitales Leben aus. 1995 entdeckte ich das Internet, gab vor lauter Begeisterung meinen Job auf, schrieb journalistische Artikel über den „Cyberspace“ (ja, so sagte man damals) , baute 1996 meine erste Webseite und seit `97 bin ich als Webworkerin selbständig. Mein alter Traum von der „Einheit von Leben und Arbeiten“ wurde wahr und ich verdiente nun Geld mit dem, was ich auch freiwillig am liebsten tat. Die Kunden kamen von selber, meine Webseitenlandschaft wuchs, die Dotcomblase blähte und platzte und der Milleniumbug enttäuschte die Erwartungen auf Weltuntergang. 9/11 ließ mich ein paar Tage stumm vor Schreck, doch auch da saß ich vor dem Bildschirm, mit Spannung verfolgend, was geschah.

Sitzen, sitzen, sitzen…

Jahr um Jahr, morgens, mittags, abends, nachts. Nicht durchgängig, nein – aber insgesamt viel zu lange. Immer ergonomischeres teures Gemöbel hilft auch nichts: ES GEHT NICHT MEHR, ich leide wie ein Schwein! An der Lendenwirbelsäule sind vermutlich Nerven geklemmt und verursachen fluktuierende Taubheiten in den Beinen, die paradoxerweise beim Laufen heftig schmerzen können. Beuge ich mich dann vor oder lege das Bein auf ein Geländer hoch (in meinen üblichen „Sitz-Knick“ also), kommt die Empfindung wieder zurück. Noch…

In einer normalen Sitzhaltung halte ich schon lange nicht mehr aus und den Schneidersitz hab’ ich auch schon verbraucht. Zur Zeit hocke ich meist in einer Art Fersensitz auf dem Stuhl und wechsle ab und an ins Sitzen, Beine unter dem Tisch hoch gelegt – der Papierkorb mit einem Kissen drauf als Stütze.

Aber egal wie, nach ein paar Stunden wird es zur Qual. Und ja klar, ich unterbreche auch mal, lege mich hin, koche mir was, geh’ zum Lädchen einkaufen, mache gelegentlich Yoga, besuche ein Fitness-Center – hilft aber alles nichts. SITZEN wird immer mehr zur Qual.

Internet im Bett?

Na, mindestens im Liegen! Surfen auf dem Sofa scheint meine Zukunft zu sein. Und dazu brauch’ ich endlich ein Gerät, mit dem ich gemütlich rumliegend surfen, bloggen, Webseiten pflegen und kommunizieren kann. Netbook ante Portas – mehr dazu alsbald in diesem Theater!

Diskussion

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10 Kommentare zu „Internet mobil? Nicht wirklich – aber ich will endlich aufs Sofa!“.

  1. […] Wochen beschäftige ich mich mit dem anstehenden “Einstieg ins mobile Internet”, der mir vom Körper aufgezwungen wird. Der mag einfach nicht mehr so lange vor dem PC sitzen […]

  2. Ähm, ich habe ebenfalls ’96 meine erste Webseite gebaut und sitze ebenfalls den ganzen Tag am PC. Was hindert Dich daran, Dich ausgleichend zu bewegen? Laufen, Radfahren, Schwimmen … Ein Netbook um die Symptome zu vermeiden ist ganz sicher nicht der richtige Weg.

    Oder habe ich den Artikel mißverstanden?

  3. @Andreas: soviel „Ausgleich“ kann ich gar nicht machen, dass all die Stunden, die ich (gern!) vor dem Monitor verbringe, ausgeglichen würden. Ich schrieb ja, dass ich durchaus solche Dinge mache (wenn nicht grad Winter ist, bewege ich mich auch im Garten) – aber dennoch sitze ich insgesamt zuviel. Also werde ich einen Teil von „Arbeit & Spiel“ in Zukunft eben halb liegend erledigen – dann ist jedenfalls die Wirbelsäule nicht im Sitzstress und es ist schon viel gewonnen. Hoffe ich jedenfalls… (bis zum Dekubitus dauerts dann nochmal ein paar Jahre.. :-)

    Sei froh, dass es dich noch nicht so trifft!

  4. Hi,

    na, da wäre doch ein iPad vielleicht das richtige für dich!

  5. Das tut mir echt leid, Claudia!

    Ich lese und schreibe seit einiger Zeit alles per Netbook (eeePC). Per WLan verbunden, nehme ich ihn im und um´s Haus mit, wohin es mir gerade einfällt. Ich kann ihn mit einer Hand halten und mit der anderen tippen.

    Etwas mehr Bewegung, auch Abstand vom Bildschirm, solltest Du Dir aber vielleicht gönnen, wenn der Körper schon darum bittet. Einfach Spazierengehen. Das rechte Maß und so. :)

    Liebe Grüße!

  6. nachdem ich auch dem Hype des Nebooks aus deinen oben aufgefuehrten Gruenden erlegen bin und mir letztes Jahr im September eins zugelegt habe, muss ich anmerken, das mir dieses Ding einfach nicht gefaellt. Es ist eindeutig zu klein und ich bin nur noch am scrollen….

  7. Was anderes als ein Laptop kommt für mich gar nicht mehr in Frage. Netbooks sind mir aber zu fitzelig und zu schwachbrüstig. Die sind was für den extremen Unterwegs-Einsatz, finde ich. Das von Wolfang erwähnte iPad sehe ich eher als Konsumenten-Gerät und weniger als Produzenten-Gerät. Ich möchte jedenfalls nicht auf eine physische Tastatur verzichten, die fest und dennoch flexibel am Bildschirm befestigt ist ;-)

    Insofern: Schau Dich auch bei den „ausgewachsenen“ Laptops um, die kosten heute ja auch nicht mehr die Welt.

  8. Danke für Euer Interesse und die Erfahrungen. Im nächsten Beitrag steht, wie es mit meinen Kaufplänen weiter ging.

    Tablets ohne physische Tastatur kommen für mich auch nicht in Betracht – ich will ja nicht nur drauf twittern!

  9. […] lesen, bewerten, lernen – und all das wollte ich nun ganz gerne auch bloggen! Beginnend beim Anlass der Suche, fortfahrend mit der Qual der Wahl (Netbook? Notebook?) und dem Schwanken zwischen zig […]

  10. Sehr schöner Beitrag. Der bringt genau meine Gedanken dazu auf den Punkt. Grüße aus Berlin. Micha