Claudia Klinger am 25. November 2015 —

YouTube & Co. – eine Erfolgsstory

Fernsehen war gestern, denn heute gibt es YouTube, heißt es allenthalben.
Dabei ist diese Behauptung ist keine leere Hülse, die Gründe sind einigermaßen eindrucksvoll: Gemäß einer Google-Statistik werden mittlerweile pro Minute bis zu 100 Stunden Videomaterial auf YouTube veröffentlicht. Eine Hochrechnung des Focus behauptet gar, dass in 30 Tagen mehr Material auf der Plattform publiziert werde, als die größten amerikanischen Sender ABC, CBS und NBC zusammen in den vergangenen 30 Jahren produziert hätten. Im Monat würden so weltweit mehr als sechs Milliarden Stunden Videomaterial von rund einer Milliarde Menschen rezipiert – das macht fast ein Drittel aller Internutzer aus. Wie konnte es eigentlich soweit kommen?

Ein bisschen Geschichte…

YouTube, im Jahre 2005 von den drei ehemaligen PayPal-Mitarbeitern Chad Hurley, Steve Chen und Jawed Karim gegründet und seit 2006 vom Internetgiganten Google übernommen, ist mit Abstand die beliebteste Videoplattform weltweit. Dies ist auch in Deutschland nicht anders (58% Marktanteil). Ebenfalls in Deutschland folgen auf den Plätzen zwei und drei Myvideo (11 % Marktanteil) und T-Online Bewegtbild (6,2 % Marktanteil). Seit der Übernahme durch Google ist der Wert des Unternehmens von 1,31 Mrd. auf rund 40 Mrd. Dollar gestiegen, was einer Verdreißigfachung gleichkommt.

Der Grund hierfür dürfte nicht zuletzt darin zu sehen sein, dass YouTube ca. ab 2007 mit der Schaltung von Werbung in den auf der Plattform veröffentlichten Videos begonnen und ausgewählte Videomacher seitdem Werbeeinahmen generieren können. Viele YouTuber konnten auf diese Weise zu regelrechten YouTube-Stars avancieren und ihren Lebensunterhalt damit mehr als einfach nur bestreiten. So manch einer wagte gar den Sprung über die Grenzen YouTubes hinaus, wie etwa der YouTuber LeFloid, der im Sommer 2015, wenn auch eher mit mäßigem Erfolg, Kanzlerin Merkel interviewen durfte. Mit rund 2,7 Mio. Abonnenten und glatt 390 Mio. Views zählt er zu den erfolgreichsten YouTube-Aktivisten Deutschlands.

Weltweit lassen ca. eine Mio. YouTuber Werbung auf ihren Kanälen schalten. Mehrere tausend Kanäle generieren so Einnahmen im sechsstelligen Bereich. Der momentan erfolgreichste Kanal der Welt heißt dabei „PewDiePie“ und erzielt mit seinen rund 37 Mio. Abonnenten mehr als 340 Mio. Aufrufe monatlich. Das erfolgreichste YouTube-Video ist indes eines des südkoreanischen Künstlers Psy, der mit seinem rund 2,3 Mrd. Mal angeklickten Video „Gangnam Style“ schlagartig berühmt wurde und seinerzeit sogar den YouTube-Klickzähler „sprengte“, welcher damals auf einen Maximalwert von „nur“ glatt 2.1 Mrd. programmiert war.

Videomarketing boomt – Hürden und Fallstricke inbegriffen

Diese immense Öffentlichkeitswirksamkeit und Distributionskraft von YouTube und Co., haben neben Produzenten von Katzenvideos, Nagellacktests und Tutorials zum Pfeife-Rauchen, früher oder später natürlich auch die Unternehmen für sich entdeckt. Sie schwenken im Marketingbereich zunehmend von der klassischen Textproduktion um zur Herstellung kurzer Videoclips, die entweder ein konkretes Produkt oder das Unternehmenskonzept klar und einfach strukturiert erklären. Solche Imagefilme oder Erklärvideos fallen weitaus authentischer und insbesondere günstiger aus als herkömmliche Werbefilme. Auf Betrachter wirken sie durch Verzicht auf überflüssigen Schnickschnack oft auch wahrhaftiger und glaubwürdiger – natürlich nur, wenn sie auch gut gemacht sind!

Was die Modalitäten der Veröffentlichung von Videos auf Plattformen wie YouTube angeht, so gilt es unbedingt einiges zu beachten. Zunächst sollte klar sein, dass durch den Upload eines Videos auf die Plattform der Nutzer seine Rechte am Bildmaterial uneingeschränkt an YouTube und (je nach gewählter Voreinstellung) auch an die YouTube-Community abtritt. Meist ist ja auch gewünscht, dass das Video weiterverbreitet wird, man hätte es ja gerne so VIRAL wie möglich. Soll dies im Einzelfall mal verhindert werden, lässt sich etwa das Embedding (Einbetten) bei den Voreinstellungen verbieten bzw. gar nicht erst anbieten (Achtung: das gilt dann für ALLE Webseiten, auch die eigene!). Selbstverständlich sollte immer darauf geachtet werden, dass in den eigenen Imagefilmen und Erklärvideos keine urheberrechtsgeschützte Musik hinterlegt ist und dass man an allen Bildmaterialien auch die Rechte hat. Ansonsten ist mit einer Abmahnung und Sperrung des Videos zu rechnen, was eher zu einem weitreichenden Imageschaden führen würde als zur Steigerung des Ansehens der Marke oder des jeweiligen Unternehmens.

Der Erfolg von YouTube & Co. ist letzten Endes ein Ausdruck des vorherrschenden Zeitgeistes. Wo das „Internet der Dinge“ in aller Munde ist und Jugendliche ihre Aktivitäten zunehmend ins Internet verlagern, scheint sich ein schleichender Text- und Lesepessimismus breit zu machen. Das Video ist zu DEM Kommunikationsmedium schlechthin geworden, weil man meint, es verbreite Informationen schneller, strukturierter und leichter verständlich als Texte dies zu tun vermögen. Aber stimmt das auch? Ein Video muss man ja erst einmal anschauen, es kostet Lebenszeit, die ich nicht verkürzen bzw. einsparen kann, indem ich es nur „scanne“, wie das bei Texten leicht möglich und üblich ist. Was besser ist, ist letztlich nicht verallgemeinerbar, sondern kommt auf den Inhalt an, der vermittelt werden soll. Und natürlich auch auf die sonstigen Medien-Gewohnheiten der User, die sich in stetigem Wandel befinden.