von Claudia Klinger, 23. August 2010, 11:29

Buzz Kill: Und niemand merkt, dass du verschwunden bist

Leo Laporte (Leoville Blog) hat etwas erlebt, das all sein Denken und Fühlen über “Social Media” über Nacht grundstürzend verändert hat. Er war einer derjenigen, die gerne alles Neue mitmachen und sich bereitwillig auf immer neuen Social-Media-Seiten aktiv einbringen. Er liebte die vielfältigen Vernetzungsmöglichkeiten und glaubte an das “magische Potenzial” der sozialen Medien, die Menschen besser denn je zusammen zu bringen.

Als Googles Buzz erschien, war er begeistert von der intelligenten Kombination verschiedenster Features, die auf anderen Plattformen so nicht zu haben waren. Bald nutzte er Buzz exklusiv (statt Twitter, Friendfeed, Facebook, die nur noch beliefert wurden) und bald folgten ihm 17000 Leute. Er war glücklich. weiter…

von Claudia Klinger, 20. August 2010, 14:29

Streetview: Was werden Gerichte in Sachen verpixelter Häuser demnächst verhandeln?

Google ist wieder mal sehr entgegenkommend: Die Frist für den Vorab-Einspruch wurde verdoppelt, und auch nach dem Streetview-Start kann noch jeder, der mag, “sein” Haus in der künftigen Streetview verpixeln lassen. Aber: ist das auch rechtens?

Was viele begrüßen, wirft eine Reihe rechtlicher Fragen auf, die schon bald die Gerichte beschäftigen könnten. Denn dass der bisher öffentliche Raum mit seiner Panoramafreiheit in der neuen digitalen Variante nun dem Belieben der Anwohner und Hauseigentümer unterstellt wird, dient mitnichten einer Befriedung: Es braucht nur wenig Fantasie, um sich künftige Konflikte auszumalen, die den hierzulande sowieso besonders gern ausufernden Nachbarschaftsstreitigkeiten eine neue Dimension geben könnten.

Im Moment tobt der mediale Kampf noch um die grundsätzliche Frage: Streetview ja oder nein, bin ich dafür oder dagegen. Wenn der Dienst allerdings mal eingeführt ist und - wie wohl kaum jemand bezweifeln wird - auch umfänglich genutz wird, kann das anders aussehen. Denn Einigkeit unter den Anwohnern, Eigentümern, Hausverwaltungen und Gewerbe-Mietern wird eher die Ausnahme sein als die Regel.

Was passiert bei sich widersprechenden Wünschen und Einsprüchen?

Es ist ja nicht bloßer Gag, was Sascha Lobo als Formular für den “Widerspruch gegen den Widerspruch” ins Netz gestellt hat. Zum Fall der Uneinigkeit gab es in der letzten Woche die widersprüchlichsten Aussagen. So berichtete die TAZ, die Mieter müssten sich laut einer Google-Mitarbeiterin “selbst abstimmen”. Also erstmal eine Hausversammlung? Und was, wenn die auch keine Einigkeit bringt? weiter…

von Claudia Klinger, 20. August 2010, 10:06

Sieben bemerkeswerte Artikel zur Streetview-Debatte

  1. StreetView: Es gibt kein analoges Leben im Digitalen. (CARTA). “Street View ist der Einschlag des digitalen Zeitalters direkt vor die Füße des analogen Menschen. Es ist das Signal an alle, die sich bis dato in ihrer analogen Sphäre sicher fühlten, dass diese Sicherheit nun ein Ende haben wird.”
  2. Die neue Welt ist nackt (ZEIT) - “Wie verhalten wir uns in einer Welt, in der das Internet alles aufzeichnet, jederzeit jede Information bereithält und nichts vergisst – kein noch so peinliches Onlinefoto, keinen Twitter-Eintrag, keinen blöden Kommentar in einem Chatroom? Oder, anders formuliert: Wie lebt es sich in einer Welt ohne Geheimnisse? Ist das dann die Hölle? Oder das Paradies?”
  3. Öffentlicher Raum im Internet (Themenriff) - “Wenn wir also so etwas wie einen “öffentlichen Raum” im Internet haben wollen, dann müsste die Bereitstellung der Infrastruktur des Internets zukünftig in der Verantwortung des Staates liegen, inklusive der Bereitstellung eines freien und kostenlosen Zugangs. “
  4. Von der Notwendigkeit eines neuen Begriffs von Öffentlichkeit (HIER) - “Wer durch seine Privatsphärenversiegelung die Kommunikation aller anderen behindert, wird in Zukunft schal angesehen werden. Als – ja – unsozial. Eine informationelle Form des Geizes.”
  5. Sie haben Jehova gesagt. Zur Streetview-Debatte. (Matthias Richel). “Ihr wollt, dass Deutschland im Internetzeitalter ankommt? Tja, dann nehmt die Leute mit und gebt ihnen nicht das Gefühl, entrechtet zu werden. Denn ja, darum geht es hier nur: Gefühle. “ (sehr emotional ist auch der Artikel selbst!);
  6. Alles begann mit der Postkarte (SZ) - “Schon vor eineinhalb Jahrhunderten geriet die allgemeine Neugier in Konflikt mit dem Urheberrecht. Seit 1876 erlaubt es, Fotos von Häuserfassaden zu veröffentlichen. “
  7. Wie Schweden Street View feiert: Dazugehören dank Google (TAZ). “Schweden hat eine Tradition der Offenheit, nicht der Abschirmung. Es gibt nicht nur das “Allemannsrätt”, ein als Gewohnheitsrecht verankertes “Jedermannsrecht”, das zur Freude von Touristen eine begrenzte Nutzung der Natur auch ohne Erlaubnis des jeweiligen Grundeigentümers erlaubt, sondern auch das verfassungsrechtlich verankerte “Öffentlichkeitsprinzip”. Prinzipiell ist die gesamte staatliche Tätigkeit öffentlich. Wer will, kann sich täglich den Posteingang des Bürgermeisters oder Ministers ansehen. Eine solche Offenheit hat aber auch Auswirkungen auf den Einblick in die Privatsphäre, die Individuen akzeptieren müssen: Die Steuerdaten des Nachbarn sind kein Geheimnis.”

