Claudia Klinger am 10. September 2016 —

Webwerbung: Über AdSense und AdWords

Dieser Beitrag richtet sich an bloggende Einsteiger und handelt von eigenen Erfahrungen mit den bekannten Google-Anzeigen.

Die Programme AdSense und AdWords von Google ermöglichen es, auf Webseiten Werbeanzeigen zu platzieren, die sich automatisch dem Inhalt anpassen. Dabei ist AdSense das Programm für die „Publisher“: Man kann sich verschiedene Anzeigenformate aussuchen, das Angebot reicht von der einfachen Textanzeige über Displayanzeigen (Bild, Banner) und Videos bis hin zu interaktiven „Rich Media-Anzeigen“, alles jeweils in unterschiedlichen Größen. Dann lädt man sich den Anzeigencode herunter und bindet ihn an der passenden Stelle der eigenen Webseite ein. Für WordPress, das häufigste Blogscript, gibt es praktische Plugins, die dieses Einbinden deutlich erleichtern.

Anzeige im Gartenblog

Bei Einführung des AdSense-Programms waren viele Blogger begeistert, denn so konnte man ein bisschen (oder auch mehr) Geld verdienen, ohne sich selbst um Werbetreibende kümmern zu müssen. Diese hatten es ebenfalls nun einfacher: Mit „AdWords“ lassen sich Anzeigen auf passenden Blogs und Webseiten buchen, ohne dass mit jedem einzelnen Publisher verhandelt werden müsste. In einer sich verändernden medialen Umwelt mit immer mehr Blogs und Webseiten war das ein großer Sprung nach vorne, den nun konnten mit den Anzeigen auch viele kleine Nischen erreicht werden, was zuvor organisatorisch praktisch nicht machbar war. Mittlerweile richten sich die Inhalte der Anzeigen auch nicht mehr nur nach dem inhaltlichen Umfeld, sondern auch nach den Interessen der Besucher, falls diese aus anderen Datenerhebungen bekannt sich (Tracking!).

Wieviel kann man als Blogger verdienen?

Zahlungen fallen im Google-System AdSense/AdWords nur an, wenn tatsächlich jemand auf die Anzeige klickt. Das reicht dann aber auch, was aus Blogger-Sicht ein Vorteil gegenüber Affiliate-Anzeigen darstellt, die oft nur bei einem tatsächliche Kauf, einer Anmeldung oder einer anderen Aktivität die jeweilige Provision auswerfen.

Der Verdienst, den man über AdSense erzielen kann, ist abhängig von der Anzahl der Besucher: Je mehr es sind, desto mehr klicken auf die Anzeigen. Daneben spielt das Keyword eine Rolle, zu dem die Anzeige erscheint: „Lebensversicherung“ bringt mehr Provision als „Heckenschere“, auch ändern sich die Provisionen je nach Wochentag, Uhrzeit und Saison. Reich wird man als Blogger mit Adsense eher nicht, denn häufig bringt ein Klick nur wenige Cents. Und man muss die Anzeigen gut platzieren und optimieren, was manchmal dem Interesse widerspricht, die Leser nicht von den Inhalten ablenken zu wollen.

AdSense zeigt passende Anzeigen – wirklich?

Meine eigenen Erfahrungen mit AdSense erstrecken sich über mehrere Jahre, doch hab‘ ich die Anzeigen immer nur sehr verhalten eingesetzt. Über oder unter einem Artikel, auch mal in der Seitenleiste, was eher nicht zu raten ist, denn dort werden sie meist ignoriert. Bewegte Bilder kamen für mich nicht in Betracht, ich beschränkte mich auf Text-Anzeigen, die mein wohl überdachtes Design nicht störten – es wundert nicht, dass die Provisionen höchstens ein Taschengeld ausmachten. Aber hey, mehr wollte ich eigentlich auch nicht, denn meine Blogs sind durchweg Hobby-Blogs und nicht für die „Monetarisierung“ erschaffen.

