von Claudia Klinger, 11. April 2014, 10:50

So, so, das Internet brennt… #heartbleed

Kleinerdrei bzw. dem Gastautor Jan Lehnardt gebührt ohne Frage der Orden für die alarmistischste Überschrift mit Bezug auf den aktuellen SSL-Bug. Im Artikel “Das Internet brennt. Heartbleed, die Welt und Du” kommt er dann nach einer Vorrede über Majestix und Zaubertränke auch zur Sache. Die Gefahren, die durch die Sicherheitslücke im OpenSource-SSL autreten können, werden drastisch ausgemalt:

“Wir sind also alle von Heartbleed betroffen. Alle Passwörter, privaten oder geschäftlichen Daten können sich jetzt in fremden Händen befinden, die damit alles anstellen können: von Vandale (z.B. alle Facebook-Fotos löschen, in eurem Namen twittern oder euer tumblr verunstalten) über Industriespionage, dem Ergaunern von Geldern über PayPal oder Waren über Amazon, Kreditkartenzahlungen, bis hin zu Identitätsbetrug.”

Eine deutlich differenziertere Sicht der Dinge liest man im STERN: Aus “Wo Sie sofort Ihr Passwort ändern müssen” geht hervor, dass z.B. Paypal zu keinem Zeitpunkt betroffen war. Auch der Shopping-Bereich von Amazon soll demnach nicht von der Sicherheitslücke betroffen sein (wohl aber andere AmazonServices).

Selber hab ich dort Passwörter geändert, wo Zahlungen und Bestellungen auf meinen Namen gemacht werden können, sowie bei der Handvoll wichtigen SocialMedia-Seiten, die ich tatsächlich nutze. Die unzähligen Accounts, die ich “hier und da” über die Jahre mal angelegt und teils längst vergessen habe, müssen halt “unsicher” bleiben. Ich trags mit Fassung…

von Claudia Klinger, 28. Februar 2014, 09:13

Mit Klarnamenspflicht und Registrierung gegen Trolle

Nun hat auch das Handelsblatt die Reißleine gezogen: Ab jetzt dürfen nurmehr registrierte Leser kommentieren, die sich unter ihrem Klarnamen anmelden.

Wir wollen den Austausch auf Augenhöhe, das bestechende Argument und auch die gekonnte Polemik. Aber: Wir sagen, wer wir sind und unsere Leser künftig auch. Das anonyme Zitieren wollen wir beenden. Alle Leserinnen und Lesern sind uns als Kommentatoren willkommen, die sich mit ihrem Namen für die Diskussionsforen auf Handelsblatt Online anmelden. Demokratie und Meinungsfreiheit brauchen Offenheit und Toleranz.

Gehört wird, was sich gehört

Ich frage mich, ob das nützt. Schließlich kann sich jeder unter einem falschen Namen anmelden und trollen, was das Zeug hält. Der Nutzen, der von solchen Maßnahmen ausgeht, liegt wohl eher an der Unbequemlichkeit des Einloggens: ganz so spontan lospoltern ist dann nicht mehr und offenbar schreckt das einige tatsächlich ab.

Dass es sich bei Foren-Trollen oft um “verkappte Sadisten” handelt, berichtet Heise online und führt dazu diverse Studien an, die zum Thema Internet-Trolle durchgeführt wurden:

“Kanadische Forscher sind nun dem Troll-Charakter mit einer Online-Studie auf den Grund gegangen. Sie berichten, dass solche Menschen offenbar tatsächlich von ihrer dunklen Seite getrieben werden, dass sie häufig antisozial eingestellt sind und mehr negative persönliche Eigenschaften aufweisen als andere. Vor allem zeigte sich ein Hang zum Sadismus, schreiben die Psychologen im Fachblatt Personality and Individual Differences. Dieser Hang war umso stärker, je häufiger jemand im Internet Kommentare abgab. Ob nun aber das häufige Kommentieren einen unterschwelligen Sadismus fördert oder umgekehrt, bleibt unbeantwortet. Sicher ist demnach aber das Vergnügen an der Zerstörung.”