von Claudia Klinger, 12. August 2010, 09:48

Burka für Fassaden? Google Street View und die German Angst

Das Sommerloch machts möglich: die Ankündigung, dass Googles Street View nach jahrelangem Hickhack nun endlich auch hierzulande zur Verfügung stehen wird, erregt deutsche Gemüter wie kaum etwas anderes in diesen Tagen. Selten sah ich die Rede von der “German Angst” so krass bestätigt wie beim Lesen der Kommentare zu den Streetview-Artikeln, die derzeit allüberall erscheinen. Da zeigt sich das sprichwörtliche “gesunde Volksempfinden” auf eine Art, die mich gruseln lässt: böses Google zeigt meine Hausfassade der Welt - und macht womöglich auch noch Geld damit. Was für eine Sauerei!

Gibt es vernünftige Argumente gegen Streetview?

Noch vor 20 Jahren wäre ein “begehbarer Stadtplan” als eine tolle, äußerst wünschenswerte Utopie erschienen: Wunderbar, dass man sich eine Gegend anschauen kann, bevor man hinfährt, dass man die Parkmöglichkeiten (und evtl. die Barrierefreiheit) checken und sich ein Bild von der Atmosphäre vieler Orte der Welt machen kann. Ungemein nützlich auch bei der Wohnungssuche: man spart sich Besichtigungen, wenn man bereits vom heimischen PC aus sehen kann, dass die Straße z.B. keine Bäume hat oder gegenüber ein belebter Supermarkt das Ruhebedürfnis stören würde. weiter…

von Claudia Klinger, 27. Juli 2010, 11:22

Neuer Service: Mitnehmzentrale für Pakete

Mal eben gegen einen kleinen Obulus ein Paket mitnehmen, wenn man sowieso fährt - warum eigentlich nicht?

Normaleweise ignorier ich die meisten Zusendungen über neue Dienste im Web - es sei dann, es ist etwas, das schon auf den ersten Blick ziemlich nützlich ist.
Die “private Mitnahmezentrale für Pakete” carpoolcargo.com, die übers Web Absender und Fahrer vermittelt, IST nützlich, bzw. könnte es werden, wenn genug Fahrer mitmachen. Auch die Umwelt hätte einen Vorteil, sollte sich dieser Dienst etablieren: Denn der vielfach leere Platz im Auto wird genutzt, um Gegenstände mitzunehmen, die man ansonsten aufwändig per Post oder Spedition versenden müsste. weiter…

von Claudia Klinger, 16. Juli 2010, 11:33

Gut vernetzt ist halb gerettet

Spendenkampagne für “Melody” von Moving Target ist ein Riesenerfolg!

Vermutlich haben es die meisten Leser schon an anderer Stelle mitbekommen: Die Hilfe für die Webworkerin Carola, deren erst kürzlich liebevoll ausgebaute Dachgeschosswohnung komplett abgebrannt ist, ist dank der Beteiligung vieler Mailinglistenmitglieder und Blogger zu einem rettenden Spendenstrom angewachsen: Bis jetzt (16.7., 10.33 Uhr) kamen 14.101 Euro zusammen, die dazu beitragen, dass sich die Familie in einer Übergangswohnung einrichten kann.

Carola freut sich riesig über diese Unterstützung durch viele bekannte, aber auch völlig fremde Menschen, die an ihrem Schicksal Anteil nehmen. Und mich freut es auch, zeigt es doch, dass Web 2.0 auch wirklich SOZIAL sein kann: nicht bloß im Sinne einer belanglosen Vernetzung vielerlei “Gespräche über dies und das”, sondern auch im Sinne substanzieller Hilfe, wenn es mal wirklich wichtig ist. weiter…