Da ich zunächst vom AdSense/AdWords-System recht angetan war, band ich die Anzeigen auf meinem Veggi-Blog, dem Gartenblog, auf dem Digital Diary und einem Berlin-Blog ein. Es schien auch ganz gut zu laufen, doch manchmal erschreckten mich die Anzeigen, die zu meinen Inhalten eingespielt wurden. Bloß weil ein Artikel das Wort „Politik“ enthielt, kamen zu Wahlzeiten Anzeigen von Parteien, die so gar nicht meiner Linie entsprachen. Und weil auf dem Veggie-Blog viel von Fleischersatz und Fleischalternativen die Rede ist, erschien dort mehrfach Werbung für Fleisch- und Wurstwaren. Geht einfach gar nicht!

Einzelne Anzeigen lassen sich zwar innerhalb des Adsense-Systems verhindern, doch muss man sie dafür ja erst einmal bemerkt haben. Am Ende war mir das zu aufwändig, so dass sie aus dem Veggie-Blog und meinem Themenmix-Blog ganz rausgeflogen sind.

Woran liegts, dass es nicht wenige „unpassende“ Platzierungen gibt? Das AdWords-System für die Buchung der Anzeigen durch die Werbetreibenden ist recht komplex und man muss einigermaßen durchblicken, um wirklich passende Themen und Seiten auszuwählen. Dabei ist das durchaus machbar:

„Je nach kontextbezogener oder interessenbezogener Ausrichtung der Webseiten kann die Kampagne stark spezialisiert werden, so dass die Anzeigen auch wirklich nur auf den richtigen Webseiten landen und nicht an Orten, auf welchen Nutzer mit gänzlich anderen Interessen vertreten sind.“

Diese wahren Worte und mehr zum Thema Adwords liest man bei den „Suchhelden“, die als von Google zertifizierte AdWords-Agentur darauf spezialisiert sind, die Feinheiten der Anzeigenplatzierung bis ins letzte Detail zu managen. Ich würde mir wirklich wünschen, dass den Anzeigen-Buchungen zumindest eine gründliche Befassung oder Beratung voraus geht, um Flops wie die beschriebenen zu vermeiden. Meine Blogs sind mehrheitlich ja nun raus aus dem Geschäft, was nicht passiert wäre, wären da durchweg auch wirklich passende Anzeigen erschienen!

Nicht jede Seite darf AdSense nutzen

Aber nicht nur falsch platzierte Anzeigen sind gelegentlich ein Grund, sich über AdSense zu ärgern. Google beschränkt auch von sich aus die Art der Seiten, auf denen AdSense-Anzeigen erscheinen dürfen. Klar, Gewaltverherrlichung, Seiten über Waffen und Drogen – da versteht man, dass Google diese als „unzulässigen Content“ betrachtet und seine Anzeigen dort nicht sehen will. Auch bei „nicht jugendfreier Content“ stimmt man auf den ersten Blick zu, nur: Wie wird der bittschön ermittelt?

Mir wurden in meinem Berlin-Blog die Anzeigen gesperrt, weil ein einzelner Beitrag ein Foto von zwei voll bekleideten (!) Umweltaktivisten im Straßenbild zeigte, die mit dem Motto „Fuck for Forrest“ auf witzige Weise um Spenden und um Beteiligung an ihrer alternativen Erotik-Seite warben, um so Geld für den Ankauf von Regenwald zu sammeln.

Umweltaktivisten

Der Beitrag war nach allen erdenklichen Kritierien komplett jugendfrei – aber für Google reichte das erwähnte Motto, um mich zu sperren bis ich den Artikel entfernt hatte.

So ist es halt, wenn Algorithmen und nicht Menschen urteilen! Wer ein gut laufendes Blog betreibt und damit eine große Reichweite erarbeitet hat, sollte sich nicht gänzlich von Google abhängig machen. Unzählige Geschichten über (vermeintlich? wirklich?) grundlos gesperrte Accounts machen im Web dir Runde – und die Auskünfte, die Googles Antwort-Algorithmen auf Nachfragen geben, sind oft sehr allgemein gehalten, so dass der mögliche Grund einer Beanstandung durch mühsame Forschungen ermittelt werden muss. Je nachdem, wieviel man zu verlieren hat, kann der Ärger über solche Vorkommnisse – wie in meinem Fall – zu vernachlässigen sein oder aber große Verluste bedeuten, die man nicht so leicht wegsteckt.