von Claudia Klinger, 16. Dezember 2009, 14:08

Albern: Leicht umgehbare Zahlschranke bei Hamburger Abendblatt und Berliner Morgenpost

Mit einem vorwurfsvollen Jammer-Artikel zog man gestern beim Hamburger Abendblatt die Zahlschranken hoch: Paid Content, sofort! Ebenso bei der Berliner Morgenpost.

Für die meisten Kommentatoren, die sich dazu äußern, ist das ein selbtmörderischer Akt: beide Medien wählen nähmlich die für sie einfachste, für die Leser allerdings unattraktivste Variante möglicher Bezahlmodelle: Print-Abonennten kommen kostenlos auf die Seiten, Online-Leser sollen Monats-Abos buchen. Also wieder mal der “Zwang zum Paket”, mit dem bereits die Musikindustrie gescheitert ist.

Regelrecht lächerlich mutet es dann an, dass die Zahlschranke auch noch ganz leicht zu umgehen ist. So rät schon der 13.Kommentar zur Sache bei Stefan Niggemeier:

“Und es ist so dilettantisch umgesetzt wie kaum etwas anderes im Web: Wenn man den User Agent des Browsers (z.B. per User Agent Switcher-AddOn für Firefox) auf „Googlebot” umstellt, kann man wieder alles kostenlos lesen. Meine Herren, so werdet ihr nie Geld verdienen…”

Ist es zu fassen, dass die Verantwortlichen der beiden Medien einen derartigen Wirbel wagen, ohne sich der technischen Machbarkeiten ihres gewählten Weges zu versichern?

Wie es funktionieren könnte

Hätte man sich nicht viele Jahre der Befassung mit den Wünschen der Leser verweigert, stünde man jetzt anders da und müsste nicht die Rohrkrepierer-Lösung wählen. In einem Artikel aus der F.A.Z.-Community wird beschrieben, wie es gehen könnte, wollte man wenigstens die an sich Zahlungsbereiten abkassieren:

„Verlage müssen die Fähigkeiten aufbauen, die richtigen Preispunkte für die Inhalteklassen herauszufinden. Das kann nur über ein ‚Trial and error‘-Verfahren geschehen”, sagt Fränkl. Ein Vorbild dafür könne die Mobilfunkindustrie sein, die zum Beispiel 19 Cent für eine SMS durchgesetzt habe. Die Verlage sollten ihre Preise mehrmals am Tag ändern können, um die Kaufbereitschaft zu testen, die sich individuell unterscheide. Wer schon einmal einen digitalen Inhalt gekauft habe, weise für einen ähnlichen Artikel eine höhere Zahlungsbereitschaft auf; entsprechend höher könne der Preis angesetzt werden, sagt Fränkl. Dafür sei allerdings der Aufbau entsprechender technischer Systeme nötig, die den Nutzern weitere relevante Artikel, Spezialberichte oder Dossiers anbieten könnten, die zum schon gekauften Inhalt passten. “

Nun, WER hat NICHT geschlafen und solche Systeme entwickelt? Amazon - nicht etwa ein großer deutscher Verlag!

*

Siehe dazu auch:

Kritik und Häme für Springers Bezahl-Start (Meedia)
Trotz und Abendblatt (Indiskretion Ehrensache)
Die Paid-Content-Schranke hat eine Google-Hintertür (CARTA)

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Eine Reaktion zu “Albern: Leicht umgehbare Zahlschranke bei Hamburger Abendblatt und Berliner Morgenpost”

  1. Chris

    Amazons Zahlarten sind auch sehr Bediener freundlich. Da können sich die Zeitungen wirklich ein Stück von abschneiden.

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