von Claudia Klinger, 9. März 2010, 13:28

Über Wertschätzung, Dankbarkeit und gekürzte RSS-Feeds

Zwar zähle ich nicht zu den regelmäßigen Leserinnen des Basic-Thinking-Blogs, doch berührt mich der Streit um das ökonomisch begründete Kürzen der RSS-Feeds durchaus. Die Reaktionen auf den Entzug der Möglichkeit, die Artikel auch fern der BT-Website zu lesen, lassen zwei Lager erkennen, die sich nun gegenseitig beharken:

  • Die einen kündigen den gekürzten Feed und beschweren sich über die Zumutung, mit “einem Mausklick mehr” den Quelle aufsuchen zu sollen: Zu unbequem, zu weit weg vom eigenen “Workflow” - und überhaupt: Infos gibt es doch wie Sand am Meer, was schert uns da der Wunsch, auch Geld mit Werbung zu verdienen?
  • Die anderen finden den Schritt zu gekürzten Feeds ok und prangern den Egoismus der Ersteren an, die auf der Kultur des Kostenlosen beharren und immer nur nehmen, aber nichts geben wollen. Wo bleibt die Dankbarkeit für die ganze Arbeit? Warum gönnt man den Bloggern ihre Werbe-Peanuts nicht?

Klar, dass die Basic-Thinking-Schreiber mit einigem Unmut auf die Kündigungs-Ankündiger reagieren. Bemerkenswert, dass sie gerade dadurch für etliche Leser wieder interessant werden - auch für mich.

Ist Aufmerksamkeit das einzige, was zählt?

Um eine tief schürfende Analyse bemüht sich Michael Seemann. In Fullfeeds, Gewalt und eine Skizze des “Zweiten Markts” führt er aus, dass für Informationen bald gar nichts mehr in Geld oder anderen Leistungen (der unbequeme Klick mehr) bezahlt werde. Und zwar deshalb, weil im “zweiten Markt” der Aufmerksamkeit der Wert der Information durch die Nachfrage nach Aufmerksamkeit aufgehoben werde: Wenn sehr viele Publisher um diese konkurrieren, kann man nicht erwarten, dass der Aufmerksamkeits-Verteiler (Leser) noch irgend etwas anderes für die erbrachte Leistung geben werde als eben diese Aufmerksamkeit. In dieser Sicht ist es der Blogger, der dankbar zu sein hat, weil ihm der Leser seine kostbare Lebenszeit als Aufmerksamkeit schenkt.

Aus meiner Sicht verschränken sich hier zwei Betrachtungsweisen zu einer Vernebelung der Tatsachen: es ist ein großer Unterschied, ob ein Just-for-fun-Blogger nach Bock-Prinzip die Welt mit seinen Beiträgen beglückt, oder ob jemand eine professionelle und verlässliche Dienstleistung erbringt, die zwangsläufig nicht nur Spass, sondern auch Mühe macht - und zwar regelmäßig und verlässlich.

Natürlich kann man jedem, der das tut, sagen: Du hast es dir ausgesucht, also beschwere dich nicht. Lass es doch sein, wenn es dir nicht genug gibt, einfach nur die Leserzahlen zu betrachten!

Diese realen Leserzahlen sprechen allerdings (im Fall Basic Thinking) dafür, dass es sich doch offenbar um eine nachgefragte Leistung handelt. Warum also nicht die Versuche der Macher, sich zu “refinanzieren” unterstützen? Wäre es denn wirklich so toll, wenn alle interessanten Medien-Macher/innen ihr Tun einfach aufgäben, weil es für die weniger freudigen Aspekte regelmäßiger Arbeit keinerlei Gegenleistung gibt - und sei es nur durch Werbe-Einnahmen?

Die obercoole Sicht der Dinge gebiert eine kalte Welt

“Ich lese Texte doch nicht aus Dankbarkeit” schrieben einige der Kommentatoren. Nein, natürlich nicht. Dankbarkeit ist ein Gefühl, dass sich DANACH einstellen kann, nämlich dann, wenn man etwas geschenkt bekommen hat und nun bereichert ist, selbst aber nichts dafür zurück gegeben hat.