Wer viel kommentiert ist häufiger Sadist? Das wäre ja eine echt steile These! Ich denke, dass da so eine Art Gruppenzwang wirkt: wenn die Stimmung sowieso schon mies ist und allgemein nurmehr geblödelt, geschimpft und beleidigt wird, fühlen sich normale Kommentier-Willige gar nicht mehr angesprochen, wohl aber jene, die genau diese zerstörerische Stimmung suchen.

Tja, da könnte ich echt nostalgisch werden! In den 90gern, als man Kommentare noch per Mail verschickte und sie “händisch” unter Artikel setzte, gab es das Problem noch gar nicht. Vielleicht waren deshalb die damals gängigen “Netz-Utopien” so ungemein positiv und euphorisch: man war nicht fortwährend mit der “dunklen Seite” der Menschen konfrontiert und konnte sich der Illusion hingeben, ein förderliches Miteinander sei der Normalfall.

Traurig, dass die Trolle dieser Welt dem ein schnelles Ende gesetzt haben.

von Claudia Klinger, 18. Januar 2014, 12:51

Kaputtes Internet bewegt die Gemüter – eine Übersicht

Das erste Posting dieses Jahres wird im Wesentlichen eine Linkliste. Eine, die die Resonanzen auf Sascha Lobos denkwürdigen Artikel, in dem er das Internet als “kaputt” bezeichnet hatte.

“Kaputt” ist vielleicht keine punktgenaue Beschreibung, doch entspricht sie dem Gefühl vieler Menschen, die das Netz als “Hort der Freiheit” und Transmissionsriehmen demokratischer Prozesse von unten verstanden hatten. Auch ich gehöre dazu, wenn ich mir auch immer bewusst war, dass das Netz rein technisch z.B. bei E-Mails nicht einmal die Sicherheit eines Briefumschlags bietet. Dennoch: wer hätte gedacht, dass es eine derart umfassende Überwachung und Abspeicherung sämtlicher Kommunikation gibt, wie sie durch die Snowden-Enthüllungen öffentlich wurde?

Geplatzer Deal

Der Grund, warum sich viele so verschaukelt fühlen, liegt m.E. daran, dass wir uns nolens volens zu Gunsten von Bequemlichkeit und als Gegenleistung für tolle Tools und Dienste daran gewöhnt haben, dass unsere Daten für kommerzielle Zwecke genutzt werden. Es erschien als “fairer Deal”, denn was drohte im schlimmsten Fall? “Passende Werbung” an jeder Netz-Ecke.. ach göttle, wie furchtbar!

Seit Snowden wissen wir nun: das kommerzielle Netz ist durchweg korrumpiert! Google & Co. unterstehen quasi dem beliebigen Zugriff der NSA – und was aus dieser Quelle nicht kommt, wird anderswo abgegriffen.
Was hier kaputt gegangen ist, ist unsere Vorstellung vom Internet – mag sie auch immer schon falsch gewesen sein.

Alsdenn – hier die Linkliste zum kaputten Internet:

von Claudia Klinger, 9. Dezember 2013, 13:12

Thema AMAZON bei #Jauch: Verkümmerung der zwischenmenschlichen Kultur?

Die “Maschine Amazon” stand gestern bei Jauch im Zentrum der Kritik. So ungefähr alles, was man über menschenunwürdige Arbeitsbedingungen, verantwortungslose Online-Shopper, böse Monopolisten, gestresste Lieferdienste und die digitale FALLE, in der wir uns laut Ranga Jogehswar befinden, gesagt werden kann, kam zur Sprache.

Ja, Amazon wurde sogar die “Verkümmerung der zwischenmenschlichen Kultur” vorgeworfen, weil durch das bequeme Bestellen und nachhause liefern der nette Plausch mit der Verkäuferin im Laden verloren gehe – oh weh!

