von Claudia Klinger, 16. Januar 2012, 13:03

Google auf der falschen Spur: personalisierte Suche und Google+

Es scheint so etwas wie ein universelles Gesetz zu sein: wird ein Unternehmen ZU groß und dominiert den Markt über längere Zeit, dann verliert es den Blick fürs Wesentliche, auch für das, was den Kern des großen Erfolgs ausmachte.

Mit der “personalisierten Suche” und deren Verstrickung mit dem eigenen sozialen Netzwerk Google+ ist Google auf dem besten Weg, seine Kernkompetenz auf dem Altar des Wachstums um jeden Preis zu opfern. Martin Weigert kritisiert die neuen Entwicklungen auf Netzwertig.com so:

Bei vielen von mir getesteten Suchwörten wimmelte es auf der ersten Ergebnisseite von Links zu Einträgen meiner Google+-Kontakte. Dass diese tatsächlich relevanter sind als die Websites, die bisher unter den ersten zehn Resultaten platziert waren, kann ich nicht glauben. Es entsteht der Eindruck, Google zwingt sich dazu, auf der ersten Suchergebnisseite Inhalte aus meinem Google+-Netzwerk aufzulisten – in der irrtümlichen Annahme, diese hätten für mich per se eine hohe Relevanz.

Wenn schon, dann müssten auch FB- und Twitter-Profile und Meldungen erscheinen, dann wär’ es wenigstens “ausgewogen”. Aber selbst dann: Wie kann man nur auf die Idee kommen, die Postings der ca. 350 Leute, denen ich auf GPlus folge, seien für mich ähnlich relevant wie jene, die der in Jahren erarbeitete und fortwährend weiter entwickelte Google-Algorithmus als “allgemein relevant” auf die erste Seite brachte?

Da folge ich z.B. 30 Leuten mit Interesse am Thema “Garten”, mit anderen verbindet mich der berufliche Sektor oder ein Faible für Yoga. Den meisten folge ich mehr oder weniger zufällig, weil sie irgendwann irgendwo mal was Interessantes gesagt oder geteilt haben. Will ich nun was Aktuelles zur Finanzkrise lesen, gibt es nicht den geringsten Grund, warum die Empfehlungen der “Verfolgten” relevanter sein sollten als das, was der entlang an 200 “objektiven” Kriterien agierende Algorithmus zu Tage fördert?

Wenn ich per Google suche, will ich nicht zuvorderst wissen, was meine “Freunde”, Bekannten und zufällig Verfolgten meinen, sondern was MAN dazu so schreibt, bzw. was für Webseiten zu dem Thema lange schon Profundes bringen.

Ich werde die personalisierte Suche ausschalten. Sie ist NICHT das, was ich von Google hauptsächlich will!

von Claudia Klinger, 13. Januar 2012, 11:39

Sieben Gründe, NICHT auf Blogs zu kommentieren

Vorab: ich bin ein großer Fan von Blog-Kommentaren und bedauere es, dass die sozialen Netwerke viel Resonanz von Blogs abziehen. Z.B. in meinem Digital Diary ergeben sich oft intensive, tief schürfende Gespräche, die ich nicht missen möchte.

Hier soll es aber mal um die Hürden gehen, die vom Kommentieren abhalten – auch mich, obwohl ich verdammt gerne kommentiere! Als da sind: weiter…

von Claudia Klinger, 8. Januar 2012, 12:47

SOPA: monströses Gesetzesvorhaben der Urheberrechtslobby droht auch Europa

Was in den USA durchgesetzt wird, droht alsbald auch Europa. Im Avatter-Blog gibts einen informativen Artikel über das krasse Regulierungsvorhaben, dessen Auswirkungen das Netz, wie wir es kennen, massiv beeinflussen will:

“Ende Oktober 2011 wurde der Gesetzentwurf zum Stop Online Piracy Act (SOPA) eingereicht, derzeit debattiert darüber noch der Justizausschuss im Repräsentantenhaus (PDF des Antrags). Die bislang besprochenen Maßnahmen sollen Rechteinhaber dazu befähigen, Websites, auf denen urheberrechtlich geschützten Material ohne Erlaubnis gefunden werden, direkt lahmzulegen. Eine richterliche Erlaubnis soll dazu nicht erforderlich sein. In der Praxis kann das so aussehen: Wird ein unrechtmäßig kopiertes Video bei YouTube entdeckt, können Service-Provider (auch außerhalb der USA) angehalten werden, den Zugang zur Plattform zu sperren. Der exegetische Spielraum der Gesetzvorlage ist monströs – heißt: jeder kann fast nach Belieben frei interpretieren und assoziieren. Die juristischen Folgen für Verweigerer sind hingegen ziemlich eindeutig. Es geht um schwere Straftatbestände.
Obwohl SOPA in den Staaten noch nicht Gesetz ist, üben die Amerikaner bereits seit Wochen Druck auf Europa aus – die westlichen Industrieländer sollen alle an einem Strang ziehen.