Raphael Raue schreibt zur recht emotional geführten Diskussion auf BT:

“Warum muss es immer so Kuschelig in Bloghausen sein? Man muss sich nun wirklich nicht als Arschlöcher titulieren, aber muss es immer menschlich im Sinne von Danke für Alles sein? Dankt ihr jedes Mal eurer Fleischfachverkäuferin im Supermarkt, dass sie die Schnitzel für euch paniert hat? Natürlich sagt man Danke, aber als Floskel, im Sinne eines höflichen Umgangs, nicht mehr und nicht weniger. Wenn das Schnitzel woanders besser oder billiger ist, geht man dahin, ohne nochmal in den Laden zu rennen und zu brüllen, dass man jetzt nicht mehr hierhin kommt. Man kommt nicht mehr und der Supermarkt muss schauen, ob er das Schnitzel besser oder wieder billiger macht. Sein Problem, kümmert keine Sau.”

Genau diese Einstellung erzeugt eine Konsumwelt, aus der der Mensch mehr und mehr verschwindet, bzw. nur noch als “Klick-Vieh” gesehen wird. “Besser und billiger” ist allermeist eine Illusion, selbst wenns im Ausnahmefall mal auf das Produkt bezogen stimmt, so hat das “billiger” doch bei den Arbeitsbedingungen und bezüglich der Umwelt Folgen. Und dann klagen alle über zunehmende Depressionen in unserer Gesellschaft, klar!

Wertschätzung, Persönlichkeit und Gefühl

Basic Thinking macht derzeit eine Welle, weil die Schreiber Gefühle gezeigt haben und als Personen “greifbarer” wurden. Das “Blog” ist ansonsten nicht wirklich gut geeignet, Wertschätzung für Personen zu vermitteln, da es berichtet und agiert wie ein klassisches IT-Magazin. Und doch gilt auch da: Wer Basic Thinking so gut findet, dass er es nicht missen will, wird sich zum zusätzlichen Mausklick bequemen - der Rest verliert sich halt im reissenden Info-Strom.

Bei klassischen Blogs ist das ein wenig anders: Wer sich als Person zeigt, wird bei den Lesern auch persönliche Sympathien oder Antipathien ernten. Und im Fall der Sympathie agieren durchaus schon viele so, dass sie die Möglichkeiten nutzen, dem Blogger “etwas zukommen zu lassen”. Man sieht ja, welche Wege sich dafür jeweils anbieten: monetäre und andere.

7 Wege, einem Blog zu nutzen

  • Man hinterlässt einen Kommentar, setzt einen Link, oder nutzt einmal im Jahr eine evtl. vorhandene Spenden-Möglichkeit;
  • Man kann auf vorhandene Ads klicken, bevor man die Seite verlässt;
  • Man schaltet seinen Werbeblocker ab (=Ausnahme), sofern man einen nutzt;
  • Man ruft das Blog aus dem Feedreader heraus auf;
  • Man kauft vorhandenen Bedarf über Affliliate-Banner und Buttons, falls vorhanden;
  • Man löscht die Cockies nach dem Kauf nicht, um dem Blogger, über dessen Seite man kam, evtl. weitere Cents Provisionen zu gönnen;
  • Man bucht den Blogger bei Bedarf im Bereich seiner “sonstigen Angebote”, kauft sein Buch/E-Book und/oder empfiehlt ihn weiter;

Diese Möglichkeiten werden vielfach genutzt - das weiß ich aus meinem Bekanntenkreis und aus 14 Jahren “bloggen” (seit ‘99 auf dem Digital Diary). Es gibt nicht nur diejenigen, die einfach nur nehmen, jedoch nie etwas geben. Und wenn es wirklich einfach wäre, mal eben per Klick ein paar Cent zu übertragen, ginge da auch was - nicht bei allen, aber bei denjenigen, auf deren Arbeit man ungern verzichten würde!

***
Auch zum Thema:

Interview mit Redaktionsleiter André Vatter: Basic Thinking und der Web-Mob (MEEDIA)

Ohne viel Feederlesens - marketing-blog;

Ich bin dankbar - Claudia Kilian;

Warum es das KoopTech-Blog ohne RSS-Feed nicht mehr gäbe - KoopTech;

Gekürzte Feeds und Blogs monetarisieren
- Peruns Weblog;

von Claudia Klinger, 7. März 2010, 11:14

7 WWMAG-Surftipps: Web-Debatte, Wordpress, Foto-Tipps, Feminismus und Herzblut

von Claudia Klinger, 26. Februar 2010, 13:13

7 WWMAG-Surftipps: Lokales, Gemeingüter, PubSubHubbub, DMOZ, Wolfsmond, Cloudwriting

Dieses “Format” hat eine zweimonatige Auszeit gehabt. Jetzt geht es wieder los damit. Ich versammle hier Fundsachen, die mich persönlich beeindrucken. Ob in Twitter-Zeiten überhaupt noch jemand liebevoll kommentierte Linklisten lesen mag? Mal schauen…

Los geht’s:

von Claudia Klinger, 24. Februar 2010, 13:02

Gesucht: bessere Kategorien für ein Rund-ums-Internet-Blog

Von der Schwierigkeit, ein vieldimensionales Thema ordentlich zu strukturieren

Endlich gibt es auch im Webwriting-Magazin ein Inhaltsverzeichnis: alle Artikel nach Kategorien sortiert.