Thema AMAZON bei Jauch

Als Diskutanten geladen waren Günther Wallraff (war undercover im Lieferdienst), Gerrit Heineman (Wirtschaftswissenschaftler), Patrick Palombo (Unternehmensberater für Internetfirmen) und Laura Karasek (bekennende Online-Shopperin), sowie als “Alleswisser” und Moralist der schon erwähnte Ranga Yogeshwar.
weiter…

von Claudia Klinger, 15. November 2013, 11:54

Code rules: Yelps neuer Algorithmus schädigt Unternehmen

Wenn Menschen ihre Entscheidungen an Maschinen und Programme delegieren, dann kann das Ergebnis katastrophal sein. So geschehen auf Yelp, das kürzlich das deutsche Bewertungsportal Qype übernommen hat.

Denn leider wurde nicht nur übernommen, sondern erstmal richtig “aufgeräumt”: mittels eines Filters, der nach unbekannten Kriterien die vorhandenen Bewertungen ausfiltert und in vielen Fällen nurmehr einen kleinen Rest oder gar nichts mehr anzeigt. Für Restaurants, Hotels, Läden und Dienstleister aller Art bringt das eine massive Geschäftsschädigung mit sich: Eben noch mit vielen Sternchen ganz oben gerankt, nun auch einmal keine oder wenige Sternchen und ganz weit hinten. Das schlägt sich in verschiedenen Branchen schnell auf den Kundenstrom nieder, entsprechend groß ist die Aufregung.

User, friss oder stirb!

Schließlich haben sich die Unternehmen ihr Ranking “erarbeitet”: durch gute Angebote und guten Service, durch Werbung, durch Pflege der Web-Präsenzen und oft auch durch regelmäßige Antworten auf Bewertungen der User auf Qype – auch letztere sind oft einfach verschwunden.

Verschlechtert hat sich auch das User-Erlebnis: es gibt keine Möglichkeit mehr, textliche Beiträge zu kommentieren.

Alles in allem: eine veritable Katastrophe, die ganz neue Rechtsfragen aufwirft. Die auch – wieder einmal – klar macht, was es bedeutet, wenn ein amerikanischer Konzern die Dinge übernimmt. Beschwerden werden nurmehr mittels Textbausteinen ohne jedes Eingehen auf den Einzelfall beantwortet, wenn überhaupt. Telefonischer Kontakt ist nicht möglich. User, friss oder stirb!

Mehr dazu:

von Claudia Klinger, 21. Oktober 2013, 09:58

Blogger verlinken nicht – ein guter Rant und die Frage nach den Ursachen

Unter dem deutlich positiveren Titel “Vernetzt Euch!” beklagt der Kiezneurotiker das nun schon viele Male beschriebene Link-Faulheit der bloggenden Menge.

“Ich lese seit sieben Jahren in Blogs, blogge seit fast einem Jahr selber und brauche keine solche Zahl, um festzustellen: Blogger verlinken nicht. Oder kaum. Selten. Es gibt Ausnahmen, aber dennoch: Ich habe allzu oft den Eindruck, dass Blogs eifersüchtig Leser hüten und es unter allen Umständen vermeiden, sie auf andere lesenswerte Quellen zu schicken. Auch haben immer weniger Blogs eine Blogroll und wenn, dann haben sie sie irgendwo hinter einem Extra-Link geparkt, gerne ganz verschämt rechts unten unter “Links” oder “Anderswo”, also da wo sich nie jemand hin verirrt.”

Wer kann denn noch Links?

Bei der Suche nach den Ursachen vermutet er dann doch nicht ganz so üble Motive, sondern eher Nachlässigkeit, keine Zeit, Info-Overflow und so. Ja, ja, spontan fällt mir dazu ein: ich treffe immer mehr Bloggende, die gar nicht mehr aus dem Text verlinken KÖNNEN! Die wissen nicht, was die “liegende Acht” bedeutet und “Links” durchblicken sie nicht wirklich. Denn immer mehr Menschen halten Google für die Startseite ins Internet, die eigene Adresszeile im Browser ist manchen so unbekannt wie der Marktplatz in Hintertupfingen – man glaubt es kaum, aber es ist wahr!

