Claudia Klinger am 19. September 2009

Nutzungsvarianten im heutigen Web: Zersplitterung ohne Ende

Im Rahmen meiner Umfrage im Digital Diary bezüglich eines neuen Blogprojekts hat sich wieder mal gezeigt, wie krass sich der Blick ins Netz und die jeweilige Art der Nutzung bereits unterscheidet.

Man kann etwa folgende Nutzer-Generationen benennen (ich zitier einfach mal aus dem Diary-Beitrag):

  • Projekt-Surfer: das Web wird als virtueller Raum gesehen, in dem man verschiedene “Orte”, nämlich einzelne Webprojekte “besucht”. Um nach Neuem zu schauen, werden die Seiten im Browser aufgerufen, gemerkt wird der Projektname (z.B. Digital Diary).
  • Feed-Leser: angesichts der allzu vielen Quellen wird nicht mehr das Projekt “angesurft”, sondern es werden die RSS-Feeds abonniert (eine von allem Design befreite, sich automatisch aktualisierende Liste mit den letzten Artikeln). Die Feeds überschaut man in einem Feedreader und sieht so schnell, ob es etwas gibt, was man gerne lesen möchte. Feeds gibt es als Volltext-Feeds (MIT dem ganzen Artikel) oder nur mit Überschrift und ersten Sätzen. Im ersteren Fall braucht die Website gar nicht mehr besucht zu werden: viele Leser präferieren diese Variante, wogegen viele Publisher die andere bevorzugen (man will ja noch “besucht werden”). Das Web ist hier kein “Raum”, sondern ein Inhalte-Speicher, der ordentlich sortiert im “eigenen” Programm zur Ansicht gebracht wird. Gemerkt werden meist Artikel, nicht Projekte: sie landen in Social Bookmarking-Tools wie z.B. Mr. Wong.
  • Web 2.0-Affine: für sie ist das Web weder Raum noch Speicher, sondern Strom (von Nachrichten) und Schwarm (von Sendern). Wer nicht mitschwimmt und nichts sendet, existiert nicht. Man taucht in den Strom mittels Nutzung unterschiedlichster Dienste und Communities (Twitter, Facebook, Friendfeed, etc.), deren jeweilige Inhalts-Ströme man ganz individuell zur Ansicht bringt, wofür es unzählige Progrämmchen gibt. Blogartikel werden nicht in deren Kommentarspalte kommentiert, sondern in den jeweiligen Communities.

Wer jetzt meint, die letzte Variante sei nur was für jugendliche Nerds, der irrt: “Aktuellen Zahlen des Webportals Inside Facebook zufolge erzielt die Social-Networking-Community derzeit in den USA die höchsten Userzuwachsraten bei Frauen im Alter zwischen 55 und 65 Jahren” (Quelle: Ables Bar)

Eine weitere, derzeit schnell wachsende User-Gruppe sind die Mobilen, die über Smartphones ins Web gehen – ein für mich viel zu reduzierter und noch dazu kostenintensiver Blick ins Netz.

Persönlich finde ich die Zersplitterung und Zerstreuung, die mittels der „Ströme“, Aggregatoren und diversen Community-Plattformen eingetreten ist, ziemlich nervig. Es ist nicht leicht, all die verschiedenen User-Gruppen und Gewohheiten gleichermaßen zu bedienen – und im Grunde gehts mir ja um die Inhalte. An IHNEN will ich arbeiten, nicht vor allem an ihrer Verbreitung.

Diskussion

Kommentare abonnieren (RSS)
6 Kommentare zu „Nutzungsvarianten im heutigen Web: Zersplitterung ohne Ende“.

  1. ich empfehle: konzentriere dich weiterhin darauf, gute inhalte zu liefern. der mündige leser muss in der lage sein, sie in der form zu abonnieren oder aufzunehmen, die ihm zusagt. seit es rss gibt, sollte das auffinden der inhalte wirklich nicht mehr das problem sein. (ich überlege noch, wozu ich gehöre: vermutlich projektsurfer + rss-abonnent *), aber ich bevorzuge die auffassung, dass ich menschen besuche, in ihrem virtuellen heim. du bist für mich kein projekt, sondern immer noch der mensch claudia klinger mit seinen vielen facetten. :-) )

    *) ich nutze rss aber nur als ersatz für eine update-mailingliste, sprich lasse mich via rss benachrichtigen, dass es was neues zu lesen gibt und lese das dann aber bewusst auf der eigentlichen homepage. deshalb zeigt mein rss-reader die feeds auch alle gekürzt an, egal ob fullfeed oder nicht.

  2. Aber wie sehr musst Du Dich denn um die Verbreitung kümmern? Gerade Blog-Systeme – wie hier WordPress – bieten doch die gestaltete (Blog) und die rein inhaltliche, artikelbezogene Darstellung (RSS) an.
    Ob das dann vom User als Einzelartikel bei delicious gebookmarkt wird, auf Deiner Seite gelesen oder via Link bei facebook weiter verbreitet – wo ist ür Dich der Unterschied?

  3. das ist mir immer alles zu wissenschaftlich. ich surfe, weil es mir spass macht und ich habe eine webseite, weil es mir spass macht. manchmal veröffentliche ich 10 beiträge am tag, die nur mich interessieren, manchmal keinen. was solls. hautpsache spass.

  4. Klar, am wichtigsten ist der Inhalt und auf den soll man sich konzentrieren. Trotzdem nervt es manchmal ein wenig, wenn ich mitbekomme, dass ein Gespräch zu einem guten Artikel unter der Facebook-Meldung statt findet und nicht im jeweiligen Blog, das dann „aussieht“, als interessiere der Content grad keinen.

    Und das ist nur EIN Beispiel…

  5. das sind schon gute Zusammenfassungen, so in etwa könnte man die Internetnutzer kategorisieren.
    Wobei hier einige auch gleich mehrere Kategorien beanspruchen.

  6. Gute Kategorien, trifft es auch meiner meinung nach ziemlich gut!
    Die letztgenannte gruppe ist wohl die, mit denen kommerzler die meiste kohle verdienen können!