Das Webwriting-Magazin

- Über das Publizieren im Web -

 

www.webwriting-magazin.de

Newsletter Forum Kontakt
Alternativversion 

Die Alternativversion ist verlustlos druckbar, voll navigierbar und macht das gesamte Dokument auch dann zugänglich, wenn Ihr Browser das Layout nicht darstellen kann.

Dieser Link führt zur Normalversion zurück

"Vor dem Relaunch hatten unsere Seiten im Durchschnitt einen Umfang von 100 Kb - jetzt sind es 37 kb. Das bedeutet natürlich eine enorme Veringerung der Serverlast. In den Stoßzeiten bewältigen unsere Server heute bis zu 50 Page Impressions pro Sekunde."

Interview:

Wachsen und sparen

Ein Gespräch mit Alireza Jerani, Leiter Webdevelopment von stern.de

Während der STERN in der Papierwelt knapp vor dem Spiegel und deutlich vor Focus auflagenstärkstes deutsches Wochenmagazin ist, kann er in der Online-Welt bislang nur den dritten Platz besetzen: Durchschnittlich 650 000 Besucher im Monat klickten im vergangenen Jahr die Seiten des Stern an. Bei den beiden Konkurrenten waren es jeweils über eine Million. Grund genug, sich etwas einfallen zu lassen. Wir sprachen mit Alireza Jerani, Leiter Web-Development von stern.de über Gründe und Hintergründe des Relaunches in (weitgehend) tabellenfreiem und standardnahem XHTML 1.0.

Mehr zu den überaus erfreulichen wirtschaftlichen Effekten der Umstellung auf standardnahes Layout lesen Sie in unserem Beitrag Stylesheets als Kostenbremse.

”Wir wollen wachsen - und wir müssen sparen” skizziert Jerani die wirtschaftlichen Überlegungen hinter der Umstellung, ”deshalb haben wir die ohnehin zum Jahresende anstehende Einführung eines neuen Content-Management-Systems dazu genutzt, die gesamte Technik auf eine neu und wirtschaftlichere Grundlage zu stellen.” Diese Grundlage sieht so aus, daß das neue Content-Management-System tatsächlich nur das Frontend für die Redaktion und das ”Data-Repository” für den Content bietet. Die Webseiten selbst werden über PHP-Templates generiert - unter strikter Beibehaltung der Trennung von Content und Präsentation bis ins XHTML.

Seitenvolumen um ein Drittel verringert

”Im Ergebnis können wir jetzt Seiten ausliefern, die wesentlich weniger Volumen haben als früher” registriert Jerani zufrieden. ”Vor dem Relaunch hatten unsere Seiten im Durchschnitt einen Umfang von 100 Kb - jetzt sind es 37 kb. Das bedeutet natürlich eine enorme Veringerung der Serverlast. In den Stoßzeiten bewältigen unsere Server heute bis zu 50 Page Impressions pro Sekunde - das war mit der alten Seitengestaltung schlichtweg unmöglich."

Dieser Vorteil war den Machern von stern.de - und sie hatten dafür die volle Unterstützung des Managements - soviel Wert, daß sie sogar ganz darauf verzichteten, eigene Seiten für die Anwender des in Deutschland immer noch recht verbreiteten Uralt-Browsers NN4 anzubieten, der große Probleme mit der neuen Technik hat. ”Unsere Statistiken haben uns gezeigt, daß weniger als 1,3 % unserer Besucher diesen Browser verwenden. Diese User bekommen von uns natürlich trotzdem den vollen Content - aber ohne Layout, und dafür bieten wir ihnen neuere Browser zum Download an.” Die Nutzer scheinen das zu akzeptieren, zumindest gab es in den ersten 5 Wochen nach der Umstellung nur genau 28 Beschwerde-Mails.

Was noch zu tun ist

Das heißt aber nicht, daß die Umstellung schon fix und fertig abgeschlossen wäre. Da ist zum Beispiel noch ein kleines Stück Layouttabelle auf den Seiten - klein genug, um den Spareffekt nicht zu beeinträchtigen, aber doch groß genug, um eine stirnrunzelnde Frage nach dem Warum zu stellen. "Das ist die sogenannte Bühne" erklärt Jerani, "die gehört zu unserer Corporate Identity und soll natürlich in jedem Browser möglichst gleich aussehen. Pixelgenauigkeit ist jedoch nicht die starke Seite von CSS-Designs - und solange wir da mit der Darstellung noch nicht zufrieden sind, setzen wir eben eine Tabelle ein. Wir arbeiten aber mit Volldampf daran, solche Reste der alten Technik zu beseitigen"

Eine weitere Baustelle ist die Herstellung der vollständigen Barrierefreiheit - also der Zugänglichkeit der Seite z.B. für Sehbehinderte oder Blinde . Dazu ist stern.de als privatwirtrschaftlicher Anbieter zwar nicht gesetzlich verpflichtet, sieht sich jedoch dennoch in die Pflicht genommen. ”Wir betrachten die Trennung von Content und Präsentation als die entscheidende Voraussetzung, um die hauptsächlichen Anforderungen für Accessibility in der nächsten Zeit Schritt für Schritt nachrüsten zu können.”

***

Das WWM bedankt sich bei Herrn Jerani für das Gespräch.

© Claudia Klinger +
Michael Charlier
Alle Rechte bei den Autoren