Darüber zu lamentieren hat wenig Sinn. Immerhin bloggen diese Menschen ja schon, da braucht es einfach ein wenig mehr KnowHow und Motivation. Lange schon will ich einen Artikel zum Thema “Der Link, das unbekannte Wesen” schreiben, bin aber noch nicht dazu gekommen – Zeitproblem, immer dasselbe Elend!

Dank dem Kiezneurotiker bin ich jetzt immerhin wieder motiviert. Wobei mir noch einfällt: mich stört bei Blogs auch, wenn ich nirgends einen normalen Namen finde, mit dem ich den oder diejenige ansprechen kann. Das darf durchaus ein Pseudo sein, schließlich will ich niemandem das Recht auf Anonymität absprechen – aber Fakt ist, dass mir das rumsuchen auf Blogs nach einem Namen doch irgendwie auf die Nerven geht.

Soweit für jetzt.

Gerne empfehle ich auch noch ein paar weniger bekannte Blogs aus meinem Feedreader:

***

Siehe dazu auch:

Der Kiezneurotiker über die aussterbende Blogroll und die Einbahnstraße Blog

von Claudia Klinger, 10. September 2013, 12:18

Freiheit statt Angst 2013 – eine kommentierte Linkliste zur Demo

Wenn man schon großformatig Aufrufe postet, sollten dann auch Berichte nicht fehlen! :-)

Mein eigener Demo-Bericht findet sich im Digital Diary, meinem “Hauptblog”:

Demo Freiheit statt Angst: Endlich mal mehr Leute, aber lange nicht genug!

Demo Freiheit statt Angst

Und das schreiben Andere:

von Claudia Klinger, 6. September 2013, 12:07

Demo gegen totale Überwachung: 13 Uhr Alexanderplatz Berlin

Selten hat ein Demo-Termin so gut gepasst: gerade wurde bekannt, dass sogar SSL-Verschlüsselungen (also die Verfahren, die etwa beim Online-Banking und Online-Einkauf unsere Daten sichern sollen) von der NSA korrumpiert-gehackt-geknackt wurden.

Der unentschiedene Dreifachbegriff erklärt sich daraus, dass nicht “entschlüsselt” wird, sondern – viel einfacher, hinterhältiger und gemeiner – Hintertüren in die entsprechende Software eingebaut werden. Dafür betreibt die NSA ein Programm namens “Bullrun”, über das die ZEIT schreibt:

Ziel des Programmes Bullrun sei es, “in kommerzielle Verschlüsselungssysteme Hintertüren einzubauen”. Doch gehen die Dienste noch weiter. Offenbar ist es ihnen gelungen, auf das Design von Verschlüsselungstechniken Zugriff zu bekommen. Sie hätten inzwischen Einfluss auf die internationalen Standards, nach denen solche Sicherheitsprogramme entwickelt werden, was die “versteckte Beeinflussung” von Programmentwicklungen erlaube.

Der Angriff zielte damit nicht in erster Linie auf die mathematischen Verfahren, mit denen Daten verschlüsselt werden. Die Dienste nutzten ihre Macht, um von den Anbietern deren Schlüssel zu erpressen. Die Geheimdienste haben damit die grundlegende Sicherung zerstört, die Menschen im Netz vor Überwachung, vor allem aber vor Kriminellen schützt – das Vertrauen in die Zertifizierungsstellen verschlüsselter Kommunikation.

Was wir bisher schon wissen:

NSA und GCHQ (britischer Geheimdienst) lesen per PRISM unsere Kommunikation in den großen Netzwerken mit und zapfen per TEMPORA an den Internetknoten und transatlantischen Kabeln nahezu den gesamten Datenverkehr ab.

Mit XKEYSCORE steht für all die Datenmassen der NSA eine bequeme Abfrage-Oberfläche zur Verfügung, mit der man die gesamte Kommunikation einer Einzelperson nach Belieben anzeigen lassen kann. Auch der BND hat es “im Testbetrieb” – und im übrigen bekommt der BND natürlich vom Datenschatz des großen Bruder bei Bedarf etwas ab, ungeachtet der Tatsache, dass die flächendeckende Ausspionierung nach deutschem Recht illegal ist.