Das ist schön, denn nun finde ich Artikel wieder ohne stundenlang herum zu blättern. Leider trat damit auch ein altbekanntes, nun aber erschreckend deutliches Defizit zu Tage: die mangelnde Trennschärfe einiger Kategorien, die mehr beiläufig entstanden sind als wohl überlegt.

Die ziemlich redundante Schublade “ins Web schreiben” hab’ ich also erstmal abgeschafft und den WWMAG-Surftipps eine eigene Kategorie gegönnt. Nun hängen die verschiedensten Beiträge rund um die Themen Bloggen, Blogosphäre, Netzpolitik, Netzkritik, soziale Medien und manches “Netzige” mehr im großen Eimer “Netzkultur & Szene”. Das ist sicher nicht ganz falsch, aber auch recht nichtssagend angesichts der doch recht verschiedenartigen Beiträge. (Ein Konzept “Altenheim 2.0″ würde man da drin ja eher nicht vermuten…)

Was tun? Im Kategorisieren war ich noch nie gut - leider! Sehe auch wenig Sinn darin, Postings immer gleich mehreren Kategorien zuordnen zu müssen. Sollte ich vielleicht doch auf die TAGs zurück kommen und die einfach zusätzlich “intuitiv” verwenden?

Jedenfalls freu ich mich über Beispieleund Ideen, bzw. Eure Erfahrungen rund um das Thema Strukturierung, Kategorien oder Tags.

von Claudia Klinger, 22. Februar 2010, 13:22

Frühlingserwachen in der Blogosphäre?

Zur Bedeutung von Blogs in Zeiten zerfasernder Schwarm-Kommunikation; vom Ruf nach Echtzeit-kompatibler Blog-Technik und von radikal neuen Ansätzen, wieder mit mehr Herzblut zu bloggen.

Veränderungen werden allzu oft nur als Verschlechterungen wahrgenommen: so sehen viele einen Bedeutungsverlust der Blogs in Bezug auf die vermeintlich “zeitgemäßere” Kommunikation in den sozialen Netzen. Ich erspare Euch jetzt eine Link-intensive Aufzählung deprimierender Beiträge dazu aus dem letzten Herbst und Winter, sondern freue mich über einen neuen Ton in der Debatte um den Sinn der Blogs.

Jammern und Klagen sind nämlich endlich und öden irgendwann nur noch an: es geht darum, Nägel mit Köpfen zu machen, zu sichten, was Sache ist und daraus auch Konsequenzen zu ziehen - jeder im eigenen Blog, sofern noch nicht geschehen. weiter…

von Claudia Klinger, 8. Februar 2010, 17:13

Welches Netbook kaufen? Oder doch lieber ein Sub-Notebook?

Von der Qual der Wahl beim Kauf eines mobilen Computers. Wie mich die Beschäftigung mit Kriterien, Möglichkeiten und Varianten dazu führte, lieber noch ein bisschen warten zu wollen.

Ok, es sollte nun also sein: Als eingefleischte Schreibtisch-Arbeiterin mit selbst zusammen gestelltem superschnellen PC wollte ich zumindest stundenweise auf so ein nettes kleines Netbook umsteigen. Gemütlich auf dem Sofa surfen, vielleicht sogar im Bett: unter den vielen Geräten, die da in den letzten zwei Jahren auf den Markt kamen, sollte es kein Problem sein, etwas Passendes für meinen Bedarf zu finden.

Was will ich mit dem Netbook machen - ganz konkret?

Jede “Kaufberatung” beginnt mit dieser Frage, als wäre es die einfachste Sache der Welt, den eigenen Bedarf zu bestimmen und dann das “richtige” Gerät zu wählen. Wer jedoch gewohnt ist, mit dem PC “alles machen” zu können, wünscht sich natürlich genau so eine eierlegende Wollmilchsau, wie sie schon auf dem Schreibtisch steht - nur eben in mini. weiter…