Google, Facebook und Amazon denken über einen “kollektiven Blackout” nach, mit dem sie gegen das Gesetz protestieren könnten. Italiens Wikipdia hatte dieses “letzte Mittel” kürzlich erfolgreich angewendet: ein Gesetzesentwurf in Italien, der “beleidigten Personen” ein uneingeschränktes Recht auf Gegendarstellung einräumen wollte, verschwand daraufhin in der Schublade.

Ein ähnlicher schneller Sieg ist in Sachen SOPA allerdings nicht zu erwarten – zu mächtig ist die Lobby der Unterhaltungsindustrie, der es herzlich egal ist, wieviel Kollateralschäden ihr Kampf gegen “Piraterie im Netz” zeitigt.

von Claudia Klinger, 29. Dezember 2011, 11:35

Das Volk vor Facebooks Timeline schützen?

Eine “harte Gangart” gegen Facebook kündigte die Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner dieser Tage an. Insbesondere die neue Timeline ist ihr ein Dorn im Auge, in der User ihre persönliche Geschichte bis zurück zur Geburt eingeben können. ABSURD findet sie das, es sei “das Gegenteil von Medienkompetenz”, denn diese verlange, sparsam mit persönlichen Daten umzugehen.

Vor wem sollen wir hier beschützt werden? Doch offensichtlich vor uns selbst, denn niemand ist ja gezwungen, die angebotene Timeline exzessiv mit Daten zu befüllen. “Medienkompetenz” heißt in meinem Verständnis immer noch, zu wissen, was man tut, Risiken zu kennen und abzuwägen und dann eine bewusste, verantwortliche Entscheidung zu treffen. Und nicht etwa, von Politikern vordefinierte Standards im persönlichen Daten-Streuverhalten einzuhalten!

Alle Welt würde sich an den Kopf greifen, würde ein Politiker etwa Straßenverkehrskompetenz als Pflicht zum Verzicht auf alle “unnötigen” Autofahrten definieren oder anraten, möglichst wenig aus dem Haus zu gehen, weil ja draußen doch etwas passieren könnte.

Absurdes Theater! Und vor allem: wie und mit welchen Rechtsmitteln will man den Usern die Timeline verbieten? Wo hört das auf? Sind nicht auch persönliche Blogs oft voller persönlicher Daten? Das alles müsste dann auch weg, damit auch wirklich keine Gefahren mehr drohen.

Ich möchte selbst bestimmen, was ich mit meinen Daten mache. Und wenn ich entscheide, dass ich “gläserner Bürger” sein will, dann sollte mich niemand zwangsschützen, sondern umfassend informieren. Mehr nicht.

von Claudia Klinger, 16. Dezember 2011, 11:30

E-Mail: verlässlich, nachhaltig, unverzichtbar

Wer nutzt noch E-Mails und wie? Das ist Thema des aktuellen Webmaster-Fridays, das ich hier gerne aufnehme.

email“Vorsintflutlich” nennt Martin Mißfeldt E-Mail-Programme, die noch auf dem eigenen PC laufen. Ja, das mag manchen merkwürdig vorkommen, doch will ich darauf keinesfalls verzichten. Ich nutze noch immer das alte AK-Mail, das schon seit Jahren nicht mehr weiter entwickelt wird. Damit verwalte ich acht Mail-Accounts, die verschiedenen Themen und Blogs zugeordnet sind. 90.000 E-Mails sind derzeit gespeichert, es geht zurück bis 2003. Auf früheren Sicherungs-CDs müssten noch weit mehr existieren, so zurück bis Mitte der 90ger – aber sicher bin ich mir da nicht, wer guckt schon alte Daten-CDs durch (und ob die noch laufen, ist ja auch fraglich). weiter…

von Claudia Klinger, 18. November 2011, 16:19

Wegen Google: Crazy Girl startet CouchCat.de

Als Crazy Girl kennt man sie: die Webworkerin mit der spritzigen Schreibe und dem großem Talent in Sachen Kommunikation ist schon viele Jahre eine beliebte Adresse für Tipps und Tricks rund ums Bloggen, Geld verdienen und Selbständigkeit.

Website-Header Crazy Girls Tipps

Dass sich Tanja Preuße nicht darauf beschränkt hat, sondern auch Themen wie Fitnesstraining, Ernährungstipps und KATZENCONTENT (Yes!) munter drunter mischte, wurde ihr allerdings bei Googles “Panda-Update” zum Verhängnis. weiter…

von Claudia Klinger, 8. November 2011, 12:56

Wohin gehst du, Mister Wong?