Aber damit nicht genug: mit dem GENIE-Programm schleust die NSA Viren und Trojaner auf zigtausende Computer und spricht verharmlosend von Implantaten (“implants”) auf fremden Rechnern. Die NSA-Software kontrolliert dann die befallenen Systeme unbemerkt und nimmt Kommandos entgegen.

Und noch immer nicht genug: da ja nie alle Computer infiziert werden können, gibt es z.B. in Windows Hintertüren, so dass sogar IT-Experten der Bundesregierung vor dem Einsatz von Windows 8 warnen.

Nun also BULLRUN. Ende der letzten vermeintlichen Sicherheit für wichtige Daten!

Ich denke: ES REICHT.

Es sollte zumindest DAFÜR REICHEN, morgen massenweise gegen die totale Überwachung zu demonstrieren! Um unseren Regierenden und aller Welt zu zeigen, dass es nicht reicht, schulterzuckend NICHTS zu tun und sich mit ein paar hohlen Sprüchen von Seiten der “Dienste” abspeisen zu lassen. Sie partizipieren von der Überwachung, haben im Grunde nichts dagegen und verschleiern das im Wahlkampf nur mühsam.

Zimmermann, der Erfinder der PGP-Verschlüsselung empfiehlt in einem ZEIT-Inverwiew, auch das Wahlverhalten zu überdenken:

Die Bevölkerung muss erkennen, dass diese Themen wichtig sind. So wichtig, dass sie auch ihr Wahlverhalten danach ausrichten. Die Menschen können wählen und Politiker ins Amt bringen, die dafür sorgen, Überwachung einzudämmen. Sie können auch vor Gericht ziehen und gegen staatliche Überwachung klagen. Wir brauchen Demonstrationen, eine nationale Debatte. Wir müssen alle zur Verfügung stehenden demokratischen Mittel nutzen, um die Lage zu verändern. Die großen Aufgaben liegen in der Politik, nicht bei der Technik.

Alsdenn:

FREIHEIT STATT ANGST – 7.9.2013 – 13 Uhr Alexanderplatz

Hier gehts zum Demoaufruf.
Und so verläuft die DEMO-Route.

***

Erstveröffentlichung auf meinem eher schlecht gepflegten Berlin-Blog, zu Zwecken der Dokumentation nun auch hier (scheiß auf “Duplicate Content”!).

von Claudia Klinger, 21. August 2013, 11:43

ZEIT meldet: IT-Experten der Bundesregierung sehen in Windows 8 ein Sicherheitsrisiko

Geht es nach Microsoft soll den Usern die Kontrolle über den eigenen PC weitgehend genommen werden. Patrick Beut schreibt auf ZEIT ONLINE über eine Warnung des Bundesamtes für Sicherheit und Informationstechnik (BSI):

“Wie vertrauenswürdig ist Microsoft? Für die Bundesverwaltung und alle deutschen Behörden, Unternehmen und Privatanwender, die auch in Zukunft mit dem Betriebssystem Windows arbeiten wollen, stellt sich diese Frage heute mehr denn je. Denn früher oder später müssten sie Windows 8 oder dessen Nachfolger verwenden. Aus Dokumenten, die ZEIT ONLINE vorliegen, geht aber hervor, dass die IT-Experten des Bundes Windows 8 für geradezu gefährlich halten. Das Betriebssystem enthält ihrer Ansicht nach eine Hintertür, die nicht verschlossen werden kann. Diese Hintertür heißt Trusted Computing und könnte zur Folge haben, dass Microsoft jeden Computer aus der Ferne steuern und kontrollieren kann. Und damit auch die NSA.”

Das kritisierte Modul heißt TPM 2.0 und soll auf PCs genauso üblich werden wie auf Smartphones und Tablets: Betriebssystem und Hardware sind aufeinander abgestimmt und der Hersteller kann (auch von Ferne per Aktualisierung) bestimmen, welche Software installiert werden kann und welche nicht. Das soll gewährleisten, dass “Schadsoftware” nicht genutzt werden kann, dient aber auch der Durchsetzung eines Digital Rights Managements (DRM). Und was “Schadsoftware” ist, bestimmt ausschließlich Microsoft.

Kein Opt-Out mehr

TPM ist an sich nichts völlig Neues, doch bisher kann es der User ein- und ausschalten, also selbst bestimmten, ob der “Schutz” aktiviert werden soll. Die künftige Version TPM 2.0 soll jedoch beim Start des PCs bereits mitgestartet werden, eine Möglichkeit, es auszuschalten soll es nicht mehr geben. Die Bundesregierung war damit nicht einverstanden, wie Beut weiter schreibt:

Die Dokumente belegen, dass die Bundesregierung und die Bundesverwaltung durchaus versucht haben, den künftigen Standard in ihrem Sinne zu beeinflussen. Das ist in diesem jahrelangen Prozess auch üblich. Die Deutschen sind allerdings schlicht abgeblitzt. Andere haben bekommen, was sie wollten. Die NSA zum Beispiel.

TPM 2.0 und Windows 8 sind laut Rüdiger Weis (Professor an der Beuth Hochschule für Technik in Berlin) also mit hoher Wahrscheinlichkeit weit offene Hintertüren für Ausspähungen durch die NSA und andere “Dienste”. Der CCC warne im übrigen schon seit 2002 vor TPM, meint Fefe, doch der Beleg-Link dazu ergibt leider keine lesbaren Infos.

Linux, ich komme…

Angesichts all der Zumutungen, die in letzter Zeit in Sachen Überwachung ans Licht kamen, ist dieser Angriff auf die Selbstbestimmung der PC-User nun echt der Tropfen, der bei mir das Fass zum Überlaufen bringt. Mein nächstes Betriebssystem wird nicht mehr Windows heißen – ich werde wohl Linux lernen, zunächst als Zweitsystem neben Windows 7.

Aber: Wird es später überhaupt noch möglich sein, Linux zu installieren? In den Kommentaren unter dem ZEIT-Artikel schreibt ein User namens “Lenticularis”:

Und liebe Leute, es wird noch viel schlimmer mit dem “Secure Boot Loader”, wo der Boot Loader von, na wem wohl: Microsoft, signiert sein muß. Damit man auch mit Linux nicht mehr tun und lassen kann, was man will

Aha! Bleibt also nur die Lösung, sich von vorne herein einen Microsoft-freien PC zu kaufen – und wenns den nicht mehr gibt, selbst einen aus Teilen zusammen zu bauen. Falls es die Teile dann noch gibt…

Update 21.8.: Es gibt dazu jetzt eine Stellungnahme des BSI zur aktuellen Berichterstattung zu MS Windows 8 und TPM – Zitat:

“Das BSI warnt weder die Öffentlichkeit, deutsche Unternehmen noch die Bundesverwaltung vor einem Einsatz von Windows 8. Das BSI sieht derzeit jedoch einige kritische Aspekte im Zusammenhang mit bestimmten Einsatzszenarien, in denen Windows 8 in Kombination mit einer Hardware betrieben wird, die über ein TPM 2.0 verfügt.

Für bestimmte Nutzergruppen kann der Einsatz von Windows 8 in Kombination mit einem TPM durchaus einen Sicherheitsgewinn bedeuten. Hierzu gehören Anwender, die sich aus verschiedenen Gründen nicht um die Sicherheit ihrer Systeme kümmern können oder wollen, sondern dem Hersteller des Systems vertrauen, dass dieser eine sichere Lösung bereitstellt und pflegt. Dies ist ein berechtigtes Nutzungsszenario, der Hersteller sollte jedoch ausreichende Transparenz über die möglichen Einschränkungen der bereitgestellten Architektur und mögliche Folgen des Einsatzes schaffen.

Aus Sicht des BSI geht der Einsatz von Windows 8 in Kombination mit einem TPM 2.0 mit einem Verlust an Kontrolle über das verwendete Betriebssystem und die eingesetzte Hardware einher. Daraus ergeben sich für die Anwender, speziell auch für die Bundesverwaltung und kritische Infrastrukturen, neue Risiken.”

von Claudia Klinger, 5. August 2013, 11:32

Leistungsschutzrecht: So tut doch endlich was! #lsr

Die Lage ist verfahren, aber jetzt muss jemand den Karren aus dem Dreck ziehen!