Das bekannteste Social Bookmarking-Portal Mister Wong sucht einen Käufer. Im Normalfall ist mir ein Betreiberwechsel kein Blogposting wert, doch in dem Fall mach’ ich eine Ausnahme. Weil ich nämlich nicht glaube, dass der geplante Verkauf allein dem prosperierenden Geschäft der Muttergesellschaft zu danken ist, wie Geschäftsführer Kai Tietjen laut Netzpolitik.org verkündet. Das Personal müsse sich um Großkunden kümmern, da bliebe dann halt nicht genug Zeit, das “immer noch total spannende Projekt” weiter zu führen.

Für mich klingt das nach Schönrednerei: Wäre bei Mister Wong nämlich alles im Lot, ließen sich aus dem Projektumsatz heraus die erforderlichen Mitarbeiter bezahlen. Dass dem nicht so ist, wundert nicht. Zwar hab’ ich keine Zahlen, liege aber vermutlich nicht falsch mit dem Eindruck, dass Werbung auf Mister Wong keine Erfolgsstory ist. Trotz aller Versuche, mittels “sozialer Features” mehr Interaktion und Kommunikation der User anzustoßen, ist die Nutzung doch recht schmalspurig geblieben. Wer hat schon Zeit und Lust, neben FB, Google+ und Twitter noch auf einem Bookmarkportal zu posten? weiter…

von Claudia Klinger, 26. Oktober 2011, 10:59

Gibt es ein Recht darauf, eigene Daten an Facebook senden zu lassen?

Die Frage mag seltsam klingen, kennt man solche Fragen doch eher mit umgekehrter Tendenz: Wie kann verhindert werden, dass Facebook & Co. in großem Stil Daten über Personen sammeln und für beliebige Zwecke einsetzen?

Für die letztere Art “klassischen Datenschutz” setzen sich derzeit unsere beamteten Datenschützer ein, allen voran der Kieler Thilo Weichert. Es geht u.a. gegen den “Like-Button”, der Daten der Surfer nach USA überträgt, im Grunde aber gegen die Netzwerke insgesamt: “Das zentrale Problem sind diese Dienste selbst”, sagte der Bundesdatenschutzbeauftragte während der Anhörung über soziale Netzwerke im Bundestag.

In der letzten Woche war bekannt geworden, dass Facebook Möglichkeiten prüft, die Datenübermittlung bei Surfern aus Schleswig-Holstein einzuschränken. Ein ganz schön verrückter Ansatz für ein globales Unternehmen, aber in gewisser Weise auch konsequent: Ihr wollt es nicht? Dann kriegen es die Bürger in eurem Land eben nicht, kein Problem! Erinnert an das bereitwillige Verpixeln der Fassaden, wenn auch nur ein Mieter das verlangte – und das den begehbaren Stadtplan Streetview in Deutschland so ungemein verhässlicht hat.

weiter…

von Claudia Klinger, 24. Oktober 2011, 20:59

Das Internet – doch keine eigene Welt? (Gastbeitrag)

In Resonanz auf “Das Ende des Internets” hat Anando Lechner den folgenden heiteren Text verfasst. Ich bedanke mich für den Gastbeitrag!
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»Das Internet darf kein rechtsfreier Raum sein!«
»Lieber Kollege, das Internet ist weder rechtsfrei, noch schafft es einen Raum. Es ist ein Kommunikationsmedium. Mehr nicht.«

»Geschätzte Kollegin, ich las neulich ‘Dieses Video ist in deinem Land nicht verfügbar.’ Was wird hier denn künstlich konstruiert?«
»Jedenfalls kein Raum. Da wird nur die Reichweite von Kommunikation eingeschränkt.«

»Die Reichweite wird begrenzt? Es wird im Netz eine Staatsgrenze gezogen! Implizieren Grenzen denn nicht Räume?«
»Rechtsräume vielleicht, das ist was anderes.«

»Und Virtuelle Realitäten? Second Life? MySpace, “mein Raum”, Kreise? Hier werden doch mit simulierten Existenzen artifizielle erfahrungsreduzierte Digitalwelten betreten.« weiter…

von Claudia Klinger, 11. Oktober 2011, 11:17

Stell dir vor, es gäbe ein lokales, soziales Netz….

Berlin Friedrichshain, im Jahr 2014, Freitag Nachmittag.

Silvia B. übt seit einem halben Jahr Yoga und denkt beim Blick aus dem Fenster: Tolles Wetter, genau richtig für Draußen-Yoga. Gedacht, getan: “18 Uhr Yoga-Treff auf dem Boxi – wer kommt?” tippt sie in ihre Statuszeile. Die Meldung ist für Anwohner/innen und Besucher im Umkreis von einem Kilometer lesbar, zudem von allen, die über das Interesse „Yoga“ mit ihr vernetzt sind. Auch auf den thematisch sortierten schwarzen Brettern taucht ihr Anliegen auf – und siehe da: Fünf Leute melden sich, drei davon kennt Silvia schon, einer ist neu und eine Touristin ist auch dabei, die den Vorschlag per Handy mitbekommen hat. weiter…