Nun gilt es also, das absurde Leistungsschutzrecht und verunsichert bzw. verunmöglicht die Situation für kleine Aggregatoren wie Rivva, wo es bereits keine Snippets mehr gibt. Dass die Verlage sich per OptIn bei GoogleNews der Macht des Faktischen unterworfen haben, hilft ansonsten niemandem. Und es ist ja auch nur vorläufig: Sie wollen eine “Verwertungsgesellschaft” gründen und dann tatsächlich abkassieren. Bei wem, bleibt zwar fraglich, wenn die kleinen News-Seiten Snippets nicht mehr zeigen, gar aufhören und innovative Projekte gar nicht erst starten – aber der SCHADEN ist jedenfalls angerichtet!

Eine technische Lösung muss her!

Wie schon in den Kommentaren auf dem Rivva-Blog mehrfach vorgeschlagen, braucht es eine technische Lösung, die vermeidet, dass kleine Aggregatoren und News-Seiten bei den Publishern arbeitsaufwändig um Erlaubnis fragen müssen, wenn sie Snippets zeigen wollen. Ein Opt-In-Verfahren per Forumular wie bei Google ist nur für die ganz Großen machbar, denn wer kennt schon als Publisher alle News-Sammler und hat Zeit, das Web nach Formularen abzusuchen? Auch punktuelle Erklärungen, dass man Snippets erlaubt, helfen nicht, denn es ist ja für die Aggregatoren faktisch unmöglich, all diese Erklärungen zu finden und in ihren Algorithmen zu berücksichtigen.

Ein META-TAG im Header jeder Webseite, das Snippets erlaubt oder vierbietet, wäre eine mögliche Lösung. Ein neuer Eintrag in der robots.txt vielleicht eine andere – was da optimal wäre, sollten die Programmierer am besten wissen. Wichtig ist, dass das Signal von einem Programm/Robot ausgelesen werden kann. Zusätzlich könnte man sich ja noch für die Außenwirkung auf einen Button einigen, der dann zu einer Erklärung führt – als KANN-, nicht als MUSS. Denn vermutlich möchte sich nicht jede kleine Zeitung und jede Webseite mit redaktionellen Inhalten zum LSR öffentlich äußern.

Wer nimmt das in die Hand?

Mit Lamentieren und Kritisieren ist es nun nicht mehr getan! Anstatt den x-ten Artikel über das kranke Gesetz und seine Folgen zu verfassen, sind jetzt die Verbände, Vereine und Initiativen gefragt, eine konkrete Lösung zu finden. IGEL, Digitale Gesellschaft, CCC, Bitcom fallen mir da ein, die eine Zusammenkunft organisieren könnten, auf der die “technische Lösung” diskutiert und beschlossen wird. Um sie dann mit geballter Kommunikationsreichweite zu verbreiten, auf dass sich ihr alle anschließen können, die das wollen. Für WordPress und andere CMS würde es schnell Plugins geben – ich frage mich wirklich, warum da noch nichts in die Gänge gekommen ist.

Es kann doch nicht sein, dass wir alle im bloßen Schimpfen stecken bleiben!!! Gerade in Zeiten der Überwachungsskandale, der Aushöhlung von Grundrechten und Demokratie sollte es doch WICHTIG GENUG sein, die Informationsfreiheit auch abseits staatlicher Regelungen zu verteidigen. Es BRAUCHT viele kleine Aggregatoren, die auch für Non-Mainstream-Medien zugänglich sind – und neue Projekte, die die Datenmassen auf innovative Weise sortieren, brauchen Rechtssicherheit.

Als Einzelperson kann ich zwar Vorschläge machen – aber für die Umsetzung braucht es die Initiative und Zusammenarbeit bekannter “Big Player” der Szene!

Wer auch so denkt, möge diesen Artikel teilen, tweeten, sharen – bzw. an diejenigen weiter geben, die das Potenzial zu einem “Call to Action” haben.